LOKALMIX

E-Bike-Boom und Warnsignale

bv; 22.06.2021, 06:00 Uhr
Symbolfoto: fbenedict auf Pixabay
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E-Bike-Boom und Warnsignale

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bv; 22.06.2021, 06:00 Uhr
Oberberg – Elektrisch unterstützte Zweiräder wurden in der Corona-Zeit zum großen Renner, doch ist Fachberatung eigentlich Pflicht, denn an einem Drittel aller Fahrradunfälle in Oberberg sind „Stromer“ beteiligt.

Gerade an den schönen warmen Tagen in den vergangenen Wochen sah man sie häufig: Auch im Oberbergischen sind E-Bikes schwer im Kommen. Wo gerade ältere Menschen in der buckligen Welt der heimischen Region in der Vergangenheit oft an ihre Grenzen gerieten, wenn sie mit den früher üblichen Fahrrädern Berge erklimmen wollten, bringt einen heute der Elektroantrieb entspannt nach oben. Wobei die Begrifflichkeiten durcheinandergehen. E-Bikes sind streng genommen Fahrräder, die auf Knopfdruck ohne Pedalunterstützung fahren.

 

Deshalb ist das E-Bike meistens, jedenfalls ab 6 km/h, zulassungspflichtig. Anders ein Pedelec: Es unterstützt den Radfahrer mit einem Elektromotor nur, wenn man selbst in die Pedale tritt.  Bis 25 Kilometer pro Stunde wird es deshalb als Fahrrad angesehen – und ist nicht zulassungspflichtig. Doch als Oberbegriff hat sich für alle Elektrofahrräder der Name E-Bike etabliert.

 

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Zwei Millionen von ihnen wurden allein 2020 in Deutschland verkauft. Wer in Oberberg eines haben möchte, muss sich in Geduld üben. „Wartezeiten von einem halben Jahr sind nicht ungewöhnlich, wenn man das eine oder andere Extra noch haben möchte“, sagt Bastian Trieschmann von Zweirad Klein in Wiehl-Bielstein. Und auch bei Radsport Nagel in Gummersbach weiß man: „Die Nachfrage ist groß und wir sind überzeugt, dass die auch noch länger anhalten wird“, sagt Mitarbeiterin Sandra Giebeler. Gerade in der Corona-Zeit haben sich offenbar viele Oberberger an die gute alte Fahrrad-Zeit erinnert – und sind aufs E-Bike umgestiegen. Und selbst bei einer wachsenden Zahl von Jüngeren steige das Interesse am elektrischen Fahrrad stetig, so Giebeler.

 

Allerdings – der Boom hat auch eine Schattenseite. Überdurchschnittlich viele E-Bike-Fahrer sind in Unfälle verwickelt. Annähernd ein Drittel der bei Fahrradunfällen Verletzten in Oberberg war 2020 elektrisch unterwegs. Von den bislang 17 schwerverletzten Fahrradfahrern 2021, fuhren acht mit einem E-Bike. Manch älterer Verkehrsteilnehmer, der möglicherweise nach Jahrzehnten aufs Rad umsteige, sei schlicht überfordert, auch weil die Reaktionen nachließen, mutmaßt Michael Tietze, Sprecher der oberbergischen Kreispolizeibehörde. Als Neueinsteiger müsse man sich über die Geschwindigkeit im Klaren sein und sich besser erst langsam an das neue Verkehrsmittel gewöhnen.

 

Bei Zweirad Klein nimmt man jedenfalls die Verantwortung ernst, wenn man E-Bikes gerade an ältere Kunden verkauft. „Wir schauen, ob wir bestimmte Fahrräder den Kunden zutrauen. Schließlich haben wir auch eine Obhutspflicht“, sagt Bastian Trieschmann. Es komme eben viel auch auf eine gute Beratung an. Die ist wichtig, denn die Unterschiede bei den Angeboten sind enorm. Kosten, Reichweite, Antriebskonzepte – vieles will bedacht sein. Am meisten verkauft wird das Mittelmotorkonzept, das beim Fahrgefühl von vielen Nutzern am besten bewertet wird, es gibt aber auch Front- und Heckmotoren.

 

Kette- oder Riemenantrieb, die besten Angebote für Straße oder Gelände, oder die Reichweite des Akku – diese Fragen kann eigentlich nur der geschulte Mitarbeiter eines Fachbetriebs beantworten. Einfache Modelle sind bereits für rund 1.000 Euro zu bekommen, Räder mit aufwendiger Technik und sehr guten Materialien kosten 3.500 Euro und mitunter sehr viel mehr. Wer im mittleren Preissegment fündig wird, erhält zumeist schon gut ausgestattete Mittelklasse-Modelle. „Die Menschen merken, dass Fahrradfahren mit elektrischer Unterstützung sehr viel Spaß machen kann“, glaubt auch Trieschmann, dass sich der Boom fortsetzen wird.

 

KOMMENTARE

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Ist halt ähnlich dem Motorradfahren. Die Geschwindigkeiten sollten nicht unterschätzt werden. Hier auf dem Land haben wir auch das Problem von ordentlichen Wegen für Fahrräder. In der Stadt mir ordentlichen Wegen wesentlich angenehmer!

Krause, 22.06.2021, 08:07 Uhr
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