LOKALMIX

NRW-Umweltministerin: „Am Geld scheitert es nicht“

lw; 23.04.2020, 15:46 Uhr
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Fotos: Lars Weber --- Mitten im Brandfeld (v.li.): Feuerwehrchef Detlef Hayer, Bürgermeister Frank Helmenstein, Umweltministerin Ursula Heinen-Esser, Landrat Jochen Hagt und Kreisbrandmeister Wilfried Fischer.
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NRW-Umweltministerin: „Am Geld scheitert es nicht“

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lw; 23.04.2020, 15:46 Uhr
Gummersbach – Ursula Heinen-Esser (CDU) besuchte das Brandfeld auf dem Hömericher Kopf – Feuerwehr wird bis mindestens Sonntag noch vor Ort sein.

Von Lars Weber

 

Abgebrannte Bäume, manche umgefallen, manche gefällt. Verkokelte Baumstümpfe, schwarze Erde. Und all das auf einer fast 50 Hektar großen Fläche. Dazu der Dreck, der Staub und die schwere Luft, der Geruch nach verbranntem Holz, Asche weht umher. Mittendrin steht Ursula Heinen-Esser (CDU), NRW-Umweltministerin, die am Donnerstagmorgen dem Brandfeld auf dem Hömericher Kopf einen Besuch abstattete, um sich ein Bild zu machen vom Ausmaß der Katastrophe in Gummersbach, stellvertretend auch für weitere Waldbrände, die in den vergangenen Tagen im Land wüteten und die Einsatzkräfte weiter beschäftigen.

 

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Wichtig war der Ministerin natürlich mitzuteilen, was getan wird, um solche Brände künftig verhindern oder zumindest kleiner halten zu können. Doch mindestens ebenso wichtig war ihr der Dank an die größtenteils ehrenamtlichen Einsatzkräfte, bei dem Termin vertreten durch den Gummersbacher Feuerwehrchef Detlef Hayer und auch Kreisbrandmeister Wilfried Fischer. Man habe gesehen, dass mit viel Erfahrung gearbeitet wurde. Heinen-Esser ging auch auf die Gründe ein, die dazu geführt haben, dass sich das Oberbergische zu einem Gebiet mit Waldbrandgefahr entwickelt hat. Dabei nannte sie die Käferplage ebenso wie die Trockenheit seit ein paar Jahren. „Wir sind mitten im Klimawandel!“

 

[Umweltministerin Ursula Heinen-Esser sei geschockt gewesen, als sie die ersten Bilder des brennenden Walds gesehen habe.]

 

Als Schlussfolgerung der Ereignisse der vergangenen Tage solle die Abfuhr des Totholzes priorisiert werden. In Abstimmung mit den Forstämtern soll analysiert werden, wo es besonders bedrohlich werden könne. „Am Geld scheitert es nicht, die Fördermittel dafür sind da.“ In diesem Zusammenhang sprach die Ministerin von 10 Millionen Euro, die gerade Waldbesitzer benötigen, da sie mit dem toten Holz nicht einmal mehr das Geld machen können, um es zu entfernen, ergänzte Michael Cescotti, Forstbetriebsleiter in Strombach. Für die Wiederaufforstung der Wälder im Land gibt es 100 Millionen Euro. „Wichtig dabei ist, dass die Wälder zu Mischwäldern werden. Diese sind klimastabiler, weniger anfällig für Käfer und auch Feuer kann sich dort nicht so schnell ausbreiten“, so Heinen-Esser weiter. Dazu kündigte sie an, mit den Einsatzkräften über die Anforderungen von Brandschneisen in den Wäldern zu sprechen, um die Pläne ins Waldbaukonzept NRW aufzunehmen.

 

[Ganz knapp an einer Katastrophe vorbeigeschrammt sind Petra (li.) und Peter Hochhardt (re.) mit ihrem Hof. Sie waren voll des Lobes für die Einsatzkräfte, die Tiere seien inzwischen alle wieder auf dem Hof. Petra Hochhardt erzählte, dass ihr erst jetzt langsam bewusst geworden sei, was alles hätte passieren können.]

 

Nicht zuletzt appellierte Heinen-Esser an die Bürger, achtsam mit dem Wald umzugehen. Auch im Hinblick auf den 24-Jährigen, der sich bei der Polizei gestellt hatte und mutmaßlich für den Brand in Gummersbach verantwortlich sein soll, sagte sie: „Meist entstehen Brände, weil der Mensch unachtsam war. Zigaretten gehören nicht in den Wald!“

 

Begleitet bei ihrem Spaziergang über das Brandfeld wurde die Ministerin von Forstamtsleiter Kay Boenig, Michael Cescotti und Detlef Hayer. Später kamen Landrat Jochen Hagt, Kreisbrandmeister Fischer und Bürgermeister Frank Helmenstein hinzu. Hayer verdeutlichte noch einmal eindrucksvoll die Gefahr des Feuers. „Es war nur noch 25 Meter vom Bauernhof entfernt, als wir es bei einer kurzen Windstille stoppen konnten“, sagte der Feuerwehrchef.

 

[Regionalforstamtsleiter Kay Boenig sagte, dass alleine in seinem Gebiet zwei Millionen Festmeter Käferholz noch im Wald liege: "Das muss weg!"]

 

„Wir müssen alle Kraft darauf verwenden, unsere Wälder aufzuräumen, um die Voraussetzungen für die Aufforstung zu schaffen“, so Hagt. Dass man derart knapp an einer Katastrophe vorbeigeschlittert sei, sei auch ein Signal an das Land, so Helmenstein. „Die Kommunen müssen unterstützt werden.“ Boenig sagte über den Verlauf des Waldbrands auf dem Hömericher Kopf, dass man Glück gehabt habe, dass die Wegeerschließung ausgeprägt war. So hätten die Einsatzkräfte das Feuer einkesseln können. Zudem wurde mit dem Kreis erst vor einem halben Jahr ein Erschließungskonzept für die Wälder auf den Weg gebracht, das ihnen nun enorm geholfen habe.

 

[Die Einsatzkräfte haben auf dem Hömericher Kopf weiterhin gut zu tun.]

 

Am vierten Einsatztag gibt es weiterhin Nachlösch- und Wässerungsarbeiten. Heute seien rund 60 Einsatzkräfte vor Ort, so Hayer, die kommenden Tage werden es ein paar weniger sein. Es gebe noch wenige kritische Stellen, dazu gehörten Glutnester unter Moosböden, die sich immer wieder entzündeten. „Wir werden die Natur jetzt ein bisschen alleine lassen“, sagte Hayer, die Einsatzkräfte werden aber mindestens bis Sonntag die Situation überwachen, um einzuschreiten, wenn es nötig sein sollte. Hayer hob auch nochmal die Hilfe von anderen Helfern hervor, zum Beispiel vom THW. „Sie räumen mit uns hier auf, machen uns nachts Licht und löschen auch mit, die sind Gold wert.“

 

[Das THW ist eine von vielen Hilfsorganisation, Vereinen und Einrichtungen, die der Feuerwehr bei dem langen Einsatz unter die Arme greifen.]

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KOMMENTARE

1

Auch wir möchten uns ganz herzlich bei den Feuerwehrleuten bedanken!
Wir wohnen am Fuße des Hömerichs auf der Wasserfuhrer Seite. Auf dieser – Strombach abgewandten – Seite haben wir am Montagnachmittag aus dem Wohnzimmer sehen können, wie das Feuer sich auch auf dieser Seite einen Weg nach unten bahnte. Ganz gewiss nicht vergleichbar mit dem Ausmaß des Feuers auf der Steinenbrück-, Strombach-Seite und der Gefahr, der Petra und Peter Hochhardt und ihr Bauernhof mit den Tieren ausgesetzt waren.
Wir sind sehr froh, dass wir eine so kompetente und umsichtige Feuerwehr haben. Seit Montagabend fühlte ich mich außerordentlich gut beschützt. Vielen herzlichen Dank noch einmal – auch für die unermüdliche Feuerwache, die – wie ich lese – voraussichtlich noch bis Sonntag nötig ist.

Gudrun Martineau, 23.04.2020, 18:49 Uhr
2

10 Millionen Euro bei 2 Millionen Festmetern Käferholz entspricht 5 € pro Festmeter. Die Aufarbeitung kostet aber ca 20 € pro Festmeter! Wenn das Wetter so trocken und warm bleibt kommen erneut mindestens 2 Millionen Festmeter dazu! Selbst wenn das Holz aufgearbeitet würde blieben noch gigantische Mengen an Kronen und Astwerk übrig. Allein in der Forstbetriebsgemeinschaft Gummersbach sind mindestens 400 Hektar überhaupt nicht durch Wege erschlossen. Wie soll das Holz dann erreicht werden? Wohin mit dem ganzen Holz? 100 Millionen € für Wiederaufforstung. Wie sollen die frisch gepflanzten Bäume anwachsen, wenn weiterhin kein/ zuwenig Regen während der Vegetationszeit fällt? Klimawandel bekämpfen mit heimischen Baumarten. Brauchen wir nicht Baumarten aus der Klimazone, die wir bekommen?

Reinhold Berke, 23.04.2020, 21:36 Uhr
3

Inzwischen sollte jedeR verstanden haben, um was es geht und wie man durch verantwortungsvolles Handeln die Fehler korrigieren kann. Mischwald ist in jeder (!) Hinsicht besser als Monokulturen: Artenvielfalt, Klimaverträglichkeit, Brandschutz und -ja- Wirtschaftlichkeit. Trotzdem ist immer wieder zu beobachten, das einige Unverantwortliche genau das ignorieren und fleißig weiter Fichtenplantagen anlegen.

F Lothar Winkelhoch, 25.04.2020, 09:09 Uhr
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