LOKALMIX

Tausende Schallplatten auf 20 Quadratmetern: Wer suchet, der findet

lw; 24.08.2026, 15:47 Uhr
Fotos: Lars Weber --- Zarko Tubin freut sich, mit seinen Kunden über Musik und Platten zu philosohieren.
LOKALMIX

Tausende Schallplatten auf 20 Quadratmetern: Wer suchet, der findet

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lw; 24.08.2026, 15:47 Uhr
Waldbröl – Seit gut einem Jahr ist Zarko Tubin Inhaber des einzigen Plattenladens im Oberbergischen Kreis – Gebrauchtes Vinyl und diverse Schätze - „Klangraum 33 1/3“ lädt zum Stöbern ein.

Von Lars Weber

 

Ein Plattencover nach dem anderen wird in Augenschein genommen. Die Finger sind geübt und arbeiten sich von einem Regal zum nächsten. Kurz wandert der Blick zum Plattenteller, wo eine schwarze Scheibe ihre Runden dreht. Die Musik macht neugierig. Aber erstmal suchen Hände und Augen weiter bis – endlich! – die Suche ein Ende hat. Da ist sie, die Erstpressung des Albums, die man schon so lange gesucht hat! Das leidenschaftliche Stöbern im Plattenladen, das einen die Zeit vergessen lässt, kennen die meisten Vinylsammler wohl nur zu gut. Umso schöner, dass man inzwischen den Kreis dafür nicht mehr verlassen muss. Denn vor einem Jahr hat Zarko Tubin in Waldbröl den Plattenladen Klangraum 33 1/3 eröffnet – und lebt damit den Traum fast jeden Sammlers.

 

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Wer das erste Mal auf Plattensuche in der Hochstraße 8 gehen möchte, der muss vielleicht zweimal hinschauen. Der Klangraum 33 1/3 ist von der Straße weg ganz außen im Gebäude beheimatet und etwas versteckt. Rechts daneben steht ein Ladenlokal leer. Um jedem klarzumachen, dass sein Laden geöffnet hat und er gerne Kundschaft empfängt, hat Zarko Tubin im leeren Ladenlokal einen Hinweis mit einem Pfeil zu sich anbringen dürfen. Wer die Stufen zum Laden dann aber gefunden hat, auf den wartet ein gut sortierter Laden mit Musik aus Rock, Pop und Metal bis Jazz – und mit dem 49-jährigen Inhaber selbst ein Sammler, der gerne auch mal mit seinen Kunden ins Gespräch kommt.

 

„Musik begleitet mich schon immer“, blickt der gebürtige Sauerländer zurück. Seine Liebe zu Vinyl entflammt aber erst Mitte der 00er-Jahre über Freunde, die ihm das Medium schmackhaft machten. Ganz besonders die Haptik hat es Tubin angetan. Die Hülle in beiden Händen zu halten, über das Cover zu streichen, die Hülle aufzuklappen und die Platte zum ersten Mal herauszuziehen, das sei auch heute noch aufregend. So wurde er zunächst selbst zum Sammler. Und die Kollektion wuchs schnell. Er wird zum Jäger, treibt sich gerne in Plattenläden rum oder sucht online nach Perlen. Musik aus dem 80er-Jahren bis hin zu Jazz, Tubin ist musikalisch breit aufgestellt. Besonders freute er sich zum Beispiel, als er das Album Peckin‘ Time von Hank Mobley, 1959 auf dem legendären Jazz-Label Blue Note erschienen, in der Erstpressung erstehen konnte.

 

Die Bestseller im Klangraum 33 1/3

 

Laut Tubin gehen die Klassiker am häufigsten über die Ladentheke.

 

Gerade folgende drei Künstler beziehungsweise Bands haben es seiner Kundschaft besonders angetan (in alphabetischer Reihenfolge):

 

David Bowie

Fleetwood Mac

Michael Jackson

 

Der Weg zum eigenen Laden war aber trotzdem nicht vorgezeichnet. Etwa 15 Jahre lang war Tubin im sozialen Bereich beruflich tätig. Als seine Tochter vor acht Jahren geboren wurde, verändert sich sein Leben aber nachhaltig. „Ich wollte mehr Zeit für sie haben.“ So verändert er sich beruflich, arbeitet in Teilzeit im Versicherungswesen. Aber mit der Zeit wurde ihm klar: „Dort möchte ich nicht bleiben“.

 

Bis zu diesem Zeitpunkt war seine Sammlung auf bis zu 8.000 Platten angewachsen. Und wer sich so intensiv mit Vinyl beschäftigt, kommt auch irgendwann auf die Idee, das Hobby zum Beruf zu machen, bestätigt Tubin. Doch diese Idee tatsächlich zu verfolgen, dazu bringt ihn erst seine Frau. „Mach doch einen Laden auf“, habe sie gesagt. „Sie hat mich sehr ermutigt“, sagt der 49-Jährige dankbar. Wohnhaft in Denklingen, ging die Suche nach einem Ladenlokal los. „Die Fixkosten mussten niedrig sein.“ Nachdem sich eine Option in Dieringhausen zerschlug, fand seine Frau den charmanten, nur 20 Quadratmeter großen Laden in der Hochstraße in der Markstadt. Positiver Nebeneffekt, wenn man sein eigener Chef ist: Tubin hat die Öffnungszeiten so gelegt, dass er auch Zeit mit seiner Familie verbringen kann.

 

 

Auch wenn der Vinylmarkt seit 19 Jahren wieder am Wachsen ist und inzwischen mehr Menschen Schallplatten als CDs erwerben, gibt es kaum neue Läden für das kostspielige (neue Platten kosten meist ab 30 Euro aufwärts) Hobby. Als Wagnis sieht Tubin seinen Laden aber nicht. Bis zu 5.000 Platten brachte er selbst in den Laden ein – große Investitionen zum Start konnte er sich also sparen. Neuware gibt es bei ihm praktisch nicht, dafür gute bis sehr gut erhaltene Gebrauchtware. Der Zustand von Cover, Hülle und Platte spielen ebenso in den Verkaufspreis rein wie die Verfügbarkeit. Für eine rare Pressung können schnell 50 Euro und (viel) mehr fällig werden – dafür zählen solche Platten unter Sammlern als wahre Wertanlage. Und auch an solchen Schätzen mangelt es nicht bei Zarko Tubin.

 

Diese Platten drehen sich gerade auf dem Teller
 

Natürlich hört Zarko Tubin viel Musik, während er im Laden ist. Folgende Platten legt er aktuell besonders gerne auf:

 

Coogans Bluff - Flying To The Stars

Streetmark - Eileen

Sabu Martinez - Afro Temple

 

Ein Jahr nach der Eröffnung ist er zufrieden mit der Resonanz. Etwa 80 Prozent der Besucher seien männlich, dafür kommen junge wie ältere gleichermaßen. Einmal sei ein älterer Herr gekommen, der sofort gestanden habe, dass er nichts kaufen werde. „Er wollte einfach nur mal wieder stöbern, die Platten durchschauen, so, wie er es früher häufig getan hat“, erinnert sich Tubin an die Begegnung.

 

Die meisten Gäste gingen aber nicht ohne mindestens eine Platte aus dem Laden. Inzwischen habe er diverse Stammkunden. „Manche komme alle ein bis zwei Wochen, andere vielleicht alle zwei Monate – aber sie verlassen den Laden fast immer mit ein paar Platten“, freut sich der 49-Jährige. Die meisten kommen aus dem Oberbergischen, aber auch aus Siegen und Bonn habe er wiederkehrende Kunden. In einem Umkreis von etwa 40 Kilometer habe er seines Wissens den einzigen Laden für Vinyl. Für manchen Interessenten geht der Reichshofer auch selbst auf Vinyljagd, um die Wünsche zu erfüllen. Erfahrung darin hat er schließlich mehr als genug. „Es fühlt sich nicht nach Arbeit an“, sagt Tubin, lacht und dreht die Platte auf dem Teller.

 

Hier gibt es Informationen zum Klangraum 33 1/3.

KOMMENTARE

1

Und wenn man wüsste wo die herkommen dann ist der Artikel schon sehr interessant.

Frank-Peter Twilling, 24.08.2026, 16:19 Uhr
2

Wer denkt da nicht ans Nirvana...?

Stefan Wertberger, 25.08.2026, 05:59 Uhr
0 von 800 Zeichen
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