LOKALMIX
„Verlässliche Stimme für die Arbeitnehmer“
Gummersbach – Werner Kusel ist heute als hauptamtlicher Gewerkschaftssekretär der IG Metall Gummersbach verabschiedet worden – Rund 70 Gäste waren ins 32 Süd gekommen.
Von Lars Weber
Ein paar Tränen mussten am Ende schon erlaubt sein: Werner Kusel hat sich heute nach 16 Jahren als Bevollmächtigter der IG Metall Gummersbach in die passive Phase der Altersteilzeit verabschiedet. Der 62-Jährige hat eine Ära geprägt: Seit 1980 ist er Mitglied der IG Metall, 35 Jahre war er hauptamtlicher Gewerkschaftssekretär. Zu seinem Abschied ins 32 Süd kamen heute rund 70 Gäste, darunter Weggefährten, Familie und Freunde. Sie ehrten den Gummersbacher aus verschiedenen Perspektiven.
Nicht nehmen ließ es sich Moderator Haydar Tokmak, dem 62-Jährigen zu danken. Tokmak hat viele Jahre an der Seite von Kusel gearbeitet und wurde im Juli zum Nachfolger Kusels als erster Bevollmächtigter gewählt (OA berichtete). Tokmak ging auf Kusels Werdegang ein, der mit einer Ausbildung zum Schmelzschweißer bei Steinmüller begann. „Ein Schmelzschweißer verbindet Metall. Ein Gewerkschafter verbindet Menschen. Und du, lieber Werner, hast beides getan.“ Er habe den Arbeitnehmern stets Orientierung gegeben und sie stark gemacht. Auch wenn er jetzt in die passive Phase wechsle: „Du bleibst ein Teil von uns. Teil unserer Geschichte. Teil unserer Erfolge. Teil unserer Erinnerungen.“
Andre Arenz, IG Metall Vorstand, sagte, dass Kusel nie vergessen habe, dass er seine Karriere in der Werkshalle gestartet habe. Er habe deshalb gewusst, wie wichtig Solidarität ist. In den 35 Jahren als hauptamtlicher Gewerkschaftssekretär „hast du Konflikte gelöst und Perspektiven geschaffen“. Er sei eine verlässliche Stimme für die Arbeitnehmer gewesen. Landrat Klaus Grootens dankte Kusel im Namen der ganzen Region für „den unermüdlichen Einsatz“. Die Industrie sei ein Markenzeichen des Kreises und man habe stets dieselben Ziele im Blick gehabt: unter anderem den Erfolg und Fortbestand der Unternehmen und die Sicherung der Arbeitsplätze. „Sie waren die Stimme vieler Menschen im Kreis.“
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[Haydar Tokmak (oben) würdigte seinen Vorgänger in einer launigen Rede. Andre Arenz (unten) überreichte Kusel ein Präsent zum Abschied.]
Dass „Kusel auch Klartext“ könne, habe Ulrich Koch vom Arbeitgeberverband schon bei der ersten Begegnung herausgefunden. Auch wenn die Verhandlungen schwierig waren oder es gekracht habe, habe man stets weiter zusammenarbeiten können. Auch, weil auf Kusels Wort stets Verlass gewesen sei. „Das ist die härteste Währung bei Verhandlungen.“
Emotionale Worte fand der evangelische Pfarrer im Ruhestand Michael Höhn, der nicht nur selbst Gewerkschaftsmitglied ist, sondern einst Lehrer Kusels am Berufskolleg Gummersbach war. „Dein Leitmotiv war es nie, Parolen zu dreschen, sondern ein verlässliches soziales Netz zu spinnen, um die Folgen von Restrukturierungen und Schließungen für die Familien so stark wie möglich abzufedern.“
Eine Auszeichnung entgegennehmen durfte Kusel von Dr. Hans Jörg Gäntgen, Vizepräsident des Landesarbeitsgerichts Köln. Er heftete Kusel die Ehrennadel in Silber der Arbeitsgerichtsbarkeit Nordrhein-Westfalens für 30 Jahre Dienste als ehrenamtlicher Richter ans Revers des Gewerkschaftlers. Er freute sich, dass Kusel noch einige Monate dem Landesarbeitsgericht zur Verfügung stehen wird.
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[Dr. Hans Jörg Gäntgen zeichnete Kusel für seine Verdienste als ehrenamtlicher Richter aus.]
Kusel selbst möchte „die guten Dinge im Herzen behalten“. Er dankte allen Wegbegleitern, darunter unter anderem Jürgen Richter, einst Betriebsrat bei Steinmüller, dem er gleich am ersten Tag seiner Ausbildung den Mitgliedsantrag für die IG Metall entgegenstreckte. Vor allem dankte er aber seiner Familie, dabei besonders seinen Kindern, die häufig auf ihren Papa hätten verzichten müssen. Er habe es nie bereut, in Gummersbach bei der IG Metall geblieben zu sein. Der Oberbergische Kreis sei eine der stärksten Industrieregionen Deutschlands, auch dank vieler familiengeführter Hidden Champions, die sich ihrer sozialen Verantwortung gegenüber den Beschäftigten bewusst seien. Auch wenn die Situation für Arbeitgeber und Arbeitnehmer aufgrund globaler Umbrüche und Krisen noch schwieriger geworden ist, so wisse er die IG Metall Gummersbach in den Händen seines Nachfolgers Tokmak und des ganzen Teams gut aufgestellt. „Ihr werdet sie in eine erfolgreiche Zukunft bringen.“
Kusel möchte nun erstmal etwas Abstand gewinnen und reisen. Auf eines sei aber Verlass: Am 1. Mai zur Kundgebung der IG Metall in Gummersbach werde er vor Ort sein.