LOKALMIX

Technischer Stotterstart und offene Fragen

ch; 17.06.2021, 14:57 Uhr
Symbolfoto: Wilfried Pohnke auf Pixabay
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Technischer Stotterstart und offene Fragen

ch; 17.06.2021, 14:57 Uhr
Oberberg – Hohe Nachfrage nach digitalem Impfnachweis in den ersten Tagen bei Apotheken – Hausärzte warten noch auf Aktualisierung der Praxissysteme (AKTUALISIERT).

Der Start des digitalen Impfnachweises ist mit einigen technischen Problemen behaftet gewesen. Seit Montag können Menschen, die bereits ihre zweite Impfung erhalten haben, sich zusätzlich zu dem weiterhin gültigen gelben Impfpass ihre Impfbescheinigung per QR-Code auf ihr Smartphone laden. Während im Impfzentrum alle, die seit Freitag ihre zweite Spritze erhalten, direkt vor Ort mit den Codes versorgt werden und davor Geimpfte das Dokument per Post erhalten sollen, müssen andere selbst aktiv werden. Da der Start für die Ausstellung der digitalen Impfnachweise bei den Hausärzten voraussichtlich erst in einigen Wochen erfolgt, hatten die Apotheken seit Montag regen Zulauf – auch im Oberbergischen, wie Martina Dammüller, Sprecherin für den Oberbergischen Kreis beim Apothekerverband Nordrhein, mitteilt.

 

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Das Vorgehen ist eigentlich ganz einfach: Interessierte suchen sich über den Apothekenmanager des Deutschen Apothekerverbands eine Apotheke in ihrer Nähe, die diese Möglichkeit anbietet. Zur Vorlage mitgebracht werden müssen der Impfnachweis, also im Normalfall der gelbe Impfpass, und ein Ausweis, so Dammüller. Die Daten werden von den Apothekern zunächst geprüft. „Wir wissen, wie ein korrekter Impfnachweis auszusehen hat und wissen, worauf wir achten müssen“, sagt Dammüller. Zudem würden die Daten im System mit Daten des Robert-Koch- Instituts (RKI) abgeglichen. Ist alles in Ordnung, bekommen die Kunden ihren Nachweis mit den QR-Codes, die sie beispielsweise in die Corona-Warn-App oder die neue CovPass-App laden.

 

Soweit die Theorie: Allerdings sei vor allem an den ersten beiden Tagen das Eingeben der Daten zu den normalen Geschäftszeiten nahezu unmöglich gewesen. Zu groß war landesweit der Andrang. „Ist ja klar, wenn 20.000 Apotheken zeitgleich auf ein System zugreifen wollen, dann bricht das System eben zusammen“, sagt Dammüller. In den beiden Wipperfürther Apotheken, die sie leitet, sei vor allem am Dienstag viel los gewesen. Bis gestern wollten mehr als 130 Kunden einen digitalen Impfnachweis haben. Sie sei – wie andere Kollegen auch – dazu übergegangen, Kopien von den Dokumenten anzufertigen und die Daten nach oder vor den Geschäftszeiten einzutragen. "Dann lief das System flüssig." Ist alles fertig, bekommen die Kunden einen Anruf. Im Laufe des Mittwochs habe das System schon besser gearbeitet.

 

[Foto: privat --- Martina Dammüller ist Pressesprecherin des Apothekerverbands Nordrhein für den Oberbergischen Kreis und führt die Cosmas- und die West-Apotheke in Wipperfürth.]

 

Einige Fragen bleiben aber noch. Zum Beispiel, wie Genesene, die nur einmal geimpft werden, an ihren digitalen Nachweis gelangen. Der Oberbergischen Kreis gibt Genesenen, die nur eine Impfung brauchen, eine entsprechende Dokumentation im Impfausweis, wenn sie ihre Impfung im Impfzentrum bekommen. "Die elektronische Lösung gibt es noch nicht", heißt es weiter und es fehlten diesbezüglich auch noch Informationen vom NRW-Gesundheitsministerium. Dazu passt die Auskunft des Bundesgesundheitsministeriums auf dessen Informationsseite: „Negative Tests oder eine durchgemachte Infektion werden sich künftig in der CovPass-App und auch Corona-Warn-App in der nächsten Entwicklungsstufe (bis Ende Juni) als Testzertifikat bzw. Genesenenzertifikat hinterlegen lassen.“

 

Auch die Frage nach der Haftung müsse noch genau geklärt werden, so Dammüller, wenn ein Apotheker beim Übertragen der Daten beispielsweise ein Tippfehler im Namen der Geimpften mache und dieser später am Flughafen deshalb am Ende nicht verreisen könne. „Die Kunden sollten die Daten beim Abholen nochmal genau kontrollieren.“

 

Genau dieses händische Eingeben soll bei der Ausstellung des digitalen Impfnachweises in den Hausarztpraxen wegfallen. So hofft es zumindest Dr. Ralph Krolewski, Vorsitzender des Hausärzteverbands Oberberg. Stattdessen habe die Kassenärztliche Vereinigung Nordrhein (KVNO) für die Praxisverwaltungssysteme eine Aktualisierung in Auftrag gegeben, sodass es vom im System erfassten Krankenblatt zum QR-Code bestenfalls nur ein Klick ist. Bei der Belastung der Praxen momentan sei eine schnelle Abwicklung zentral. „Sonst kündigen mir bald meine Mitarbeiter“, so der Mediziner. Er ist gespannt auf die Umsetzung. „Wir haben gerade in Sachen Digitalisierung und Funktionalität schon üble Überraschungen erlebt.“ Laut einer aktuellen Mitteilung der KVNO soll die erweiterte Software Ende Juni in vielen Praxen verfügbar sein.

 

Jene, die über das Impfportal der KVNO ihre Impftermine gebucht haben, können die Nachweise auch online abrufen, indem sie sich über das Terminbuchungsportal unter der Adresse https://termin.corona-impfung.nrw mit ihren Zugangsdaten anmelden. Die Zertifikate sollen dort zum Herunterladen bereitstehen.

 

Weitere Informationen zum digitalen Impfnachweis finden Interessierte beim Oberbergischen Kreis, beim Bundesgesundheitsministerium oder beim RKI.


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