LOKALMIX

„Maskenpflicht wird von Mitarbeitern maximal als Empfehlung gesehen“

lw; 13.01.2021, 16:28 Uhr
Foto: Andrea Toxiri auf Pixabay
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„Maskenpflicht wird von Mitarbeitern maximal als Empfehlung gesehen“

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lw; 13.01.2021, 16:28 Uhr
Oberberg – OA-Leser berichten, wie ihre Arbeitgeber mit Corona-Maßnahmen und Regeln umgehen und welche Möglichkeiten sie bieten.

Von Lars Weber

 

Schon bevor der Bund und die Länder Anfang Januar zusammenkamen, um über neue Corona-Maßnahmen zu diskutieren, wurde von verschiedenen Experten gefordert, den Schutzmantel über der Industrie zu heben. Dort, in Betrieben mit vielen Hundert oder Tausend Mitarbeitern könne sich das Virus leicht und lange Zeit unerkannt verbreiten, so ein Argument. Die Regierung blieb aber bei ihrer Linie. Sicherlich gut für die Wirtschaft, aber vermutlich auch gut für das Virus. Denn mancherorts wird mit den Corona-Maßnahmen und Regeln am Arbeitsplatz sehr lasch umgegangen, wie Schilderungen von OA-Lesern zeigen.

 

Wolfgang Dreyer (Anm.d.Red.: Name ist verändert) ist im Wach- und Sicherheitsdienst bei einem Automobilzulieferer im Oberbergischen Kreis tätig. „Ich beobachte bei meinen Rundgängen täglich, dass nach Passieren des Werkstors die Maskenpflicht maximal als eine Art Empfehlung gesehen wird“, erzählt er. Die Maske hänge häufig vor dem Hals und werde höchstens eilig aufgesetzt, wenn jemand aus der Geschäfts- oder Personalabteilung durch die Produktionshallen eilt.

 

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Dabei tummeln sich in manchen Hallen die Menschen eng beieinander. Von 200 Menschen tragen dann nur zwei ihre Maske, so Dreyer, generell würden in dem Betrieb nie mehr als 20 Prozent den eigentlich geforderten Schutz tragen. „Wenn ich die Arbeiter darauf anspreche, gucken mich sehr böse Augen an.“ Der laxe Umgang habe seines Wissens bislang etwa 50 positive Tests zur Folge gehabt. „Aber wer weiß, wie viele Menschen in der Zeit angesteckt worden sind, bis das Virus bei den Leuten entdeckt wurde.“

 

Konsequenzen aus der Führungsetage müsse scheinbar niemand fürchten, der sich nicht an die Regeln hält. Andere Dinge seien wichtiger. „Das fängt bei den Teamleitern an. Es muss eben eine bestimmte Menge produziert werden, und einige Sicherheitsvorkehrungen verlangsamen das Tempo. Da wird dann weggeschaut.“ Vielen Menschen im Betrieb würde das Verständnis für die Regeln fehlen. „Sie machen sich nur darüber Gedanken, wie sie ihre Familie am Ende des Monats durchbekommen.“

 

Das sagt die IG Metall

 

Beschwerden über Betriebe seien bei der IG Metall Gummersbach, die immerhin rund 100 Unternehmen der Metall- und Elektroindustrie betreut, noch keine eingegangen, wie der Erste Bevollmächtigte Werner Kusel auf Nachfrage mitteilt. „Wo es möglich ist, wurde Homeoffice angeboten. Das ist an der Spritzgussmaschine natürlich schwer.“ In der Produktion, so hört Kusel aus den Betrieben, gibt es deshalb versetzte Schichten, feste Teams und mancherorts auch Schnelltests. Negatives sei ihm nicht zu Ohren gekommen.

 

Mit großen Sorgenfalten sei aber die Diskussion um einen Lockdown im produzierenden Bereich verfolgt worden. Dass Infektionen auch dort herrühren, sei zwar nicht auszuschließen. „Für einige Betriebe wäre eine solche Maßnahme aber der Genickbruch.“ Kusel erinnert dabei an die globalen Lieferketten. Kann ein Betrieb die Aufträge nicht mehr bedienen, werden eben andere Firmen gesucht und gefunden. Schon allein deshalb, um weitere Diskussionen um einen wirtschaftlichen Lockdown zu vermeiden, sollten sich alle Betriebe an die Regeln und Infektionsschutzmaßnahmen halten, so Kusel. „Ich kann da nur an die Eigendisziplin appellieren.“

 

Ihre Gesundheit von einem Arbeitgeber gefährdet sieht Anne Roth (Anm.d.Red.: Name ist geändert) – nur ist es nicht ihr eigener. Dabei möchte sie klarstellen: „Es ist eine Tatsache, dass manche oberbergische Firmen vorbildlich mit der Situation umgehen und ihre Mitarbeiter ausführlich informieren. So auch das Unternehmen, in dem ich arbeite.“ Schon zu Anfang der Pandemie wurde in diesem Betrieb, ebenfalls ein oberbergischer Automobilzulieferer, eine Taskforce gebildet, der unter anderem auch Werksarzt und Betriebsrat angehören. „Es wird offen kommuniziert, es gibt klare Regeln“, sagt Roth.

 

Diese werden auch im Produktionsbereich eingehalten, Kontakte werden, wo es eben geht, vermieden. „Zum Beispiel erfolgt die Schichtübergabe telefonisch.“ Sie selbst arbeitet in der Verwaltung des Betriebs. „Mobiles Arbeiten wurde schnell möglich gemacht und alle entsprechend ausgestattet.“ Und wer noch im Betrieb arbeitet, erledigt die Arbeit nun unter anderen Bedingungen. So wurde die Zahl der Mitarbeiter in Großraumbüros drastisch reduziert, auch an jedem Konferenzraum steht, wie viele sich dort aufhalten dürfen.

 

Anders aufgestellt sei aber der Arbeitgeber ihres Lebensgefährten, der in einem international agierenden Unternehmen in der Verwaltung tätig ist. Er müsse in einem Großraumbüro mit mehr als zehn Kollegen auf engem Raum arbeiten. Obwohl es technisch möglich sei, dürfe er nicht ins Homeoffice wechseln. „Die Geschäftsleitung überlässt die Entscheidung den Abteilungsleitern“, erzählt Roth. Und diese haben offensichtlich unterschiedliche Auffassungen, denn in manchen Abteilungen wird das Arbeiten von Zuhause erlaubt. „Das ist ein Unding“, sagt Roth weiter. „Im privaten Bereich gibt es einen großen Verzicht auf viele Sachen, aber so manches Unternehmen kümmert die aktuelle Situation nicht und Menschen werden gefährdet.“

 

Das steht in der Coronaschutzverordnung

 

Laut aktueller Coronaschutzverordnung müssen Arbeitgeber die darin enthaltenen Regelungen beachten, soweit ein Kontakt zwischen Beschäftigten und Kunden besteht. Unabhängig von solchem Kontakt ist in geschlossenen Räumen eine Alltagsmaske zu tragen; dies gilt vorbehaltlich weitergehender arbeitsschutzrechtlicher Vorgaben, betrieblicher Infektionsschutzkonzepte oder konkreter behördlicher Anordnungen nicht am Arbeitsplatz, sofern ein Abstand von 1,5 Metern zu weiteren Personen sicher eingehalten werden kann. Das aktuelle Infektionsgeschehen sei zu berücksichtigen. Insbesondere sollten nicht erforderliche Kontakte in der Belegschaft und mit Kunden möglichst vermieden (zum Beispiel durch die Nutzung besonderer Schutzeinrichtungen und großzügige Nutzung von Heimarbeit), allgemeine Hygienemaßnahmen umgesetzt und die Infektionsrisiken bei erforderlichen Kontakten durch besondere Hygiene- und Schutzmaßnahmen minimiert werden.

KOMMENTARE

1

Da hilft kein Schütteln und kein Klopfen....
Harter Lockdown muss her, damit meine ich auch Hart. Keine Produktion, kein Handwerk außer Notdienste. Das sage ich als Selbständiger, den es sicher härter treffen würde ,als manche große Firma. Für 4 Wochen knallhart dicht ist immer noch besser als dieser Hick Hack für wer weiß wie lange. Dann muss Vater Staat mal in die Tasche greifen, Steuern aussetzen wie auch immer. Das können sich die oberen später wiederholen ( Was mit Sicherheit doppelt und dreifach passiert) Wir sind JETZT in der Pandemie, es ist kurz nach Zwölf. Bei uns Floriansjüngern heißt es Menschenrettung geht vor allem anderen... Hoffentlich tut sich bald was...

Danny, 13.01.2021, 16:59 Uhr
2

Wer im Alltag unterwegs ist weiß: an die Regeln halten sich die wenigsten. Aus unterschiedlichen Gründen, aber am Ende geht es vor allem ums Geld.

Werner von Dugen, 13.01.2021, 17:21 Uhr
3

Ist bei uns in einer Brauerei ähnlich wie hier beschrieben. das Ding wird nur schnell eben hochgezogen wenn ein Vorgesetzter naht. Allerdings ist es auch sehr lästig diesen nach meinem Empfinden auch recht nutzlosen Fetzen den ganzen lieben langen Tag zu tragen unter an sich schon sehr anstrengenden Arbeitsbedingungen, mit Hitze und Feuchtigkeit. Sehen übrigens viele meiner Kollegen auch so wenn sie ganz ehrlich sind.

Der kleine Mann, 13.01.2021, 18:39 Uhr
4

Wo öffentliche Personen, wie z.B. Fußballspieler, oder Politiker es schaffen, trotz geltendem Berufsverbot für Friseure, sich nach wie vor immer perfekt frisiert öffentlichkeitswirksam zu präsentieren (wurde heute aktuell drüber berichtet), braucht man sich auch nicht zu wundern, oder beklagen, wenn unter teilweise schwierigen Arbeitsbedingungen in Fabriken und Produktionsstätten sich nicht immer jeder an die schon viel diskutierte Maskenpflicht hält/halten kann/halten will. Wenn wir alle noch was essen und trinken und fleißig weiter alles Mögliche konsumieren wollen muss es auch noch viele Personen geben die sich für uns den Buckel krumm machen und "den Laden noch irgendwie am laufen" halten!
Im Homeoffice entstehen jedenfalls keine Autos, keine Lebensmittel, etc.!

Bernd Hellmann, 13.01.2021, 19:22 Uhr
5

in unserem recht großen Unternehmen (Öffentlicher Dienst/Daseinsvorsorge) wird seit März/April 2020 von Anfang an sehr vorbildlich mit der Pandemie und der damit verbundenen Maßnahmen und Einschränkungen umgegangen! Auch wird seit Monaten schon Maske getragen und gegenseitig darauf geachtet! Tatsächlich an Corona erkrankt sind bisher Gott sein Dank nur 2 Kollegen, die auch interessanterweise noch im Homeoffice waren!

Heike, 13.01.2021, 21:19 Uhr
6

Das gibt es ja gar nicht. Da machen tatsächlich Menschen diesen Unsinn nicht mit und verhalten sich wie Menschen??
Unfassbar! Sofort bestrafen!!!

TimTaler, 13.01.2021, 21:30 Uhr
7

M.E. sind aufgrund der dargestellten Schilderungen, die mir auch zur Verletzung der Corona-Schutzverordnung in Betrieben vorliegen, diese Verhältnisse für eine Ausbreitung der Pandemie verantwortlich und spiegeln natürlich auch einen laxen Umgang im privaten Umfeld. Der Irrglaube, nicht betroffen zu werden, und die Unterschätzung der Risiken aufgrund wohl fehlenden Wissens führen zu massiven Gefährdungslagen ! Diese daraus resultierende Verantwortungslosigkeit macht micht wütend !

Dr.Ralph Krolewski, 13.01.2021, 21:54 Uhr
8

Mein Arbeitgeber hat gottseidank alle konsequent ins Homeoffice geschickt. Es ist eine Ausnahmesituation und sollte daher für alle, die es technisch können verpflichtend sein und aktuell sollte jeder ein Recht darauf haben. Ich vermute einen Ansteckungsgrund auch in der fehlenden Kontaktreduzierung in den (Raucher)-Pausen. Jeder darf von mir aus so viel privat rauchen wie er möchte - aber ich verstehe nicht, wie man zum einen Masken tragen kann, sich dann andererseits nach wie vor in einen Kreis stellt und sich gegenseitig anpustet?! Richtig böse kann man jedoch niemandem sein, wie ein Kommentar hier schon schrieb, viele verhalten sich einfach "menschlich". Daher ist es nun mal schwierig im Job in der Produktion wirklich aufzupassen.

Katrin, 14.01.2021, 10:30 Uhr
9

An dieser Stelle ein großes Lob an alle Kinder!!!
Maske tragen ist doof.
Das empfinde ich so - und das empfinden auch die Kinder so. Aber die Kinder machen das toll! Und jeder könnte sich ein Beispiel daran nehmen!
Als pädagogische Fachkraft arbeite ich jeden Tag mit Grundschulkindern. Für sie ist die Maske jedoch kein Problem, wenn man ihnen den Sinn erläutert, mit ihnen offen darüber spricht und gemeinsam das Licht am Ende des Tunnels nicht aus den Augen verliert.
Was so meinen Arbeitgeber betrifft: Bis zu den Weihnachtsferien tummelten sich bis 48 Kinder plus Erzieher in einer Gruppe, die ursprünglich für maximal 30 Kinder konzipiert war. Abstand halten unmöglich! Seit März habe ich exakt vier FFP 2 Masken erhalten. ( Alle Anderen habe ich mir selbst besorgt! )
:-) :-)

Wir schaffen das!!!, 14.01.2021, 18:51 Uhr
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