LOKALMIX

Schützen droht die nächste Zwangspause

bv, ls; 23.02.2021, 09:00 Uhr
Archivfoto: Michael Kleinjung --- Feiern mit vielen Menschen liegt für die oberbergischen Schützenvereine noch in großer Ferne.
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Schützen droht die nächste Zwangspause

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bv, ls; 23.02.2021, 09:00 Uhr
Oberberg - Bereits 2020 fand aufgrund der Pandemie kein einziges Schützenfest statt - Und auch ein Jahr später rechnet derzeit niemand mit neuen Schützenkönigen und einem lauten "Horrido" in den Zelten und Sälen.

Von Leif Schmittgen und Bernd Vorländer

 

Eigentlich laufen bei den oberbergischen Schützenvereinen spätestens nach Ende der Karnevalssession die Vorbereitungen für das Schützenjahr auf Hochtouren. Schießwettbewerbe stehen an, Mitgliederversammlungen werden durchgeführt und Verträge mit Zeltverleihern und Festwirten geschlossen. Momentan aber liegt alles auf Eis. Auch deswegen geht der Präsident des Oberbergischen Schützenbundes (OSB), Klaus Büser davon aus, dass es bei den 32 Mitgliedsvereinen in diesem Jahr kein traditionelles Schützenfest geben wird.

 

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„Die Entscheidung darüber liegt selbstverständlich bei den jeweiligen Vorstandsvertretern und nicht bei uns“, berichtet Büser. Eine Rückmeldung an den Dachverband gibt es in der Regel nicht, trotzdem ist man in Kontakt. Nachdem man in Belmicke und Gummersbach (nicht Mitglied im OSB) bereits öffentlich einen Rückzieher gemacht hatte, stehen auch die Veranstaltungen in Bergneustadt und Windhagen vor der Absage.

 

Auch das Bundesschützenfest, das dieses Jahr in Lindlar hätte stattfinden sollen, wird vermutlich nicht durchgeführt. „Derzeit gilt es, dort Verträge durchzuschauen, um mögliche Zahlungsverpflichtungen bei Nichtdurchführung zu prüfen“, so der Präsident. Da die Ausrichtung der angeschlossenen Kirmes aber in Händen der Gemeinde liegt, geht Büser (Foto) von der Absage aus. Bereits aufgehoben wurde die OSB-Jugendolympiade in Loope, die auf 2022 verschoben wurde. Ersatzlos gestrichen wurden auch die beiden traditionellen Pokal-Schießwettbewerbe des Schützenbundes. Die Delegiertenversammlung wurde von März auf Juli verschoben - vorerst. Sollten Probleme oder Fragen auftreten, können Vereine beim OSB Beratung erhalten. Sowohl zu Vertragsfragen als auch bei Anträgen diverser Fördermittel steht man beim Dachverband helfend zur Seite.

 

Die Umstände tragen dazu bei, dass das Vereinsleben nahezu überall brachliegt. Als eines der ersten findet im Gummersbacher Stadtteil Windhagen am zweiten Maiwochenende das Schützenfest statt: „Wir werden die Mitglieder jetzt über die Absage informieren“, berichtet Vereinschef Thomas Ufer. Der Schützenverein Windhagen gehört zu den kleineren Grünrock-Gruppierungen, man betreibt aber sowohl sportlich als auch traditionell ein breit gefächertes Miteinander. Das ist spätestens seit dem zweiten Lockdown bei null angekommen. Die Sportschützen trainieren nicht und auch die wöchentlichen Treffen im Schützenhaus sowie Zusammenkünfte von Offiziers- und Damenkorps liegen komplett brach.

 

Umstände die Ufer (Foto) bedauert. Allerdings liegt die größte Sorge des Vorsitzenden beim Vereinsnachwuchs. „Bei der Jugendarbeit werden wir ganz von vorne beginnen“, so Ufer. Zwar hat man zur Akquirierung von Kindern ein funktionierendes Konzept, unter anderem mit der Beitragsfreiheit und damit verbundener Trainingspflicht (Zehn Mal pro Jahr) eingeführt. Die ansonsten stattfindenden sozialen Kontakte zum Beispiel im Jugendraum des Vereins, müssen aber komplett neu geknüpft werden. „Man muss Kinder und Jugendliche motivieren“, weiß Ufer. Und eben das ist derzeit nicht möglich. Wirtschaftlich sieht Ufer seinen Verein derzeit in ruhigen Fahrwassern: Die laufenden Kosten für Energie und diverse Versicherungen werden durch die zeitnah fälligen Mitgliedsbeiträge gedeckt. Einnahmen durch Vermietungen des Schützenhauses oder Werbegelder von Anzeigenkunden der jährlichen Festschrift fallen zwar weg, dafür stehen aber auch keine Ausgaben, wie zum Beispiel für das Schützenfest zu Buche.

 

Auch beim Schützenverein Vollmerhausen hält man derzeit lediglich per Telefon und online Kontakt untereinander. "Wir haben die Hoffnung, dass wir bald Klarheit bekommen", sagt der 1. Vorsitzende Andreas Heckener (Foto). Allerdings, den ursprünglichen Schützenfest-Termin Ende Mai hat Heckener im Prinzip bereits abgeschrieben. Möglicherweise könne man das fest auch in den Sommer verschieben. Sollte auch das nicht möglich sein, befürchtet Heckener erhebliche Nachwirkungen, nicht nur für seinen Verein. "Bei einem erneuten Ausfall aller Schützenfeste ist das gesamte Schützenwesen bedroht", so der Vereins-Chef. Es werde schwierig genug, die Mitglieder nach der Zwangspause wieder für die Vereinsarbeit zu begeistern.

 

Gedämpfte Stimmung auch bei den Schützen in Gimborn. "Man muss es so deutlich sagen: Bei uns herrscht tote Hose", sagt Vereinsvorsitzender Andreas Stötzel (Foto). Der Schießbetrieb ruht seit einem Jahr, die Sanierung des Schießstands wurde ebenso verschoben wie die Mitgliederversammlung. Dass ein Schützenfest in der üblichen Form stattfindet, kann sich Stötzel nicht vorstellen. "Vielleicht veranstalten wir einen bunten Abend, damit die Mitglieder wieder so etwas wie soziale Nähe spüren", so der Gimborner Schützen-Chef weiter. Dass nur ein Teil der Schützen, nämlich die Geimpften, an einem Schützenfest teilnehmen könnten, schließt Stötzel aus. "Entweder alle oder keiner, sonst würde es den Verein zerreißen." Dass die Mitglieder eine große Treue beweisen, zeigte sich in den vergangenen zwölf Monaten. Obwohl das Vereinsleben zum Erliegen gekommen ist, hat sich niemand abgemeldet. "Wir sind eben ein durch und durch familiärer Verein", so Stötzel.

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