LOKALMIX
Simson-Fans erobern Wiehl
Wiehl – Knatternde Motoren, glänzende Chromteile und jede Menge Nostalgie: Zum 18. Mal haben die „Simsonfreunde Oberberg“ am 1. Mai zu ihrem traditionellen Treffen mit Ausfahrt nach Wiehl eingeladen, bei dem sich rund 150 Mopedfahrer versammelten.
Von Michael Kleinjung
Die Veranstaltung hat sich längst zu einem festen Termin in der Szene entwickelt. Bereits zum 18. Mal organisieren Michael Koch sowie Michael und Christian Schabon das Simson Treffen auf dem Wiehler Rewe-Parkplatz. Die Gruppe selbst besteht seit rund 20 Jahren: „In den letzten Jahren ist das immer mehr geworden. Mittlerweile sind wir bei etwa 150 Mopeds – und wir vermuten, dass es heute sogar noch mehr werden“, berichten die Organisatoren am Freitagmorgen vor Ort.
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[Gemeinsam unterwegs: Sieben Mitglieder der Simsonfreunde Oberberg beim Treffen in Wiehl.]
Die Teilnehmer reisten teils von weit her an: aus Köln, Düsseldorf, dem Ruhrgebiet oder sogar von der niederländischen Grenze. „Ich würde sagen, wir sind außerhalb des Ostens eines der größten Treffen in NRW“, sagte Koch. Die Route führte über rund 50 Kilometer durch das Oberbergische: von Wiehl über Hunsheim und Eckenhagen bis hin nach Denklingen und schließlich zum Ziel nach Wiehl-Angfurten. Dort warteten Grill, Kaffee und Kuchen auf die Fahrerinnen und Fahrer.
Die Marke Simson steht dabei für ein ganz besonderes Lebensgefühl. Die Mopeds aus der ehemaligen DDR wurden zwischen 1960 und 1996 produziert und genießen bis heute Kultstatus. Besonders bekannt ist die „Schwalbe“, ein Modell aus der sogenannten Vogelserie, das bis heute viele Liebhaber hat. Ein Grund für die anhaltende Beliebtheit: die erlaubte Höchstgeschwindigkeit von 60 Stundenkilometer und das klassische Schaltgetriebe – ein Unterschied zu modernen Rollern.
Dass die Begeisterung längst auch jüngere Generationen erreicht hat, zeigten zwei Teilnehmer aus Ruppichteroth – beide Freunde heißen Moritz und sind 21 und 23 Jahre alt. „Wir sind durchs Internet vor ein paar Jahren an das Hobby gekommen“, erzählen sie. „Die Ausfahrt am 1. Mai ist eigentlich unser Jahreshighlight und macht immer Spaß.“ Gerade das Schrauben und die Gemeinschaft machen für sie den Reiz aus: „Das ist einfach cooler als irgendwelche E-Mopeds. Man kann selber was dran machen – und findet schnell Leute, mit denen man das teilen kann.“
[Nicht nur das Moped ist Kult: Vanessa Weißenberg aus Solingen trägt eine originale DDR-Handballjacke von 1983 – ein besonderes Erbstück ihres Großvaters.]
Auch Vanessa Weißenberg aus Solingen war eigens nach Wiehl gekommen. „Durch meinen Papa habe ich davon erfahren“, sagt sie. Ihre Verbindung zur Marke ist persönlich geprägt: „Wir sind gebürtig aus Ostdeutschland – da ist das einfach Kult.“ Ihre Simson hat eine besondere Geschichte: „Mein Opa hat mir die tatsächlich aufgebaut.“
Trotz wachsender Beliebtheit wollen die Organisatoren das Treffen bewusst in einem überschaubaren Rahmen halten. „Es ist viel Verantwortung bei so einem Trupp. Und wir sind kein Verein, sondern organisieren das privat. Deshalb wollen wir es nicht zu groß werden lassen – auch wenn es jetzt schon sehr groß ist“, betonen sie. Bei strahlendem Sonnenschein und bester Stimmung zeigte sich einmal mehr: Das Simson-Treffen in Wiehl ist längst mehr als nur eine Ausfahrt – es ist ein Stück gelebte Zweiradkultur, das Generationen verbindet.

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