LOKALMIX

Menschenkette und Pfeifkonzert gegen AfD-Bürgerdialog

pn; 22.01.2022, 16:00 Uhr
Fotos: Peter Notbohm ---- Etwa 350 Menschen beteiligten sich an der Menschenkette, um ein Zeichen gegen Rechts zu setzen.
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Menschenkette und Pfeifkonzert gegen AfD-Bürgerdialog

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pn; 22.01.2022, 16:00 Uhr
Waldbröl - Rund 350 Demonstranten haben gegen eine AfD-Veranstaltung in der Aula des Gymnasiums in Waldbröl protestiert – Bürgerdialog der Partei traf auf geringes Interesse.

Von Peter Notbohm

 

Mit Interesse blickten Bernd Rummler und Helmut Seifen durch die Fenster der Aula des Waldbröler Hollenberg-Gymnasiums. Während sich in dem Saal gerade einmal 16(!) Menschen verloren hatten, um dem Bürgerdialog der AfD-Kreistagsfraktion beizuwohnen und über die Themen Bildung, Klima und Wirtschaft zu diskutieren, hatten außerhalb des Gebäudes rund 350 Demonstranten, darunter viele junge Teilnehmer, eine bunte Menschenkette vor der Schule gebildet, um ein Zeichen für Toleranz und gegen Rechts zu setzen.

 

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Der AfD-Kreistagsabgeordnete Rummeler sprach kurz darauf in seinen eröffnenden Worten von einem „lauten Begrüßungskomitee“. Mit dem Bürgerdialog erhoffe sich seine Partei eine angeregte Diskussion – auch darüber, ob die Vorwürfe, die man der AfD mache, überhaupt stimmen. Der Landtagsabgeordnete und ehemalige NRW-Landesvorsitzende Seifen hielt sich mit seiner Meinung weit weniger zurück und bezeichnete den Protest beim Blick durch die Fenster als „selbstgerecht und überheblich“. Zumal er sich auf dem Weg in die Aula von wildfremden Menschen habe beleidigen lassen müssen.

 

'Oberberg ist bunt - nicht braun!' hatte erst am Mittwoch zu der Demonstration gegen die AfD-Veranstaltung aufgerufen. Der Vorsitzende Gerhard Jenders (Foto) prangerte den Termin des Bürgerdialogs als bewusste Provokation an und sprach von einer Propaganda-Veranstaltung. Erst vorgestern jährte sich die Wannsee-Konferenz zum 80. Mal, am kommenden Donnerstag ist der Holocaust-Gedenktag.

 

„Deshalb freuen wir uns, heute ein deutliches Zeichen für Toleranz und gegen Rassismus zu setzen und das Engagement der Waldbröler Öffentlichkeit für Demokratie und Vielfalt zu unterstützen“, freut sich Jenders, dass auch aus vielen Nachbarkommunen Menschen nach Waldbröl kamen. Mit Claudia Hein, Fraktionsvorsitzende der Waldbröler Grünen, Tobias Schneider, Mitglied des SPD-Kreisverbandvorstand, sowie Paul W. Giebeler (UWG) gaben zudem drei politische Vertreter kurze Statements ab, ehe Jenders dazu aufrief, mit Bändern die Menschenkette in Richtung Waldbröler Innenstadt zu bilden.

 

Auch Polizei und Ordnungsamt waren mit mehreren Kräften im Einsatz. Zwei Parkplätze am Schulzentrum waren vorsorglich gesperrt worden, um Bürgerdialog und Demonstration zu ermöglichen. Damit wurde auch verhindert, dass Protestierende den Parkplatz im Vorfeld zuparken konnten, um die AfD-Veranstaltung zu behindern. Zeitweise sperrte die Polizei zudem die Goethestraße für den Verkehr. Einsatzleiter Dirk Schneider sprach von einer problemlosen und friedlichen Demonstration. Polizei und Veranstalter gingen im Anschluss von etwa 350 Teilnehmern aus.

 

Dass dies in Corona-Zeiten mit so vielen Menschen nicht unkompliziert ist, bewies einer der letzten Sätze Jenders'. „An der Ausgabe wird es ein bisschen knubbelig, aber haltet bitte die Abstände ein“, rief er den Demonstranten bei der Verteilung der Bänder noch zu, ehe diese sich entlang der Goethestraße und Vennstraße formierten - Probleme gab es hierbei keine. In der Aula war das Einhalten von Abständen dagegen geradezu problemlos möglich. Fünf Security-Mitarbeiter kontrollierten jeden der wenigen Teilnehmer beim Betreten sehr genau, viele der aufgestellten Tische blieben verwaist.

 

[Bernd Rummler (li.) und Helmut Seifen eröffneten den AfD-Bürgerdialog in der der Aula des Waldbröler Hollenberg-Gymnasiums. Der Saal war von der Stadt Waldbröl an die Partei vermietet worden.]

 

Von einem kurzen Impulsvortrag, der zur Diskussion anregen soll – so hatte Rummler die Redebeiträge des bildungspolitischen Sprechers Helmut Seifen und des energiepolitischen Sprechers Christian Loose angekündigt – konnte man indessen kaum sprechen. Während vor der Aula vom harten Kern der Demonstranten ein lautes Pfeifkonzert zu hören war, sprach der langjährige Schuldirektor Seifen über 45 Minuten von seinen Vorstellungen guter Bildungspolitik. Weite Teile seines Beitrags handelten allerdings weniger von politischen Ideen, sondern kamen eher einem Referat über die Funktionsweise des menschlichen Gehirns gleich.

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