LOKALMIX
Start im Oktober: Dr. Heike Gutermuth wird das MVZ Waldbröl aufbauen
Waldbröl – Mit dem MVZ Waldbröl am Klinikum Oberberg bekommt der Kreissüden einen wichtigen Baustein für das hausärztliche Angebot.
Von Peter Notbohm
Die hausärztliche Versorgung steht bundesweit unter Druck. Eine sinkende Zahl der Hausarztpraxen und überfüllte Wartezimmer sind auch im Oberbergischen ein Dauerthema. Umso mehr freute sich Landrat Klaus Grootens am Freitagvormittag mit Dr. Heike Gutermuth die neue Leiterin des MVZ Waldbröl vorstellen zu dürfen. Die Fachärztin für Allgemeinmedizin und Therapeutin für funktionelle Medizin soll mit ihrem Team mit dem MVZ Waldbröl am 1. Oktober in den Räumlichkeiten am Klinikum Oberberg in Waldbröl starten.
„Wir werden mit dieser Praxis von Null starten. Ich freue mich darauf, alles zu strukturieren und aufzubauen“, sagte Gutermuth. Es habe bereits mehrere Gespräche mit medizinischen Fachangestellten (MFA) gegeben, sodass sie optimistisch ist, gemeinsam mit Lennart Lach (Verwaltungsleiter MVZ Oberberg GmbH), und Olga Reimer (Teamleitung MFA) „ein super Team auf die Beine zu stellen“.
Gutermuth wurde in Troisdorf geboren und hat nach ihrem Abitur ein Studium der Humanmedizin an Universität Bonn absolviert. Nach Stationen als Assistenzärztin am Uniklinikum Bonn und den Katholischen Kliniken Oberberg Engelskirchen war die zweifache Mutter seit 2021 Fachärztin für Allgemeinmedizin in einer Praxis in Rösrath sowie Therapeutin für funktionelle Medizin in einer Praxis für präventive Medizin.
Die Räumlichkeiten des hausärztlichen Medizinischen Versorgungszentrums auf dem Gelände des Krankenhauses sind mittlerweile fast fertiggestellt, nur das Interieur fehlt noch. Das MVZ wird über vier moderne Büro- beziehungsweise Behandlungsräume sowie ein Labor und einen EKG-Raum verfügen. Durch die räumliche Nähe zum Kreiskrankenhaus können die im MVZ tätigen Ärztinnen und Ärzte weitere spezialisierte Diagnostik mit den Kolleginnen und Kollegen der Kliniken abstimmen. Insgesamt bietet die Praxis Platz für bis zu vier Ärzte. Je Arzt werden zwischen 2.000 und 2.500 Patienten pro Quartal abgedeckt. Die Suche nach einer Leiterin für das neue MVZ nahm etwa anderthalb Jahre in Anspruch – aus Sicht der handelnden Personen angesichts des Fachärztemangels eine vertretbare Zeit.
Auch deshalb sprach Landrat Grootens im Rahmen der Vorstellung von einem besonderen Tag und einem Stück Pionierarbeit für den Oberbergischen Kreis, der mit seinen Partnern und der Kassenärztlichen Vereinigung einen neuen Weg der Versorgung der Bevölkerung mit ärztlicher Leistung einschlage. Der oberbergischen Kreissüden (Morsbach, Waldbröl, Nümbrecht) gehört mit einem Versorgungsgrad von 79,2 Prozent zu den schwächsten Gebieten in ganz Nordrhein-Westfalen. Ab einem Richtwert von 75 Prozent spricht man von einer offiziellen Unterversorgung der hausärztlichen Versorgung. In anderen Bereichen liegt die Quote laut Grootens dagegen teilweise bei über 100 Prozent.
Der Oberbergische Kreis habe in den vergangenen Jahren bereits mehrere Programme wie das Medizinstipendienprogramm auf den Weg gebracht, um der drohenden Unterversorgung im Kreissüden zu begegnen. Nun wolle man über die Strukturen der MVZ Oberberg GmbH auch den hausärztlichen Bereich unterstützen. Der Landrat betonte dabei ausdrücklich, dass es nicht darum gehe, eine Konkurrenz zu den niedergelassenen Ärzten aufzubauen, sondern darum, das Angebot zu ergänzen.
Dass die Quote der hausärztlichen Versorgung sich weiter steigern wird, hofft auch Sascha Klein, Geschäftsführer Klinikum Oberberg. Auch er betonte, dass das MVZ Waldbröl noch nicht auf fertige Prozesse und Strukturen zurückgreifen kann und man noch Entwicklungsarbeit am Standort leisten müsse. Langfristig verfolge man aber das Ziel, dass junge Ärzte, die das Ziel haben Hausarzt zu werden, den ambulanten Teil ihrer Ausbildung in der Praxis in Waldbröl absolvieren. Bisher mussten junge Ärzte für diesen Teil der Ausbildung häufig in benachbarte Kreise ausweichen und kamen dann häufig nicht zurück ins Oberbergische.
Auch Waldbröls Bürgermeisterin Larissa Weber (parteilos) nannte die Eröffnung des hausärztlichen MVZ einen wichtigen und erfreulichen Schritt für die Marktstadt: „Eine gute medizinische Versorgung gehört zu einer lebenswerten Stadt und ist für Menschen aller Altersgruppen von Bedeutung. „Sie dankte allen beteiligten Akteuren, die dies möglich gemacht haben: „Das ist ein tolles Signal für die Stadt und die Region.“
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