MARIENHEIDE

Gemeinsames Wandern wichtiger als jedes Hindernis

mkj; 01.08.2026, 17:30 Uhr
Fotos: Michael Kleinjung --- Gemeinsam unterwegs: Zahlreiche Mitglieder des ELA Deutschland e.V., sowie Vertreter des Naturparks Bergisches Land, „Das Bergische“ und weitere Unterstützer, starteten zur inklusiven Wanderung rund um die Bruchertalsperre.
MARIENHEIDE

Gemeinsames Wandern wichtiger als jedes Hindernis

mkj; 01.08.2026, 17:30 Uhr
Marienheide - An der Bruchertalsperre erlebten Menschen mit Leukodystrophie, ihre Familien und zahlreiche Unterstützer einen besonderen Tag in der Natur - Die inklusive Wanderung mit Manuel Andrack zeigte, wie wichtig barrierefreie Angebote für Teilhabe und Lebensqualität sind.

Als Michael Weiß über seinen dreieinhalbjährigen Enkel Miran spricht, muss er sich immer wieder sammeln. Vor rund einem Jahr erhielt die Familie die Diagnose Leukodystrophie – eine seltene, genetisch bedingte Erkrankung des Nervensystems. Die Lebenserwartung seines Enkels liege bei nur fünf bis acht Jahren. „Ich sehe meine Aufgabe als Großvater darin, die Familie zu unterstützen und dem Kleinen noch möglichst viel Lebensqualität zu geben“, sagt der Karlsruher. Gleichzeitig wolle er anderen Großeltern Mut machen und ein Netzwerk schaffen, denn oft stünden diese im Schatten der betroffenen Familien.

 

[Selin Braun (Mitte) nahm gemeinsam mit ihrer Familie an der inklusiven Wanderung teil. Für diesen besonderen Tag erhielt sie eigens Urlaub aus dem Krankenhaus.]

 

Mit diesen Worten begann am Samstagmorgen eine inklusive Wanderung rund um die Bruchertalsperre in Marienheide. Eingeladen hatten der Naturpark Bergisches Land, die Tourismusorganisation „Das Bergische“ und der ELA Deutschland e.V., der sich bundesweit für Menschen mit Leukodystrophien und deren Angehörige engagiert. 

Gemeinsam mit dem bekannten Wanderautor und Moderator Manuel Andrack machten sich zahlreiche Familien, Ehrenamtliche und Unterstützer auf den rund drei Kilometer langen barrierearmen Rundweg. Ziel war es, zu zeigen, dass Naturerlebnisse auch für Menschen mit körperlichen Einschränkungen möglich sein müssen.

 

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Zu den Teilnehmern gehörte auch Selin Braun aus Simmerath. Die junge Frau lebt selbst mit einer Erkrankung, die ihre Nerven schädigt und das Gehen zunehmend erschwert. „Ich bin aktuell eigentlich im Krankenhaus und wurde für heute beurlaubt“, erzählt sie. Umso wichtiger sei für sie die Gemeinschaft mit Menschen, die ähnliche Erfahrungen machen. Sie freue sich darüber zu erleben, dass es solche Angebote gebe und Betroffene hier Gleichgesinnte treffen könnten.

 

„Wir freuen uns, dass wir den ELA Deutschland e.V. heute an der Bruchertalsperre begrüßen dürfen“, sagte Jens Eichner, Geschäftsführer des Naturparks Bergisches Land. Der Rundweg sei im Projekt „Alle inklusive – barrierefrei und seniorengerecht“ entstanden und von den Kreisen Oberberg und Rhein-Berg finanziert worden. Für Familien mit Rollstühlen oder anderen Mobilitätseinschränkungen erfülle der Weg genau die Anforderungen an ein gemeinsames Naturerlebnis. Die Zusammenarbeit sei über Wanderpate Manuel Andrack entstanden, mit dem der Naturpark bereits mehrfach Projekte umgesetzt habe.

 

[Gabi Wilhelm, Geschäftsführerin von „Das Bergische“, Wanderpate Manuel Andrack, Jens Eichner, Geschäftsführer des Naturparks Bergisches Land und Wastl Roth-Seefrid, Wanderwegemanager des Naturparks Bergisches Land, begrüßten die Teilnehmer der inklusiven Wanderung an der Bruchertalsperre.]

 

Manuel Andrack warb einmal mehr für das Wandern als Quelle von Lebensfreude. „Wandern macht glücklich“, sagte er. Gerade eine inklusive Wanderung zeige, dass gemeinsames Erleben wichtiger sei als Einschränkungen. Mit barrierefreier Toilette, gut ausgebautem Weg und kleinen Überraschungen entlang der Strecke seien beste Voraussetzungen geschaffen worden.

 

Auch Friedhelm Julius Beucher aus Bergneustadt, Ehrenpräsident des Deutschen Behindertensportverbandes, lobte das Projekt ausdrücklich. Besonders die barrierefreie Badestelle sei bundesweit keineswegs selbstverständlich. „Das ist hier ein Vorzeigemodell“, sagte Beucher.  Wastl Roth-Seefrid vom Naturpark verwies darauf, dass die Bruchertalsperre einer der wenigen Orte sei, an denen Natur weitgehend barrierefrei erlebt werden könne. Neben der barrierefreien Toilettenanlage ermögliche eine Rampe Rollstuhlfahrern den Zugang bis ins Wasser.

 

[Friedhelm Julius Beucher (li.), Ehrenpräsident des Deutschen Behindertensportverbandes, mit der Paralympics-Teilnehmerin von Paris, Jule Roß, und Marienheides Bürgermeister Sebastian Heimes (oberes Foto). Kinder im Rollstuhl erkundeten gemeinsam mit ihren Eltern den barrierearmen Rundweg (unteres Foto).]

 

Marienheides Bürgermeister Sebastian Heimes freute sich darüber, dass die Veranstaltung die Möglichkeiten an der Bruchertalsperre stärker ins öffentliche Bewusstsein rücke. Trotz der bergischen Landschaft sei hier ein vollständig barrierefreier Rundweg entstanden. Für die Teilnehmer warteten anschließend noch weitere Überraschungen, darunter die Besichtigung eines speziell für Rollstuhlfahrer entwickelten Heißluftballon-Korbs, wie Gabi Wilhelm, Geschäftsführerin von „Das Bergische“, ankündigte.

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