LOKALMIX
Gleichberechtigung: Es gibt noch viel zu tun
Gummersbach – Große Resonanz bei Aktion auf dem Lindenplatz – Organisatorinnen möchten das Thema sichtbarer machen und ins Gespräch kommen.
Von Lars Weber
Einen Tag nach dem Weltfrauentag haben heute mehr als 50 Frauen und einige Männer an der Aktion „Take a Break – und die Welt steht still“ auf dem Gummersbacher Lindenplatz teilgenommen. Bundesweit hatte das Töchterkollektiv zum Frauenstreik aufgerufen, in Gummersbach haben die Marienheiderinnen Marieke Ilem und Henrike Loh parteiunabhängig eine Veranstaltung für das Oberbergische organisiert. Im Fokus: Strukturelle Ungleichheiten, die Frauen bis heute betreffen, die ungleiche Verteilung von Care-Arbeit (Haus-, Pflegearbeit und Kinderpflege), aber auch Gewalt gegen Mädchen und Frauen.
Als Ilem und Loh feststellten, dass im gesamten Kreis keine Aktion zu dem Thema geplant war, haben sie selbst das Zepter des Handelns in die Hand genommen. Für beide ist es das erste Mal, dass sie solch eine öffentliche Demo geplant haben. Doch das Thema ist ihnen einfach zu wichtig. „In den Städten ist es präsenter. Dabei gibt es hier auf dem Land auch sehr viele Frauen mit einem Bewusstsein für Gleichstellung“, so Loh. „Wir wollen das Thema sichtbar machen“, ergänzt Ilem.
Wie das Statistische Bundesamt anlässlich des Equal Pay Day am 27. Februar mitgeteilt hat, lag der Gender Gap Arbeitsmarkt im Jahr 2025 mit 37 Prozent auf dem gleichen Niveau wie im Vorjahr. Pro Stunde verdienten Frauen in Deutschland 2015 durchschnittlich rund 16 Prozent weniger als Männer (Gender Pay Gap). Und das wirkt sich natürlich auch auf die Renten aus: 600 Euro erhält die Durchschnittsrentnerin weniger als der Durchschnittsrentner. Ein wesentlicher Grund: Frauen übernehmen weiterhin den Großteil der unbezahlten Care-Arbeit, arbeiten deutlich häufiger in Teilzeit und tragen langfristig die finanziellen Folgen dieser strukturellen Rollenverteilung. Frauen leisteten in Deutschland rund 44 Prozent mehr dieser Care-Arbeit als Männer.
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[Bunt, friedlich und engagiert ging es auf dem Lindenplatz um das Thema Gleichberechtigung.]
Zum Thema gibt es Transparente und Infomaterial, ausgelegt auf einem Bügelbrett. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer sollen sich wohl fühlen. Es gibt Sitzgelegenheiten, Kaffee, Tee. „Lasst uns ein Signal setzen: Wenn Frauen einmal nichts tun, dann läuft nicht mehr viel“, begrüßte Loh die Menschen auf dem Lindenplatz. Auf zwei Transparenten konnten diese zudem ihre Wünsche und Hoffnungen aufschreiben. Mit der Veranstaltung möchten Loh und Ilem auch für mehr Vernetzung untereinander sorgen und dafür, dass auch zu Hause am Küchentisch über das Thema gesprochen wird.
Wichtig ist den Organisatorinnen dabei, dass auch Männer sich angesprochen fühlen. Für sie gab es extra Flyer auf dem Bügelbrett. „Ohne sie kommen wir bei dem Thema nicht weiter.“ Schließlich sei es nach wie vor so, dass meistens die Männer über Strukturen entscheiden. Wenn Strukturen also geändert werden sollen, müssen auch Männer (ein-)sehen, dass dies nötig ist für mehr Gleichberechtigung.
Loh und Ilem freuten sich über den großen Zuspruch. Tatsächlich waren sämtliche Generationen auf dem Lindenplatz vertreten. „Wir hoffen, damit auch das Gemeinschaftsgefühl stärken zu können.“ Es sei schon viel erreicht worden in den vergangenen Jahren. Aber es gebe noch viel zu tun.
Matthias Stinn aus Köln war ebenfalls unter den Teilnehmern. „Für meine Töchter“, hatte er auf einem Plakat auf seinem Rucksack stehen. Weltweit erfahren Frauen und Mädchen Gewalt und Ungerechtigkeiten. Wenn er an seine beiden Töchter denke, kann er das nicht stillschweigend hinnehmen. „Ich muss laut dagegen sein.“ Seiner Ansicht nach würde es viel helfen, wenn Jungs und Mädchen frei von schädlichen Rollenzuschreibungen aufwachsen könnten.
Bis 12 Uhr wurde sich am Lindenplatz ausgetauscht. Anschließend ging es für viele Teilnehmerinnen per Zug weiter nach Köln zur Veranstaltung des Töchterkollektivs.

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