LOKALMIX
Mehr Ausbildungssuchende, weniger Stellen
Oberberg – Auch im Kreis ist der Ausbildungsmarkt im Griff der Wirtschaftskrise – Halbjahreszahlen vorgestellt.
Heute hatten IHK, Arbeitsagentur und Kreishandwerkerschaft zur Vorstellung der Zahlen im Ausbildungsmarkt in die Gummersbacher Geschäftsstelle auf dem Steinmüllergelände eingeladen. „Auch im ersten Halbjahr hat sich ein Trend weiter fortgesetzt: Die Zahl der gemeldeten Ausbildungsstellen sinkt weiter“, teilte die Geschäftsführerin der Arbeitsagentur, Nicole Jordy, mit. Gleichzeitig steige aber die Zahl der Ausbildungssuchenden, immer mehr Jugendliche würden bei der Agentur Rat zur Berufswahl suchen.
Im Oberbergischen Kreis prägt die Industrie das wirtschaftliche Geschehen. In Oberberg haben die Unternehmen bisher 1.158 Ausbildungs- und duale Studienplätze gemeldet (40 Stellen bzw. 3,3 Prozent weniger als 2025). „Rein rechnerisch kommen damit auf 100 Stellen 120 Bewerber“, so Jordy. Es blieben 765 Ausbildungs- und duale Studienplätze unbesetzt. Bis zur Halbjahresbilanz hatten sich im Kreisgebiet insgesamt 1.376 Bewerber für eine Ausbildungsstelle oder ein duales Studium bei der Berufsberatung gemeldet – 173 Menschen (14,4 Prozent) mehr als vor einem Jahr.
Das freute die Agenturchefin besonders: „Offenbar trägt das Engagement des Netzwerks Ausbildung Früchte.“ Auf vielen Ausbildungswesen oder Speeddatings werde Werbung für die duale Ausbildung gemacht. 866 junge Menschen suchen derzeit noch eine Stelle. Bis zum Start im Sommer sei noch etwas Zeit, so Jordy abschließend.
Hinweis zur Statistik der Arbeitsagentur
Die Zahl der gemeldeten Ausbildungsstellen ist aktuell unterzeichnet, es werden auf Bundesebene schätzungsweise rund sechs Prozent Ausbildungsstellen zu wenig ausgewiesen. Dies entspricht für die Agentur für Arbeit Bergisch Gladbach etwa 140 Stellen. Hintergrund sind veränderte Prozesse in Fachverfahren. Diese müssen noch in die statistische Erhebung integriert werden, das wird im Sommer abgeschlossen sein.
IHK
Im Oberbergischen Kreis sind bis zum Stichtag 31. März 203 neue Ausbildungsverträge in Industrie-, Handels- und Dienstleistungsbetrieben eingetragen worden – ein Minus von 23 Verträgen (–10,2 Prozent). Für Michael Sallmann, Leiter der Geschäftsstelle Oberberg, ist der erneute Rückgang ein Beleg dafür, wie stark der industriell geprägte Wirtschaftsraum Oberberg von der aktuellen Wirtschaftskrise betroffen ist: „Nach dem Minus von insgesamt acht Prozent im Ausbildungsjahr 2024/25 bei allen Ausbildungsberufen macht uns besonders der erneute Rückgang bei den gewerblich-technischen Industrieberufen (nochmals 19 Prozent minus) Sorgen“, so Sallmann. Besserung sei kaum in Sicht – eher im Gegenteil: Kapazitätsauslastung und Auftragseingänge vieler Industrieunternehmen sinken weiter.
„Die anhaltend schlechte Wirtschaftslage hemmt nicht nur die Investitionen in Maschinen, sondern eben auch die Ausbildungsbereitschaft bei vielen Unternehmen“, so Sallmann. Viele Unternehmen müssten im sechsten Jahr der Wirtschaftskrise zwangsläufig mit Einsparungen reagieren. Zudem würden auch Jugendliche weiterhin nur zögerlich industriell-technische Ausbildungsberufe anstreben. Sallmann appellierte an die hiesigen Unternehmen, verstärkt auszubilden, um dem größer werdenden Fachkräftemangel entgegenzuwirken.
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[Archivfoto: Katharina Schmitz --- Stellten heute die Statistik vor: Marcus Otto (li.), Michael Sallmann und Nicole Jordy.]
Kreishandwerkerschaft
Zum Stichtag 31. März zieht Marcus Otto, Geschäftsführer der Kreishandwerkerschaft für Rhein-Berg, Oberberg und Leverkusen, eine insgesamt positive Zwischenbilanz auf dem Ausbildungsmarkt der Region. Es gibt ein Plus von 15,6 Prozent bei den Ausbildungsverträgen im Vergleich zum Vorjahr.“ Trotz anhaltender demografischer Herausforderungen zeige sich der Ausbildungsmarkt stabil.
Trotzdem gebe es Luft nach oben: „Es gibt noch viele freie Ausbildungsplätze in allen von der Kreishandwerkerschaft betreuten Handwerksberufen. Und die Bilanz ist eben nur eine Momentaufnahme, da sich die Zahlen sehr dynamisch nach oben hin ändern“, sagte Marucs Otto. Für Jugendliche und junge Erwachsene bieten sich weiterhin sehr gute Chancen auf einen dualen Ausbildungsplatz im Handwerk, da die Zahl der freien Plätze höher ist als die Zahl der Bewerber. Otto nennt als Grund für den Rückgang bei den Bewerbern zum einen die geburtenschwachen Jahrgänge, zum anderen das sich verändernde Berufswahlverhalten. Nach wie vor fehle beispielsweise häufig an Gymnasien die Offenheit dafür, nach dem Abitur eine Ausbildung im Handwerk zu absolvieren - auch wenn Otto mit 23 Prozent der Abiturienten hier einen leicht ansteigenden Trend sieht.
Ein für Otto bemerkenswerter Trend: „Das Interesse am Metzgerberuf und damit auch an der tierischen Ernährung ist angestiegen.“ In allen handwerklichen Berufen – vom Bauhaupt- und Baunebengewerbe über Metall- und Elektrotechnik oder Kfz bis hin zu den Bäckern und eben Fleischern – werden weiterhin Nachwuchskräfte gesucht. Besonders Betriebe mit hoher Ausbildungsqualität berichten von guten Vermittlungserfahrungen. Als Beispiel nannte Otto die Elektroniker, die schon jetzt deutlich mehr abgeschlossene Ausbildungsverträge vorweisen als 2025. Ebenfalls stark gefragt sind eine Ausbildung im Kfz-Bereich und als Anlagenmechaniker für Sanitär-, Heizungs- und Klimatechnik.
Eine zentrale Herausforderung bleibe aber die passgenaue Besetzung offener Ausbildungsstellen im Handwerk. Nicht alle angebotenen Stellen können unmittelbar besetzt werden, während gleichzeitig einige Bewerber noch unversorgt sind. Berufsorientierung, persönliche Begleitung und frühzeitige Praktikumserfahrungen im Handwerk spielten laut Otto daher eine entscheidende Rolle, um Angebot und Nachfrage besser zusammenzubringen.
Wege zur Ausbildungsstelle
Für Fragen rund um die Vermittlung von Ausbildungsplätzen steht die Ausbildungsstellenvermittlung der IHK Köln Betrieben und Jugendlichen unter passgenau@koeln.ihk.de zur Verfügung. Einen Überblick über die Angebote und Instrumente im Ausbildungsmarketing bietet zudem die Website der IHK Köln unter ihk.de/koeln/ausbildungsmarketing.
Die Kreishandwerkerschaft hat März die Projektstelle „Passgenaue Besetzung“ eingerichtet (gefördert durch das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie): Eine Beratungskraft besucht die Betriebe, berät und ermittelt den betrieblichen Bedarf an Auszubildenden, erstellt gemeinsam mit dem Betrieb das Anforderungsprofil und sucht nach potenziellen Auszubildenden.
Berufsberatung der Bundesagentur für Arbeit.