LOKALMIX

Der Wald der Zukunft muss klimastabil sein

bv; 21.09.2020, 13:35 Uhr
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Fotos: Michael Kleinjung --- Schüler und Politiker pflanzten Bäume als Signal für die Rettung des deutschen Waldes.
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Der Wald der Zukunft muss klimastabil sein

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bv; 21.09.2020, 13:35 Uhr
Bergneustadt – NABU und Forstbetriebsgemeinschaft klärten über Ausmaß der Schäden auf – Schulkinder und Politiker pflanzten gemeinsam Bäume für die Zukunft.

Von Bernd Vorländer

 

Über den Zustand des Waldes im Spätsommer 2020 muss man eigentlich nicht mehr viele Worte verlieren. Wer in der Region unterwegs ist, wer mit offenen Augen durch die Wälder geht, wird erschüttert sein. Fichtenwälder sind entweder schon abgeholzt oder schwerstgeschädigt. Das hat emotionale, ökologische und finanzielle Folgen. Emotional, weil der Wald mehr ist als eine grüne Oase oder eine betriebswirtschaftliche Größe. Viele Menschen genießen die Stille des Waldes als Ausgleich zur Hektik des Alltags. Aber der Wald ist auch grüne Lunge und Stabilisator des Klimas. Und viele hunderttausende private Waldbesitzer haben in der Vergangenheit mit erheblichen Geldbeträgen dafür gesorgt, dass bis zu 10.000 Pflanzen- und Baumarten den NRW-Wald zu einem der artenreichsten Biotope gemacht haben, in dem 6.000 verschiedene Tierarten leben. Viele dieser Waldbesitzer stehen jetzt vor einer ungewissen Zukunft.

 

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Die vergangenen drei regenarmen Sommer haben dafür gesorgt, dass vor allem Fichten ohne Schutz vor Schädlingen waren. Eine Situation, die der Borkenkäfer in einer kaum fassbaren Form genutzt hat. Etwa 30 Prozent der oberbergischen Wälder bestehen aus Fichten. Derzeit sind 60 Prozent davon, bis zu 12.000 Hektar, bereits dem Schädling zum Opfer gefallen. „Wir rechnen in den kommenden Jahren mit einem Totalschaden bei über 20-jährigen Beständen“, sagt Kay Bönig, Leiter des Regionalforstamts Bergisches Land. Er war wie Vertreter des Landes, des Kreises und der Politik einer Einladung des NABU Bergneustadt und der Forstbetriebsgemeinschaft (FBG) Dörspe-Othetal gefolgt. Auf der Sülemicke schilderten Heinz Kowalski (NABU) und Kai Uwe Fritz sowie Ramona Voth von der FBG das Ausmaß des Schadens. Eingeladen war auch NRW-Umweltministerin Ursula Heinen-Esser, die jedoch krankheitsbedingt kurzfristig passen musste.

 

Kowalski war überzeugt, dass die Wiederaufforstungsmaßnahmen und die Schaffung von klimastabilen Wäldern enorme Summen erfordern werden. CDU-Landtagsfraktionschef Bodo Löttgen sprach davon, dass NRW bereits 57 Millionen Euro an Soforthilfen für die geschädigten Wälder zur Verfügung gestellt habe. Er sei jedoch sicher, dass im nächsten Haushalt weitere Mittel bereitgestellt würden. Die Dimension ist jedoch um einiges größer. Allein in Oberberg müssen 4.000 Hektar aufgeforstet werden. Bei geschätzten Kosten von 10 bis 15.000 € pro Hektar wären da schon die gesamte NRW-Hilfen ausgeschöpft. Landrat Jochen Hagt kündigte an, dass man alles dafür tun werde, um die heimischen Waldbesitzer zu unterstützen. Auf Musterflächen des Kreises sei eine rasche Wiederaufforstung geplant. Hubertus Kaiser, Abteilungsleiter Naturschutz im NRW-Umweltministerium, ermutigte, trotz aller Schäden optimistisch in die Zukunft zu schauen. Richtig sei, dass ein Viertel aller Waldschäden in Deutschland derzeit in NRW zu beobachten seien. Deshalb müsse alles dafür getan werden, um künftig zu einem klimastabilen Mischwald zu kommen.

 

[(v. li.) Hubertus Kaiser (Umweltministerium NRW), Wolfgang Scharf (Vorsitzender NABU-Bergneustadt), Heinz Kowalski (stellvertretender Landesvorsitzender NABU NRW), Landrat Jochen Hagt, CDU-Landtag-Fraktionschef Bodo Löttgen sowie Kai Uwe Fritz und Ramona Voth von der Forstbetriebsgemeinschaft Dörspe-Othetal.]

 

Das Vorhaben wurde am heutigen Morgen in Bergneustadt sofort in die Tat umgesetzt. Gemeinsam mit den Politikern pflanzten Schüler der Katholischen Grundschule Wiedenest, des Schulparlaments der Grundschule Hackenberg und der Realschule Bergneustadt Buchen und Esskastanien, und drückten Eicheln und Walnüsse in den Boden. FBG-Chef Kai Uwe Fritz betonte, dass die Natur einen Teil der Wiederbelebungsmaßnahmen für den deutschen Wald selbst übernehme und bestimmte, widerstandsfähige Baumarten jetzt vermehrt anzutreffen seien. Klar ist aber auch, dass der Wald der Zukunft anders aussehen wird, als der, den wir bislang gewohnt waren. Klimaschutz-Versäumnisse der Vergangenheit dürften noch Jahrzehnte ihre sichtbaren und für manchen schwer erträglichen  Folgen hinterlassen.

UMFRAGE

Was ist nötig, damit der Wald in der Region eine Zukunft hat?

Die Abstimmung ist beendet. Ende der Abstimmung: 23.09.2020, 10:00 Uhr
Wir brauchen Mischwälder, keine Monokulturen - 122 Stimmen
  87 %  
Das Problem ist zu groß, das wird in den nächsten Jahren nichts mehr - 13 Stimmen
  9 %  
Das Thema wird überschätzt, es gibt andere Probleme - 5 Stimmen
  4 %  
Gesamt: 140 Stimmen

BILDERGALERIE

KOMMENTARE

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im Freien Maske tragen . . . . .gehts noch

Werner Wagner, 22.09.2020, 07:55 Uhr
0 von 800 Zeichen
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