LOKALMIX

„Wiehl zeigt Gesicht“ für mehr Teilhabe statt Barrieren

lw; 09.10.2026, 15:49 Uhr
Foto: Lars Weber --- Gemeinsam für Teilhabe und eine inklusive Gesellschaft (v.li.): Peter Madel (Stadt Wiehl), die Projektleiterinnen Maria Lamsfuß und Astrid Wollenweber sowie Uli Pflitsch und Andreas Lamsfuß von Lebenspfade Oberberg.
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„Wiehl zeigt Gesicht“ für mehr Teilhabe statt Barrieren

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lw; 09.10.2026, 15:49 Uhr
Wiehl – Das Projekt „Wiehl enthindert“ zog eine Zwischenbilanz vor den letzten anderthalb Jahren des Förderzeitraums – Ideen, Angebote und Gespräche sollen auch danach weitergehen, dafür werden Vereine und Institutionen gefragt sein.

Von Lars Weber

 

Für viele Menschen sind die Hürden hoch, wenn sie an Angeboten in Sport oder Freizeit teilnehmen möchten oder sich weiterbilden möchten. Dies gilt für Menschen mit Beeinträchtigung - aber nicht nur. Auch Senioren, die nicht mehr so gut zu Fuß sind, Personen mit wenig Einkommen oder Familien, die mit Kinderwagen unterwegs sind, sind Beispiele für Gruppen, für die eine Teilhabe am öffentlichen Leben oft nur eingeschränkt möglich ist. Um dies zu ändern, ist im April vor drei Jahren das Projekt „Wiehl enthindert“ von der Stadt Wiehl und dem Verein Lebenspfade Oberberg auf die Gleise gesetzt worden. Das erklärte Ziel: Einen inklusiven Sozialraum schaffen, in dem Teilhabe für alle gleichberechtigt und selbstbestimmt möglich ist. Seit dem Start von Wiehl enthindert ist viel passiert. Die Verantwortlichen haben nun ein Zwischenfazit gezogen und anderthalb Jahre vor dem Ende der Förderung einen Blick in die Zukunft gewagt: Wie können die geschaffenen Strukturen weiter mit Leben gefüllt werden? Dazu startet nun die neue Kampagne „Wiehl zeigt Gesicht“.

 

Seit rund drei Jahren ist das Büro von Wiehl enthindert in der Straße Im Weiher 12 untergebracht und Anlaufstelle für alle, die sich engagieren wollen, Ideen haben oder Projekte starten wollen. Ansprechpartner sind die beiden Projektleiterinnen Astrid Wollenweber, zugleich Inklusionsbeauftragte der Stadt Wiehl, und Maria Lamsfuß von Lebenspfade Oberberg. Zum Gespräch mit OA nehmen außerdem der Erste Beigeordnete Peter Madel, Andreas Lamsfuß von Lebenspfade und Leiter der HBW (Heimat. Begleiten. Wohnen GmbH), und Uli Pflitsch als Vorsitzender der Lebenspfade Oberberg am Tisch Platz. Der Verein gründete nicht nur die HBW, sondern auch die BWO-Werkstätten für Menschen mit Beeinträchtigung.

 

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Gefördert wird Wiehl enthindert mit insgesamt einer Million Euro vom Start bis zum Ende des Förderzeitraums 2028 von der Aktion Mensch auf der einen und dem Ministerium für Arbeit, Gesundheit und Soziales des Landes NRW auf der anderen Seite. Das Besondere: Als sie den Antrag stellten, stand das Konzept höchstens in Grundzügen. Es sei klar gewesen, erinnert sich Madel, dass am Anfang von Wiehl enthindert eine Erhebungs- und Planungsphase stehen muss. „Wir wollten zielgenau agieren.“

 

In dieser Zeit machten sich Wollenweber und Lamsfuß auf den Weg und bauten ein großes Netzwerk auf: Vereine unterschiedlichster Bereiche, Institutionen wie die Biologische Station, die Bergische Agentur für Kulturlandschaft oder die VHS kamen an Bord. Zugleich wurden viele Gespräche mit den Menschen geführt, die aus unterschiedlichen Gründen von Angeboten ausgeschlossen werden. „Wir haben festgestellt: Da sind Welten voneinander getrennt! Menschen mit und ohne Beeinträchtigung hatten in ihrer Freizeit praktisch nichts miteinander zu tun.“ Vielleicht, weil ein spezieller Fahrdienst nötig ist, vielleicht, weil schlicht eine Rampe fehlt, vielleicht, weil eine gewisse Assistenz gebraucht wird.

 

Gemeinsam mit dem Netzwerk habe man dann überlegt: Wie sind diese Barrieren abzubauen? Herausgekommen sind eine ganze Reihe an Projekten. „Alles ist direkt aus dem Netzwerk heraus entstanden“, freuen sich die Verantwortlichen. Dazu gehören zum Beispiel Empowerment-Angebote, also sozusagen Hilfe zur Selbsthilfe. Zuletzt gut zu beobachten bei einem Infoabend zum Thema Persönlichen Budget im Begegnungszentrum Gähnfeld. 100 Menschen fanden den Weg dorthin. „Eine Frau kam sogar extra aus Düsseldorf angereist“, so Wollenweber.  Viel Sichtbarkeit geschaffen haben bislang einige Aktionstage, allen voran das Sportfest für alle in der Sporthalle des Gymnasiums, bei dem 300 Menschen zusammenkamen. Am 21. November findet dort die zweite Ausgabe statt.

 

Auf den Weg gebracht wurden aber auch inklusive Ferienangebote für Kinder und Jugendliche oder ein Kochangebot, aus dem heraus nun bereits das zweite Kochbuch veröffentlicht wird.  An strukturellen Verbesserungen wird im Forum Inklusion der Stadtverwaltung und im Arbeitskreis Inklusion der Lebenspfade gearbeitet. Und die Arbeitsgruppe Barriere-Check hat öffentliche Gebäude, Sporthallen oder auch die Kirche auf barrierefreiheit überprüft – inklusive einer Checkliste, die künftig abgearbeitet werden kann.

 

Im November wird nun mit der Kampagne „Wiehl zeigt Gesicht“ die letzte Phase des Förderzeitraums eingeläutet mit dem erklärten Ziel, noch mehr Menschen für das Thema zu gewinnen und zu sensibilisieren. „Dazu haben wir mit Projektbeteiligten Interviews geführt“, erzählte Wollenweber. Sie erzählen aus ihrer persönlichen Sicht, warum sie sich für Teilhabe und Barrierefreiheit einsetzen und was sie mit Wiehl enthindert verbindet. Die Kampagne läuft über die Sozialen Medien und bei YouTube.

 

Die Zeit nach der Förderung beschäftigt die Verantwortlichen natürlich jetzt schon. Andreas Lamsfuß und Uli Pflitsch sagen deutlich: Die Lebenspfade und die angeschlossenen Gesellschaften können nicht alles allein stemmen. „Wir müssen auf die Ressourcen des existierenden Sozialraums zurückgreifen“, um inklusive Programme dauerhaft zu etablieren. Ein Beispiel: Bei HWB und BWO gebe es fünf Fußballteams. Gleichzeitig gibt es in Wiehl mehrere Fußballvereine, von denen nur der BSV Bielstein als Vorreiter vor Jahren schon ein Inklusionsteam gegründet hat. Soll heißen: Um Aktivitäten und Angebote zu verstetigen, sind die Kooperationspartner im Netzwerk gefordert, ebenso wie die Stadt, die nötigen Strukturen zu schaffen. Das Netzwerk solle nach dem Ende des Förderzeitraums in ein Bündnis überführt werden. Innerhalb dieser Struktur soll Wiehl weiter enthindert werden.

 

Aus Sicht von Wollenweber und Lamsfuß wird weiter eine Koordinationsstelle wichtig sein. Wie diese etabliert und vor allem finanziert werden kann, müsse man aber noch klären. Wie viel Gutes gemeinsame Erlebnisse bewirken können, hätten die Verantwortlichen bei Wiehl enthindert schon häufig erfahren. „Menschen wollen gemeinsam etwas unternehmen!“, sagt Wollenweber. Und sie möchten weiter dafür sorgen, dass so viele Menschen wie möglich teilhaben können – auch über 2028 hinaus.

 

Mehr Informationen zu Wiehl enthindert gibt's hier.

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