LOKALMIX

Freundlich, hartnäckig, rastlos – und 75 Jahre alt

bv; 21.07.2021, 11:51 Uhr
Foto: Binh Truong / DBS --- Als Präsident des Deutschen Behindertensportverbandes ist Friedhelm-Julius Beucher auch bei den Paralympics in Tokio dabei.
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Freundlich, hartnäckig, rastlos – und 75 Jahre alt

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bv; 21.07.2021, 11:51 Uhr
Bergneustadt – Friedhelm-Julius Beucher ist noch lange nicht am Ende seiner Reise als Motivator und Kümmerer angekommen.

Er ist so nett wie beharrlich. Im Gespräch immer umgänglich, freundlich, aber die Ziele, die er sich gesetzt hat, verfolgt er unmissverständlich. Dabei hilft ihm ein enormes Netzwerk an Verbindungen – oder anders ausgedrückt: Er kennt Gott und die Welt. Bodenständig ist der Mann, in Bergneustadt geboren, aufgewachsen und geblieben. Geprägt durch sein Verständnis von sozialer Verantwortung und die Sozialdemokratie. Seit 1967 gehört er der SPD an, also mehr als 50 Jahre. In den vergangenen Jahrzehnten war er in zahlreichen Vereinen Mitglied, Führungsaufgaben ging er nie aus dem Weg. Und das war für die jeweiligen Organisationen, Gruppen, Initiativen nie von Nachteil – im Gegenteil. Der Name „Hans Dampf“ wurde vermutlich für ihn erfunden. Wenn es etwas zu organisieren und anzuschieben gab, von dessen Richtigkeit er überzeugt war, kümmerte er sich, notfalls auch mit entsprechendem Druck. Heute wird Friedhelm-Julius Beucher 75 Jahre alt.

 

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Politik war früh sein Standbein, weil Beucher verstanden hatte, dass damit die größte Chance bestand, Ideen auch Realität werden zu lassen. Beruflich unterrichtete der studierte Pädagoge an der Gemeinschaftsgrundschule Hackenberg, wurde dort später Rektor. Bereits mit 29 Jahren war er SPD-Chef in seiner Heimatstadt. 1987 folgte der Vorsitz des SPD-Unterbezirks. 1990 ging es für Beucher in den Bundestag, 1998 dann der Triumph, als er im konservativ geprägten Oberberg erstmals (und bis heute letztmalig) der CDU den Wahlkreis abnahm. Es war hauchdünn, aber Beucher triumphierte. Vier Jahre später dann die Ernüchterung. Diesmal siegten die Christdemokraten, und der SPD-Mann musste Abschied nehmen aus dem Bundestag.

 

Doch um die Hände in den Schoß zu legen, blieb für FJB keine Zeit. Er kehrte in seinen erlernten Beruf zurück und hatte weiterhin genügend ehrenamtliche Aufgaben, um Fußabdrücke zu hinterlassen. Bereits seit 1983 (bis heute) ist er zum Beispiel als Vorsitzender des Bergneustädter Vereins für soziale Dienste aktiv, einem höchst erfolgreichen Arbeitslosenprojekt, das sich zum Ziel gesetzt hat, Jugendliche, Behinderte und Langzeitarbeitslose in Zusammenarbeit mit der Arbeitsagentur, der ARGE und den ortsansässigen Betrieben in feste Arbeitsverhältnisse oder in Aus- und Weiterbildung zu vermitteln. In der heimischen Politik mischt Beucher im Übrigen bis heute mit, ist im Kreistag und als Vorsitzender des Sportausschusses aktiv.

 

2009 wurde Friedhelm Julius Beucher nach seiner Pensionierung als Rektor einer integrativen Schule zum ehrenamtlichen Präsidenten des Deutschen Behindertensportverbandes gewählt. Es war der Beginn einer Win-Win-Situation. Der Bergneustädter konnte seine kommunikativen und organisatorischen Fähigkeiten frei von allen Parteizwängen ausspielen, und der Verband profitierte von einer Führungsfigur, die hartnäckig den Gedanken verfolgte, den Behindertensport in der Mitte der Gesellschaft zu verankern. Sowohl dem Spitzensport hat Beucher Resonanz verliehen, denn nicht von ungefähr berichten ARD und ZDF heute 60 Stunden von den Paralympics. Aber etwas anderes war für den Bergneustädter Präsidenten noch wichtiger: Nämlich, den vielen Menschen mit Behinderung eine Stimme zu geben, die gerne Sport treiben würden, aber an den Barrieren in den Sportstätten und in den Köpfen scheiterten. Hier hat Beucher vieles bewegt, neue Wege eröffnet, dem Behindertensport den Weg gewiesen.

 

Jetzt also 75 – ist das etwa die Zeit des Aufhörens? Bei Friedhelm Julius Beucher unvorstellbar. Natürlich wird er als Delegationsleiter erneut das Team Deutschland bei den Paralympics in Tokio anführen. Natürlich wird das Telefon auch künftig sein wichtigster Begleiter sein, mit dem er Dinge befördert und Menschen bewegt. Und natürlich wird er weiter zupackend und mitunter unbequem bleiben – der Sache wegen. Beucher eben, denn der Job ist noch nicht getan.

 

KOMMENTARE

1

Lieber Friedhelm, alles Liebe und Gute zum Geburtstag bleib gesund und genieße Deinen Tag, und danke für Deinen permanenten Einsatz, beste Grüße Nachbar Ingo

Ingo Haselbach, 21.07.2021, 13:17 Uhr
2

Lieber Friedhelm,
auf diesem Wege schon einmal ganz herzliche Glückwünsche und Gottes Segen zu deinem Geburtstag!
Ich hoffe sehr, dir die Tage noch persönlich gratulieren zu können!
Thomas Döpp

Thomas Döpp, 21.07.2021, 20:29 Uhr
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