LOKALMIX

Trauern und Haltung zeigen

lw; 19.02.2026, 19:45 Uhr
Fotos: Lars Weber --- Aziz Kocyigit bei seiner Rede vor der Trauerminute.
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Trauern und Haltung zeigen

lw; 19.02.2026, 19:45 Uhr
Gummersbach – Rund 30 Menschen nahmen an Mahnwache für die Opfer des rassistischen Anschlags in Hanau von 2020 teil – Auf den Lindenplatz eingeladen hatte „Oberberg ist bunt, nicht braun“.

Von Lars Weber

 

Zum sechsten Mal jähren sich die Hanau-Morde inzwischen. Am 19. Februar 2020 erschoss ein 43-jähriger Rassist neun Menschen mit Migrationshintergrund, danach seine Mutter und sich selbst. Vor rund einem Monat starb zudem ein Überlebender der Tat an den Folgen seiner Verletzungen. Seit der Tat erinnert der Verein „Oberberg ist bunt, nicht braun“ jedes Jahr an die Opfer. Gleichzeitig stehen die Mitglieder und die Teilnehmer an der Mahnwache ein gegen Rassismus, Faschismus und für Toleranz. So auch in diesem Jahr, wo sich rund 30 Menschen auf dem Lindenplatz zusammenfanden.

 

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Gerhard Jenders, Vorsitzender von „Oberberg ist bunt“, erklärte in seiner Rede, warum diese Morde nachhallen und es wichtig ist, an die Opfer zu erinnern. Der Rassist habe die Menschen erschossen, weil sie ein wenig anders aussahen, als er selbst, weil ihre Namen anders klangen. Diese Beweggründe für Gewalttaten seien kein Einzelfall. Seit 1990 seien fast 200 Menschen „von rechtsextremen Herrenmenschen“ ermordet worden. Jenders erinnerte auch an einen Fall vor zehn Jahren, als 2016 in Waldbröl aus diesen Motiven getötet wurde, „aus Frust darüber, dass die Flüchtlinge, die man eigentlich angreifen wollte, sich gewehrt hatten“.

 

Sie würden immer wieder erinnern, weil es nicht vorbei sei – „weder für die Opfer, für die Angehörigen noch für unsere Gesellschaft“. Eine Gesellschaft, in der „Politiker, die sich als Mitte ansehen, Probleme mit dem Stadtbild haben, wenn sie Menschen mit Migrationshintergrund sehen“. Darüber hinaus thematisierte Jenders die AfD. Es werde Zeit, dass das Verbotsverfahren eingeleitet werde. „Damit es irgendwann vorbei ist, sind wir gefordert: Wir sind verantwortlich für die Stimmung in unserem Land, für die Stimmung in unseren Städten.“ Er forderte dazu auf, gegen Rassismus, Antisemitismus, Rechtsextremismus und Faschismus auf die Straße zu gehen.

 

[Mit den Gesichtern der Opfer erinnerten die Teilnehmer der Mahnwache an die schreckliche Tat von Hanau.]

 

Reden hielten zudem Aziz Kocyigit (unter anderem DIDF, Föderation der Demokratischen Arbeitervereine) und Gulezar Özmen vom Alevitischen Kulturzentrum Oberberg. Özmen erinnerte an die Namen der Opfer, daran, dass die Angehörigen noch heute auf eine lückenlose Aufklärung warteten. Rassismus werde zu oft in der Gesellschaft geduldet und toleriert. Rassistisch motivierten Taten folgten Worte der Betroffenheit, aber keine Konsequenzen. „Wir wollen zeigen: Wir gehören hierher, und wir lassen uns nicht vertreiben.“ Trauern und Haltung zeigen, darum ginge es ihnen an diesem Tag.

 

Nach den Reden gab es eine Trauerminute für Ferhat Unvar, Gökhan Gültekin, Hamza Kurtović, Said Nesar Hashemi, Mercedes Kierpacz, Sedat Gürbüz, Kaloyan Velkov, Vili Viorel Păun und Fatih Saraçoğluăun und Fatih Saraçoğlu.

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