LOKALMIX
Hangmoore unter Druck
Oberberg - Biologische Station und Bergwaldprojekt entwickeln gemeinsam Strategien für den Wasserrückhalt.
Am Mittwoch gab es eine Begehung der Moorflächen mit Vertretern der Biologischen Station Oberberg (BSO) und dem Verein Bergwaldprojekt in Neuenhähnen (Waldbröl) und am Immerkopf (Wiehl). Auch Mitarbeiter des Umweltamtes des Oberbergischen Kreises nutzten die Gelegenheit, sich fachlich über Herausforderungen und Handlungsmöglichkeiten in der Betreuung der Schutzgebiete auszutauschen, heißt es in einer Mitteilung der BSO.
[An kritischen Bereichen konnte Expertin Urla Ewender vom Bergwaldprojekt mithilfe eines Nivelliergeräts Geländeunterschiede und damit mögliche Wasserabflüsse sichtbar machen.]
Hintergrund der Beratung seien klimatische Veränderungen, die auch im Oberbergischen bereits deutlich spürbar seien. Längere Trockenphasen setzen den empfindlichen Moorstandorten zu, während Starkregenereignisse das Wasser häufig ungenutzt abfließen lassen. Ziel der Beratung war es daher, die etablierten Pflege- und Renaturierungsmaßnahmen der vergangenen Jahrzehnte auf die neuen Herausforderungen hin zu optimieren. Der Schutz der Hangmoore im Oberbergischen Kreis erfordere zunehmend spezialisierte Fachkenntnisse. Gerade bei Feuchtgebieten am Hang ist Fachwissen aus anderen Regionen von großer Bedeutung.
„Man kann das Wasser hier nicht aufhalten, sondern nur verlangsamen“, erklärte Moor-Experte Lutz Rohland vom Bergwaldprojekt in Neuenhähnen. Durch eine gezielte Modellierung der Geländeformen und den Einsatz natürlicher Barrieren wie Baumstämmen lasse sich jedoch ein sogenanntes Überrieselungsregime schaffen, das das Wasser länger auf der Fläche hält und so das Moor stärkt.
Bergwaldprojekt setzt sich seit über 35 Jahren bundesweit an ca. 90 Projektstandorten mit jährlich 5.000 Freiwilligen für den Schutz, die Erhaltung und die Wiederherstellung natürlicher Ökosysteme ein. Die gewonnenen Erkenntnisse fließen direkt in die tägliche Naturschutzarbeit der Biologischen Station ein. Sie sollen nicht nur Grundlage für zukünftige Maßnahmen sein, sondern auch bei regelmäßigen Pflegearbeiten wie dem Abplaggen – der Entfernung des nährstoffreichen Oberbodens – berücksichtigt werden. Der Geschäftsführer der Biologischen Station Matthias Wirtz-Amling zieht ein positives Fazit: „Das Bergwaldprojekt hat uns neue Handlungsmöglichkeiten aufgezeigt, um unsere Moore weiter zu erhalten. Vieles des Wissens lässt sich jedoch auch auf andere Hangflächen übertragen und kann somit die Klimaresilienz der oberbergischen Landschaft stärken.“