LOKALMIX
Rock in der Halle statt unter freiem Himmel
Lindlar – Rock am Scheelbach zog wegen Bauarbeiten um – Fünf Bands sorgten mit rockigen Klängen für Stimmung.
Von Michael Gauger
Seit 2002 wurde am Scheelbach stets unter freiem Himmel gerockt. Da aktuell am Kunstrasen der ONI-Arena in Frielingsdorf gearbeitet wird, diente die Scheelbachhalle in direkter Nähe kurzerhand als Ersatz. Diese platzte bei gewohnt hoher Publikumsresonanz fast aus allen Nähten. Ansonsten blieb beim Halloween-Special fast alles beim Alten. Alle Bands an diesem Abend spielen traditionell ohne Gage, Sponsoren unterstützen und die zahlreichen Helfer waren allesamt ehrenamtlich dabei.
[Für die schwäbische Band Nivo gab's die Ansage von Moderator Jonas Becker sogar im passenden Dialekt.]
„Krach am Bach“ ist Kult in der Gemeinde und steht, wie die Organisatoren erklärten, für musikalische Vielfalt, Liebe zum Dorf und vor allem für den guten Zweck. Der Reinerlös des Festivals wird in diesem Jahr an das Jugendzentrum Horizont Lindlar, die Initiative START in Wipperfürth und die Initiative Jugendheim Frielingsdorf gehen. Wer mochte, der durfte an diesem besonderen Datum zur „Halloween-Edition“ verkleidet anreisen, immerhin war die gruseligste Nacht des Jahres angesagt.
Mit den Bands "Latin Greek" und "Soundspillers" aus Lindlar, "Light the Blind" aus Köln, "Mikesch" aus Wuppertal und "Nivo" aus dem Raum Stuttgart war das Line-up von den Organisatoren erneut abwechslungsreich und zum Teil überregional besetzt worden. Mit Dudelsackklängen sorgte der Hamburger Kay Hillmer von den "St. Pauli Pipes and Drums", stilecht im Kilt, kurz vor Beginn für die perfekte Einleitung des Abends. Dem klassischen „Scotland the Brave“ folgte unter anderem die „Star Wars“-Titelmelodie. Dann kündigte Moderator Jonas „Johnny“ Becker die erste Band an. Auf zum Heimspiel für die Jungs von "Soundspiller", die den rockigen Einstieg in den Abend machten. Mit gecoverten Rocksongs, unter anderem von den Rolling Stones oder The Knack, hatte man sich schnell Gehör verschafft und das bunt gemischte Publikum näher zur Bühne zitiert. Immerhin standen da auch keine gänzlich unbekannten Gesichter der lokalen Musikszene auf der Bühne.
Schaut man danach in die Tourdaten von „Nivo“, die im November von Hamburg bis München reisen, so dürfte bei den Machern von Rock am Scheelbach gewiss ein wenig Stolz aufkommen, sich dort einreihen zu dürfen. Die Newcomer-Band aus dem Raum Stuttgart/Heilbronn hat sich seit ihrer Gründung dem Genre Heavy Rock und Modern Pop verschrieben und spielt hauptsächlich eigene Songs. Die eingängigen Melodien und Gitarrenriffs in den Stücken wie „Done“, „Empty Spaces“, „You and Me“ und „Fade Away“ trafen voll den Geschmack der Fans, die der Aufforderung des Trios zum Hüpfen gerne folgten. Schlagzeuger Marvin berichtete, dass man sich über die sozialen Medien beworben habe. Auf die weite Anreise angesprochen, konterte er schmunzelnd mit: „Einer von uns kommt sogar von der Schwäbischen Alb, nochmal 1,5 Stunden Fahrt mehr. Aber es lohnt sich, hier zu sein. Das Konzept und das familiäre Flair hier in Lindlar sind toll.“
[Bagpiper Kay Hillmer leitete stilecht den Abend ein.]
Aus Wuppertal mitten im Bergischen Land stammt die fünfköpfige Formation "Mikesch", die mit eigenem, deutschsprachigem Pop-Punk ihre Aufwartung machte. Der energiegeladene, frische Sound wurde in ihren Songs wie „So wie du“ oder „Scheißweinschorle“ als finaler Song des Gigs mit humorvollen Zwischenkommentaren des Frontmanns wie „Ich komme zwar aus Düsseldorf, aber Kölsch schmeckt mir besser als Altbier“ rübergebracht. „Wir haben schon Konzerte in vielen deutschen Städten gegeben, aber bei euch ist es am vollsten“, erklärte die Band überzeugt und forderte für so viel Herzblut einen Applaus für die Macher von Rock am Scheelbach.
Menschen mit Songs zu berühren und zu inspirieren und die Welt mit Musik zu füllen, die sie selbst gerne hören, ist die klare Mission von „Latin Greek“. Im Vorjahr musste man krankheitsbedingt kurzfristig absagen, doch diesmal klappte es. Nachdem die Band noch im Juni beim großen Hurricane-Festival bei Bremen aufgetreten war, sollte auch am Scheelbach die Menge vor der Bühne zu den durchweg gemeinsam komponierten Songs im Indie-Rock-Stil ordentlich mitgehen. Zur Freude von Leadsängerin Helen zeigte sich das Publikum vor der Bühne zudem sehr textsicher.
Den musikalischen Schlusspunkt setzten am fortgeschrittenen Abend „Light the Blind“. Hier wurde es, zur großen Freude der geschätzt gut 300 Fans, nochmal eine deutliche Spur härter. Die fünfköpfige Band ist im Bereich Modern Metal/Heavy Pop/Metalcore unterwegs. Künstler wie Bring Me The Horizon, Breaking Benjamin, Bad Omens, I Prevail und Linkin Park dienen als Inspiration für die Musiker aus der Domstadt.
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[Etwa 300 Rockfans säumten die Scheelbachhalle.]
„Auch wenn man das heute nicht mit dem üblichen Open Air vergleichen kann, war die Stimmung wieder super und die Bands haben richtig gut abgerockt“, zog nicht nur Matthias aus Hartegasse ein positives Fazit aus der diesjährigen „Lösung mit Dach und Wänden“. Sportlerumkleiden dienten als Backstagebereiche, vorhandene Theken für Getränke und die Grillverpflegung. Auch war der große Stand mit Merchartikeln zum Festival und den Bands wieder am Start, genauso wie das Kuchenbüffet mit Kaffee. Der Grill selbst war ins Freie verbannt worden. Mit einer Videoübertragung war die Crew dort aber live ins Geschehen eingebunden. Für eine kleine Erinnerung, die im wahrsten Sinne „unter die Haut“ ging, sorgten auch dieses Mal wieder die Tattoos des Teams vom Atelier Dunkelbunt aus Lindlar und wie in jedem Jahr mischten sich auch die Mitglieder der Lebenshilfe aus Lindlar unters Volk.
Im kommenden Jahr steht die 25. Auflage des Rockspektakels am Scheelbach an - dann garantiert wieder unter freiem Himmel. Freunde der gepflegten Livemusik sollten sich den 28. August schon jetzt vormerken.

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