LOKALMIX
Neue Regeln bringen enormen Mehraufwand
Oberberg – Die Träger sind auf den Neustart der Kitas am Montag vorbereitet – Einschränkungen bei Betreuungszeiten könnten manche Eltern vor Probleme stellen.
Von Lars Weber
Vor rund drei Wochen verkündete NRW-Familienminister Joachim Stamp (FDP), dass die Kitas im Land am 8. Juni ihre Türen wieder für alle Kinder öffnen werden. Seitdem wurde mit Hochdruck an Konzepten und Plänen gearbeitet. Am Montag ist es nun soweit. OA hat bei einigen Trägern nachgefragt, wie der Betrieb in den Kindertagesstätten und Kindergärten aussehen wird.
Wie lief die Vorbereitung?
In den 19 Kitas in Oberberg der Johanniter wurden die Hygienestandards schon während der vergangenen Wochen den aktuellen Empfehlungen von Robert-Koch-Institut und Gesundheitsämtern angepasst, teilt Sabine Eisenhauer, Sprecherin der Johanniter Rhein/Oberberg, mit. Personal werde ausreichend vorgehalten, dies sei vor allem für die festen Gruppen, die überall eingerichtet werden müssen, notwendig. Diese sollen zu den anderen Gruppen in der Kita keinen Kontakt haben - die größte Herausforderung beim Neustart für alle Beteiligten. „Die Mitarbeiter müssen außerdem die zusätzlichen Dokumentationen durchführen und regelmäßig Tische, Türklinken oder Waschbecken desinfizieren und die Kinder zum Händewaschen anhalten und begleiten“, sagt Birgit Kleese, Fachbereichsleitung Kindertagesstätten bei den Johannitern im Regionalverband Rhein.-/Oberberg.
Die Personalsituation habe in Gummersbach auch erst einmal Sorgen gemacht. Wie auch in anderen Kommunen wurde aber zwischen Trägern und Eltern Rücksprache bezüglich des Bedarfs gehalten und es konnte ein eingeschränkter Regelbetrieb organisiert werden. Ähnlich sieht es auch bei den Kitas der AWO und der städtischen Kitas in Wiehl aus. Daher gibt es in den Kitas auch unterschiedliche Öffnungszeiten. Das Land habe laut Siegfried Frank, Stadtsprecher von Gummersbach, ebenfalls geholfen, unter anderem mit 10.800 Masken für die Fachkräfte in der Kinderbetreuung.
Wie wird der Betrieb aussehen, welche Einschränkungen gibt es?
Die Einschränkungen sind vielfältig. Das fängt natürlich bei den eingeschränkten Betreuungszeiten und den festen Gruppen an, zwischen denen es keinen Kontakt geben soll. Sehr individuell gestaltet ist bei allen Einrichtungen das Bringen und Abholen der Kinder. In manchen Kitas, wie bei der AWO, bleibt das Betretungsverbot auch bestehen. In Wiehl sollen die Kinder zum Beispiel, wo es möglich ist, nicht über die Haupteingangstüre gebracht werden, sondern über die Terrassentüren auf dem Außengelände.
Im Johanniter-Familienzentrum Talstraße in Bergneustadt ist das Abholen und Bringen der Kinder mit Fahrbahnen geregelt, sodass Abstände eingehalten werden. Bei den pädagogischen Betreuungsangeboten müssten Eltern ebenfalls mit Einschränkungen rechnen, so Volker Dick, Sprecher in Wiehl. Bei den Johannitern soll für jene Kinder, die es benötigen, eine individuelle Wiedereingewöhnung stattfinden. Siegfried Frank macht zusätzlich noch darauf aufmerksam, dass Kinder nicht betreut werden dürfen, wenn sie Krankheitssymthome aufweisen ungeachtet ihrer Art und Ausprägung und wenn Elternteile oder andere Personen aus der häuslichen Gemeinschaft Krankheitssymthome von SARS-CoV-2 aufweisen.
Was machen Eltern, die bislang die Notbetreuung in Anspruch nehmen konnten, die es nun aber nicht mehr gibt?
„Die Eltern haben im eingeschränkten Regelbetrieb einen eingeschränkten Umfang, dieser orientiert sich an dem Betreuungsvertrag“, erklärt Frank. Das bedeutet in der Praxis zehn Stunden Betreuung weniger als im Vertrag vorgesehen. Dies ist vom Land so festgelegt. In der Abfrage der Einrichtungen an die Eltern konnten sich einige Einrichtungen auf ein bestimmtes Zeitfenster in der Öffnung einigen, andere Einrichtungen haben, wenn sie es vom Personalstand leisten konnten, die gesamte Bandbreite bis 16 Uhr oder angepasste Betreuungszeiten angeboten, so Frank weiter. „Die Betreuungszeit endet in allen Formen um 16 Uhr.“
Wer Probleme hat und aus einem systemrelevanten Beruf kommt, soll sich ans Jugendamt wenden, sagt Jenny Göx, Sprecherin der AWO Rhein/Oberberg. Generell, so heißt es aus Wiehl, versuchten Kitas und Träger aber alles, um die Eltern auch in dieser Phase zu unterstützen. „So bieten zum Beispiel einige Kitas an, die nun verfügbaren Wochenstunden zu bündeln und sie nicht an fünf, sondern an nur drei oder vier Tagen zu nehmen“, so Volker Dick. Es könne dennoch vorkommen, dass Betreuungsbedarfe von Eltern aufgrund der Jobsituation nicht vollumfänglich erfüllt werden können. „Hier sind Eltern und deren Arbeitgeber gefordert und es müssen private Betreuungen organisiert werden.“
Was ist für die Zeit nach den Sommerferien geplant, wie werden die Eingewöhnungen laufen?
„Die Eingewöhnung nach dem Berliner Modell wird in unseren Kitas weiterhin praktiziert“, erklärt Sabine Eisenhauer von den Johannitern. Dabei werde das Kind von einem Elternteil in der Kita begleitet. „Die Eltern tragen während ihres Aufenthalts in unserer Kita einen Mundschutz.“ Ähnlich sieht es in Gummersbach und in Wiehl aus. „Die Eingewöhnung wird mit dem 1. August wie gewohnt starten und ein Elternteil darf das Kind in die Einrichtung begleiten. Wo möglich, werden mit den Eltern die Zeiten individuell vereinbart und auf einen späteren Zeitpunkt verschoben, sodass die Anzahl der Eltern in den Gruppen die Maßgaben des Infektionsschutzes nicht übersteigt“, so Volker Dick. Jenny Göx von der AWO teilt mit, dass für die Zeit ab August ein entsprechendes Eingewöhnungskonzept erarbeitet wird.
KOMMENTARE
Jeder Nutzer dieser Kommentar-Funktion darf seine Meinung frei äußern, solange er niemanden beleidigt oder beschimpft. Sachlichkeit ist das Gebot. Wenn Sie auf Meinungen treffen, die Ihren Ansichten nicht entsprechen, sehen Sie von persönlichen Angriffen ab. Die Einstellung folgender Inhalte ist nicht zulässig: Inhalte, die vorsätzlich unsachlich oder unwahr sind, Urheberrechte oder sonstige Rechte Dritter verletzen oder verletzen könnten, pornographische, sittenwidrige oder sonstige anstößige Elemente sowie Beschimpfungen, Beleidigungen, die illegale und ethisch-moralisch problematische Inhalte enthalten, Jugendliche gefährden, beeinträchtigen oder nachhaltig schädigen könnten, strafbarer oder verleumderischer Art sind, verfassungsfeindlich oder extremistisch sind oder von verbotenen Gruppierungen stammen.Links zu fremden Internetseiten werden nicht veröffentlicht. Die Verantwortung für die eingestellten Inhalte sowie mögliche Konsequenzen tragen die User bzw. deren gesetzliche Vertreter selbst. OA kann nicht für den Inhalt der jeweiligen Beiträge verantwortlich gemacht werden. Wir behalten uns vor, Beiträge zu kürzen oder nicht zu veröffentlichen.