LOKALMIX
Freilichtmuseum wurde zum Erlebnisort für alle Generationen
Lindlar - Groß und Klein genossen einen abwechslungsreichen Tag beim Kartoffelfest.
Von Astrid Deckers
Mitmachaktionen, Händler, Ausstellungen und kulinarische Genüsse lockten zahlreiche Besucher am Sonntag zum Kartoffelfest ins LVR-Freilichtmuseum Lindlar. Gleich hinter dem Eingang am Gut Dahl präsentierte die Kürbisfarm Köpke aus Halver eine umfangreiche Kürbisauswahl zum Kauf. Die optische Präsentation der teils ungewöhnlichen Kürbissorten wurde mit Rezept- und Verwendungsvorschlägen sinnvoll ergänzt. So erfuhren potenzielle Käufer, dass der „Mikrowellen“-Kürbis sich besonders zum Befüllen beim Kochen eignet, da er formstabil bleibt. Der „Bratkartoffel“-Kürbis ist hingegen eher für Aufläufe prädestiniert, da er beim Kochen in kleine, kartoffelartige Stücke zerfällt.
Auf dem Acker warteten die Rheinische Kaltblutstute „Moni“ und ihr Besitzer Patrick Thomas aus Kreuzau auf wissbegierige Spaziergänger, die sich ein Bild darüber verschaffen wollten, wie das Feld früher für die Aussaat vorbereitet wurde. Moni demonstrierte eindrucksvoll, wie sie mit nur einer Pferdestärke eine Egge zog, um den Boden damit aufzulockern, zu glätten und Unkraut herauszuziehen. Die Arbeitspausen ließ sich das Pferd geduldig und in sich ruhend von zahlreichen Kinderhänden versüßen, die es ausgiebig streichelten und ihm ganz nah sein wollten.
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[Einen halben Eimer voller Kartoffeln ernteten diese drei Besucher und wenn es nach dem Sohn geht, gibt es heute Abend Kartoffelsalat.]
Mit der rollenden Waldschule hatten sich vier Jäger der Kreisjägerschaft Oberberg und zahlreiche von ihnen mitgebrachte Exponate am „Hof zum Eigen“ eingefunden, um den Kindern und ihren Eltern die Vielseitigkeit des Jägerdaseins zu vermitteln. Während für die Kinder das ausdrücklich erwünschte Anfassen der einzelnen Tierpräparate im Vordergrund des Interesses stand, holten sich die Erwachsenen zumeist hilfreiche Tipps, wie man einen Marderbefall am Auto vermeiden oder bekämpfen kann.
Nur wenige Schritte entfernt stellten André Pitten und seine Kolleginnen von der Bergischen Greifvogelhilfe mit Sitz in Rösrath die zwei amerikanischen Wüstenbussarde „Berta“ und „Bragi“ den Anwesenden vor. Seit nunmehr vier Jahren ist Berta im Besitz von Pitten. Neben der individuellen Geschichte Bertas berichtete Pitten auch darüber, dass Greifvögel als „Waffe“ des Falkners im juristischen Sinne betrachtet werden und zwei Jahre nach dem Ableben des Falkners, so sich kein passender Neubesitzer findet, eingeschläfert werden müssten.
Berta sei eine Handaufzucht ihres Falkners und demzufolge vermenschlicht gewesen. Als sie zehn Jahre war, starb ihr Besitzer und vor nunmehr vier Jahren sei die jetzt 16-jährige Greifvogeldame zu ihm gekommen. In der freien Wildbahn werden diese Greifvögel elf bis zwölf Jahre alt, im Besitz eines verantwortungsbewussten Falkners können sie bis zu 30 Jahre werden. Weiter berichtete Pitten den gespannt lauschenden Zuhörern davon, dass man eine verantwortungsbewusste Haltung und Ernährung auch optisch gut erkennen könne. Wer seinen Greifvogel ausschließlich mit Eintagsküken füttert und ihm die doppelt so teure, abwechslungsreiche Ernährung mit Mäusen, Ratten, Wachteln, Kaninchen oder Hasen verweigert, der hätte bereits nach kurzer Zeit einen Vogel mit gelben statt beigen Beinen.
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[André Pitten und seine Harris's-Hawk-Dame Berta.]
Als besonderer Anziehungspunkt erwies sich der Kartoffelacker zum Selbsternten für Gäste aller Altersklassen. Ausgestattet mit einem Eimer und einer Spatengabel vom LVR-Team bearbeiteten die Besucher ein Feld im Museumsgelände. Die gefundenen Knollen der einheimischen Sorte „Belana“ konnten dann mit nach Hause genommen und dort erntefrisch zubereitet werden. Besonders die Jüngsten konnten das Erdlockern mit der Gabel nicht abwarten und gruben das Erdreich voller Begeisterung mit den Händen um. Auch das früher zur Vermeidung der Krautfäule angezündete Kartoffelfeuer fackelte symbolisch neben dem Acker ab und lud zum Entspannen nach getaner „Arbeit“ ein.
Am „Müllershammer“ konnten Kinder mit eigens aus Kartoffelstärke hergestelltem Kartoffelkleister und altem Zeitungspapier kleine Schalen und Gefäße mit außergewöhnlichem Design herstellen. Diese temporäre Auszeit von der Vielfalt an Eindrücken auf dem Gelände nutzten zahlreiche Kreative, um das Erlebte zu verarbeiten und „sacken“ zu lassen.
Ob die begehrten Reibeplätzchen oder die klassischen Fritten, auch kulinarisch hatte das Kartoffelfest einiges zu bieten. Fischbrötchen, Crêpes, Pizza, Kuchen und Grillwurst – hier fand sich für jeden Geschmack das Richtige und voller neuer Eindrücke und Erfahrungen zog es viele Gäste erst nach stundenlangem Aufenthalt heimwärts. Katharina aus Wiehl, die mit ihren beiden Kindern das Fest besucht hatte, resümierte demzufolge auch: „Wir sind jedes Jahr beim ‚Äepelsfess‘ dabei, es gibt immer was Neues zu entdecken, aber die Kartoffeln auszugraben bleiben das Highlight.

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