LOKALMIX

„Dauerbaustelle“ der zukunftsfähigen Schulen

us; 27.02.2026, 12:35 Uhr
Foto: Ute Sommer --- Einigkeit herrschte darin, dass trotz anderer Herausforderungen das Thema Demokratievermittlung essentieller Bestandteil von Schulbildung ist: Stefan Behlau (v. li.), Mark Zimmermann, Monika Güdelhöfer, Klaus Grootens und Ulrich Stücker.
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„Dauerbaustelle“ der zukunftsfähigen Schulen

us; 27.02.2026, 12:35 Uhr
Gummersbach – Diskussionsrunde des VBE widmete sich gestern der Bildungslandschaft im Kreisgebiet.

Von Ute Sommer

 

Im Rahmen einer politischen Diskussion erörterten Vertreter vom Verband Bildung und Erziehung (VBE) und der regionalen Bildungspolitik die Rahmenbedingungen für zukunftsfähige Schulen in Oberberg. Was benötigen Schulen, Schüler, Lehrer und begleitende Fachkräfte, um erfolgreich zu lernen und die Zukunft selbstbestimmt gestalten zu können? Der öffentliche Teil der VBE-Mitgliederversammlung stieß gestern auf großes Interesse, so dass Sandra Rothe, Vorsitzende des Kreisverbandes, rund 50 Gäste im Forum der Gummersbacher Jakob-Moreno-Schule willkommen hieß. In Funktion als „Sprachrohr für alle Mitarbeitenden an Schulen“ habe der VBE erstmals Akteure aus unterschiedlichen Ebenen der Schullandschaft geladen, um möglichst viele Blickwinkel in den Austausch mit einzubeziehen.

 

Als „Dauerbaustelle“ im regionalen Bildungswesen skizzierte Rothe den immensen Lehrermangel und die daraus resultierende Überlastung des Personals, eine heterogene Schülerschaft mit zunehmenden Verhaltensauffälligkeiten, eine veraltete Gebäude-Infrastruktur, Bürokratielast und fehlende multiprofessionelle Assistenzen für Inklusion und Digitalisierung. Guter Bildungserfolg sei weniger ein Kosten-, denn ein Zukunftsfaktor, weshalb verlässliche Rahmenbedingungen seitens der Politik erforderlich seien.

 

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Zu den diesbezüglichen Fragen der Moderatoren Erasmus Mehlmann (Lehrer) und Will Mercene (Sozialarbeiter) der Jakob-Moreno-Schule nahmen Stefan Behlau, Vorsitzender VBE NRW, Landrat Klaus Grootens, Mark Zimmermann (MdL Grüne), Ulrich Stücker, Bürgermeister der Stadt Wiehl und die Vorsitzende des Schul- und Sportausschusses Engelskirchen, Monika Güdelhöfer, Stellung. Als Schulträger von Berufskolleg und Förderschulen wisse man um die Bedeutung von baulichen und technischen Voraussetzungen für gelingendes Lernen, unterstrich Grootens. Seitens des Kreises arbeite man an verbesserter Mobilität, dem Ausbau der ärztlichen Versorgung, von Bildungsnetzwerken und der öffentlichen Sicherheit. „Bildung braucht ein Herz für Kinder“, votierte Monika Güdelhöfer für flexiblen ÖPNV, Hilfen beim frühkindlichen Spracherwerb und die gesteigerte Vernetzung zwischen Schulen, Vereinen und Arbeitgebern.

 

„Gute Schulen bedürfen einer guten Finanzausstattung“, forderte Wiehls Bürgermeister mit Blick auf ein geschätztes Investitionsvolumen von bis zu 80 Millionen Euro allein in die marode Gebäudeinfrastruktur des DBG-Gymnasiums. Auf den Anwurf von Stefan Behlau, dass Schulpolitik überhaupt keine Rolle im Bundestagswahlkampf gespielt habe, konterte MdL Mark Zimmermann mit dem NRW-Altschuldenentlastungsgesetz, das Kommunen neue Investitionen in Bildungsinfrastruktur ermögliche. Als flankierende Maßnahmen setze das Land auf die Erhöhung der Lehramts-Studienplätze und bessere Möglichkeiten für Seiteneinsteiger.

 

Als immense Herausforderung der „zukunftsfähigen Schule“ beschrieb Ulrich Stücker im Fortgang die Konsequenzen von psychosozialen Bildungsmängeln durch die Vernachlässigung des elterlichen Erziehungsauftrages, der sich im Verfall gesellschaftlichen Miteinanders und der Erosion der Demokratie niederschlage. Seiner Einschätzung schlossen sich alle Gesprächsteilnehmer unisono an. „Schule braucht Zeit und Kapazitäten, um dem Lehrauftrag der Demokratievermittlung nachkommen zu können“, warb Stefan Behlau um verbesserte Personalausstattung in Schule und OGS und eine koordinierte Schulsozialarbeit. In Schülerparlamenten, Bürgermeister-Sprechstunden, dem Mitwirken an Schul- und Kommunalprojekten, Besuchen im Landtag und Aktionen wie dem Jugendkulturpreis würden Demokratie und Selbstwirksamkeit für Heranwachsende erfahrbar.

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