LOKALMIX

"Wenn kein riesiger Vulkan ausbricht oder ein Asteroid einschlägt, wird der Klimawandel so weitergehen"

lw; 16.01.2026, 17:00 Uhr
Fotos: Lars Weber --- Wie passt man sich an den Klimawandel an? Darüber sprachen (v.li.) TV-Meteorologe Donald Bäcker, Kreisbrandinspektor Julian Seeger, Moderatorin Julia Wäger, Aggerverbandschef Dr. Uwe Moshage und Christine Wosnitza von der Biologischen Station Oberberg.
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"Wenn kein riesiger Vulkan ausbricht oder ein Asteroid einschlägt, wird der Klimawandel so weitergehen"

lw; 16.01.2026, 17:00 Uhr
Gummersbach – Der Oberbergische Kreis, diverse Institutionen und Vereine sowie Bürgerinnen und Bürger beschäftigten sich einen Tag lang in der Halle 32 mit dem Klimawandelanpassungskonzept – Prominenter Gast war TV-Meteorologe Donald Bäcker.

Von Lars Weber

 

Den Klimawandel nicht skandalisieren, sondern alle gemeinsam Vorsorge dafür treffen, dass die Lebensqualität in Oberberg trotz der Veränderungen erhalten bleibt – so hat Landrat Klaus Grootens (Foto) gestern in der Halle 32 das Ziel umrissen, das der Oberbergische Kreis mit dem Klimawandelanpassungskonzept – kurz KWAK – verfolgt. Denn: „Der Klimawandel ist real, er betrifft uns alle!“ Das Konzept wurde daher gemeinschaftlich entwickelt, mit den Kommunen, aber auch mit Vereinen, Institutionen und Bürgerinnen und Bürgern. Nachdem es im Herbst vergangenen Jahres vom Kreistag beschlossen wurde, gilt es nun dafür zu sorgen, dass gar nicht erst die Gefahr aufkommt, dass es in „einer Schublade Staub ansetzt“, so Grootens. Deshalb war der Kreis gestern Gastgeber der Veranstaltung „Klima.Wandel.Anpassung – Gemeinsam den Herausforderungen im Oberbergischen Kreis begegnen“. Dort wurde über das Konzept gesprochen, über die Umsetzung, und ganz nebenbei vermittelte TV-Meteorologe Donald Bäcker unterhaltsam in einem Vortrag und später bei einer Podiumsdiskussion Wissenswertes zum Thema.

 

[Die Besucherreihen waren fast vollständig besetzt. Die Veranstaltung war laut Kreis ausgebucht. Einige Interessenten mussten abgelehnt werden.]

 

Vorgestellt wurde das KWAK von Kreisplanungsdezernent Frank Herhaus (hier gibt es Einzelheiten über das Konzept, hier können es sich Interessierte herunterladen). Herhaus erinnerte an die schon sichtbaren Auswirkungen, an Dürreperioden, an Hitzewellen, an das Waldsterben, an Starkregenereignisse und erläuterte, was der Kreis bereits getan habe, um sich auf die Entwicklungen vorzubereiten, so seien Starkregengefahren- und Starkregenrisikokarten bereits abrufbar. Damit können Bürgerinnen und Bürger sich ganz gezielt informieren, ob beispielsweise ihre Häuser von Katastrophenereignissen betroffen sein könnten – und ihrer Pflicht nachkommen, sich vorzubereiten.

 

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Im Zentrum des Nachmittags standen aber der Vortrag von Donald Bäcker und die sich anschließende Diskussion. Bäcker hatte auch einige Zahlen zum Oberbergischen Kreis mitgebracht. So sei die Jahresmitteltemperatur hier seit den 1950er-Jahren bis in die 2010er-Jahre von 8,2 auf 9,9 Grad angestiegen. Die Frosttage wiederum, also Tage unter 0 Grad, seien über die selbe Zeitperiode um 21 zurückgegangen. Konkrete Vorhersagen, wie sich das hiesige Wetter entwickeln wird, seien zwar nicht möglich – dies hänge laut Bäcker zu sehr von Großwetterlagen ab. Die Prognosen seien aber deutlich, dass der Kreis mit einem Rückgang der Sommerniederschläge und mehr Regen im Winter rechnen müsse, zudem mit einer Zunahme extremer Niederschlagsereignisse. Übrigens: Schnee im Oberbergischen bleibe auch trotz des Klimawandels möglich, obwohl die Zahl der kalten Tage abnehme.

 

[Donald Bäcker ist aus dem Fernsehen bekannt, unter anderem beim Morgenmagazin ist er für das Wetter zuständig.]

 

Bäcker machte deutlich, dass das Klima in der Weltgeschichte noch nie stabil war. „Der Klimawandel ist natürlich.“ Und wurde seit jeher schon von Naturereignissen wie Vulkanausbrüchen oder Asteroideneinschlägen beeinflusst – man denke an die Dinosaurier. Aber: „Der menschliche Einfluss auf den Klimawandel ist so stark, dass er den natürlichen überlagert.“ Bäcker erklärte die Rolle des Treibhauseffektes, den großen Einfluss von Wasserdampf und dass das 1,5 Grad-Ziel jetzt schon gerissen sei.  Die heißen Tage im Jahr werden von Jahr zu Jahr mehr werden, so Bäcker. „Wenn kein riesiger Vulkan ausbricht oder ein Asteroid auf die Erde einschlägt, wird es auch so weitergehen.“ Der Mensch müsse versuchen, an jenem Stellrädchen zu drehen, auf dass er am meisten Einfluss hat: die Reduktion von CO2-Emmissionen. „Umweltschutz ist also immer auch Klimaschutz.“ Dies gehe schon in den eigenen vier Wänden los, zum Beispiel mit der Heizung.

 

[Digital konnte das Publikum auch Fragen an die Diskussionsteilnehmer stellen.]

 

Oder vor den eigenen vier Wänden, wie Christine Wosnitza von der Biologischen Station Oberberg im anschließenden Podiumsgespräch sagte. Sie ist Spezialistin für Naturgärten. Auch kleine Schritte könnten etwas bewirken. „Das Regenwasser kann gespeichert, Flächen zur besseren Versickerung entsiegelt werden.“ Dazu könnten Hausbesitzer über Dachbegrünung nachdenken und mit Bäumen für Schatten im Garten sorgen. So kommen auf wenigen Quadratmetern Maßnahmen gegen Starkregenereignisse oder auch Hitzeperioden zusammen.

 

Neben Bäcker, Wosnitza und Moderatorin Julia Wäger (Projektagentur Oberberg) nahmen zudem Julian Seeger, Kreisbrandinspektor und Leiter des Amts für Brand-, Zivil- und Katastrophenschutz, sowie Dr. Uwe Moshage, Chef des Aggerverbands, auf dem Podium Platz. Letzterer hob die Bedeutung der Talsperren hervor. „Sie helfen uns, dem Klimawandel zu begegnen.“ So seien zuletzt die Betriebsregeln angepasst worden, unter anderem um sich auf die längeren Dürreperioden einzustellen und trotzdem ausreichend Trinkwasser zur Verfügung zu haben. Seeger betonte, dass eine Katastrophe nicht sicher vorauszusagen sei. „Deshalb ist Vorbereitung so wichtig.“ Dank des Katastrophenschutzbedarfsplans habe man im Kreis inzwischen Maßnahmen für verschiedenste Szenarien entwickelt, die sofort abrufbar seien.

 

[Foto: OBK --- Schon am Mittag gab es kurze Fachvorträge und einen Austausch in der Halle 32.]

 

Vor dem öffentlichen Teil am Nachmittag wurde sich ab mittags fachlich ausgetauscht. In Kurzvorträgen seien dabei auf Landes-, Regional- und Kommunalebene Handlungsoptionen aufgezeigt worden. Zum Beispiel sprach Pauline Rothstein vom Oberbergischen Kreis darüber, wie Oberbergs Unternehmen klimaresilienter werden können, zudem stellte sich mit Sabine Nockermann-Hammeran die bislang einzige Klimawandelanpassungsmanagerin des Kreises vor. Sie erarbeitet Projekte für die Gemeinde Engelskirchen.

 

Über die besonderen Herausforderungen der Kommunen hatte auch Bergneustadts Bürgermeister Matthias Thul im Rahmen der öffentlichen Veranstaltung in seinem Grußwort gesprochen. Angesichts vieler Beschwerden bei einem eigentlich fast reibunsglosen Winterdienst mahnte er, dass nicht jedes kleinste Risiko allein von der Kommune oder dem Staat abgesichert werden könne. Das gelte erst recht für Klimakatastrophen. „Wir müssen uns alle vorbereiten“, nahm er damit auch die Bürgerinnen und Bürger in die Pflicht. Das KWAK soll dabei helfen: Den Oberbergern bei der Selbstvorsorge, den Kommunen mit kurz- und langfristigen Maßnahmen und der Möglichkeit, sich schnell auf Förderprogramme bewerben zu können.  

 

Der Markt der Möglichkeiten

 

 

Integriert in die Veranstaltung in der Halle 32 war ein sogenannter Markt der Möglichkeiten. Dabei präsentierten verschiedene Institutionen praxisnahe Projekte, Angebote und Ideen, zudem blieb ausreichend Zeit für Gespräche. Mit dabei waren der Aggerverband, die Biologischen Station Oberberg und die Bergische Agentur für Kulturlandschaft, das Landesamt für Natur, Umwelt und Klima NRW, die Leader-Regionen „Bergisches Wasserland“ und „Oberberg: 1.000 Dörfer – eine Zukunft“, der Verein Naturgarten Regionalgruppe Bergisches Land, das Netzwerk Klimaanpassung und Unternehmen NRW, die oberbergischen Kommunen, der Kreis, die Region Köln Bonn sowie der Wupperverband. Zudem hatte auch die Sparkasse Gummersbach als Sponsor des Events einen Stand.

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