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Erntebilanz: Kreisbauernschaft befürchtet massive Einbußen
Oberberg – Extreme Temperaturen und fehlende Niederschläge: Weniger Weizen als im Vorjahr – Mais, Zuckerrüben und Kartoffeln leiden extrem unter der Dürre.
Für viele Menschen sind die vergangenen Monate von den Temperaturen her wirklich extrem gewesen. Doch die andauernde Hitze und der fehlende Niederschlag haben sich auch auf die landwirtschaftlichen Flächen ausgewirkt. Der stellvertretende Vorsitzende der Kreisbauernschaft Oberbergischer Kreis, Jannick Bauch, zieht Bilanz zur Ernte 2026 und blickt auf die noch ausstehenden Herbstkulturen. Wie die Kreisbauernschaft heute mitgeteilt hat, setzen Hitze und anhaltende Trockenheit den Beständen zu, während hohe Betriebskosten und stark schwankende Erzeugerpreise den wirtschaftlichen Druck auf die landwirtschaftlichen Betriebe weiter verschärfen.
Beim Weizen mit einem blauen Auge davongekommen
Getreide bleibt der Kreisbauernschaft zufolge die wichtigste Ackerkultur im Rheinland. Insgesamt dürfte die Erntemenge in diesem Jahr laut Mitteilung bei rund 1,1 Millionen Tonnen liegen und damit etwa 14 Prozent unter dem Vorjahresniveau. „Beim Weizen sind wir trotz extremer Temperaturen und fehlender Niederschläge mit einem blauen Auge davongekommen“, erklärt Bauch. Im Rheinland wurden beim Winterweizen durchschnittlich rund 87 Dezitonnen pro Hektar geerntet – gut acht Prozent weniger als im vergangenen Jahr. Die Wintergerste erreichte rund 84 Dezitonnen pro Hektar.
Hohe Kosten für Diesel, Dünger, Pflanzenschutz und Energie
Die Erntemengen allein sagen nach Einschätzung der Kreisbauernschaft wenig über die wirtschaftliche Lage der Betriebe aus. Hohe Kosten für Diesel, Dünger, Pflanzenschutz und Energie treffen auf stark schwankende Erzeugerpreise. „Die Preise am Getreidemarkt reagieren derzeit von Tag zu Tag auf geopolitische Krisenherde und Äußerungen der beteiligten Akteure. Für unsere Betriebe ist das kaum planbar“, betont Bauch. Unter diesen Bedingungen würden die Erlöse beim Getreide derzeit nicht ausreichen, um die Produktionskosten zu decken und eine wirtschaftlich tragfähige Erzeugung zu gewährleisten.
In den vergangenen Jahren hat Raps der Kreisbauernschaft zufolge als Kultur wieder an Attraktivität gewonnen. So wuchs die Anbaufläche um rund zehn Prozent zum vergangenen Jahr. Die Erträge konnten mit dieser Entwicklung jedoch nicht Schritt halten: Im Durchschnitt wurden rund 36 Dezitonnen pro Hektar geerntet, nach rund 41 Dezitonnen im vergangenen Jahr.
Mais, Zuckerrüben und Kartoffeln leiden extrem
Mit großer Sorge blickt der stellvertretende Vorsitzende der Kreisbauernschaft Oberbergischer Kreis zudem auf die noch auf den Feldern stehenden Herbstkulturen. Insbesondere Mais, Zuckerrüben und Kartoffeln leiden extrem unter der anhaltenden Dürre. Die jetzt gefallenen Niederschläge ändern daran laut Bauch nichts mehr. Bei diesen Kulturen ist daher mit deutlichen Ertragsrückgängen zu rechnen. Die anhaltende Trockenheit hat das Wachstum und den Ertrag bereits erheblich beeinträchtigt und die Pflanzen geschwächt.
Im Futterbau, für den im Bergischen Land der Großteil der Fläche genutzt wird, zeigt sich ein ähnliches Bild wie im Ackerbau. Auf dem Grünland konnten dank des wüchsigen Frühjahrs die ersten Schnitte des Jahres eingebracht werden, teilweise jedoch bereits mit Qualitätseinbußen. Seit Anfang Juli ist das Wachstum vielerorts deutlich ins Stocken geraten, sodass weitere Schnitte ausgeblieben sind. Ob ein später Schnitt mit nennenswerten Erträgen möglich sein wird, ist von Niederschlägen abhängig. Besonders dramatisch ist die Lage beim Mais: Auf einzelnen Standorten ist bereits jetzt mit massiven Ertragseinbußen bis hin zu Totalausfällen zu rechnen. „Für viele Betriebe entscheidet sich erst in den kommenden Wochen, wie groß der wirtschaftliche Schaden tatsächlich wird“, warnt Bauch.
Erntebilanz als weiteres Warnsignal
Der stellvertretende Vorsitzende sieht in der diesjährigen Erntebilanz ein weiteres Warnsignal für die wirtschaftliche Lage der Betriebe. „Unsere Familienbetriebe brauchen bessere Rahmenbedingungen, welche die Produktion nicht zusätzlich verteuern“, führt Bauch aus. Notwendig dafür seien wettbewerbsfähige Energie- und Betriebsmittelpreise sowie konkrete politische Antworten auf immer stärkere Marktrisiken.
„Die größten Sorgen liegen allerdings in den aktuell niedrigen Erzeugerpreisen für Milch und Rindfleisch. Bei den hohen Kosten für Betriebsmittel, Personal und Verwaltung reichen die Erlöse nicht aus, um die Kosten zu decken“, hält Bauch fest.
Die Kreisbauernschaft sieht hier die Politik gefordert, den „zunehmenden Ungleichgewichten in der Wertschöpfungskette“ entschlossen entgegenzutreten. Während Verbraucherinnen und Verbraucher für Lebensmittel stetig mehr aufwenden müssen, komme bei den landwirtschaftlichen Betrieben davon nichts an. „Wer heimische Lebensmittelproduktion sichern will, muss den Betrieben wieder wirtschaftliche Perspektiven geben“, so Bauch.
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