LOKALMIX

Bis zur Jungfernfahrt dauert es keine fünf Minuten

lw; 16.11.2021, 17:11 Uhr
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Fotos: Lars Weber --- Die Verantwortlichen und Beteiligten von OVAG, dem Oberbergischen Kreis und der Stadt Wiehl.
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Bis zur Jungfernfahrt dauert es keine fünf Minuten

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lw; 16.11.2021, 17:11 Uhr
Wiehl – Neues ÖPNV-Angebot Monti startete heute Nachmittag und soll die Dörfer im Wiehler Westen bedienen – Pilotprojekt ist auf drei Jahre angelegt – Erweiterungen bei Erfolg denkbar.

Von Lars Weber

 

Wer in Büddelhagen, in Immen, in Hau oder auch in Niederbellinghausen wohnt, kennt das Problem der Anbindung des Dorfes an den öffentlichen Personennahverkehr. Die nächste Haltestelle ist häufig weit entfernt, wenn überhaupt eine in der Nähe vorhanden ist. Wie häufig die Busse dann fahren, steht ebenfalls auf einem anderen Blatt. Die Situation lässt sich auf die meisten kleinen Orte im Kreis übertragen. Für Büddelhagen, Immen, Hau, Niederbellinghausen und einige andere Orte im Wiehler Westen hat sich die Situation aber heute verändert und es gibt eine neue ÖPNV-Alternative: Denn diesen Nachmittag ist Monti gestartet, das Pilotprojekt des OVAG, der Stadt Wiehl und des Oberbergischen Kreises.

 

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Bei Monti handelt es sich um ein sogenanntes On-Demand-Angebot (OA berichtete). Das heißt, wer eines der beiden angeschafften Hybrid-Fahrzeuge im Stil eines London-Taxis nutzen möchte, bucht eine Fahrt idealerweise per App, die sowohl bei Apple als auch im Playstore (Stichwort: OVAG Monti) kostenlos herunterzuladen ist. Doch auch per Telefon unter Tel.: 02261/91 12 71 ist die Buchung möglich. „Diese Möglichkeit war uns sehr wichtig“, sagte OVAG-Geschäftsführerin Corinna Güllner heute vor dem offiziellen Start am Wiehler Weiherplatz. Bezahlt (es gilt der VRS-Tarif plus Serviceaufschlag: Erwachsene zahlen zum Beispiel bis zu 4,50 Euro) werden kann im Auto oder direkt in der App per hinterlegten Kreditkarten-Daten oder bald auch per PayPal. Möglich ist eine Fahrt montags bis donnerstags von 6 bis 22 Uhr, freitags von 6 bis 24 Uhr sowie samstags von 8 bis 24 Uhr und sonntags von 8 bis 22 Uhr.

 

[Grafik: OVAG --- Die Haltestellen und das Angebotsgebiet von Monti. Für größere Version auf Karte klicken.]

 

Monti nutzt zum einen die vorhandenen Bushaltestellen im abgedeckten Gebiet als auch 33 weitere „virtuelle“ Haltestellen, meist zentrale Plätze oder markante Orte in den Dörfern. „So sollen die Gäste von ihrer Haustür bis zu einer Haltestelle im Idealfall nicht mehr als 350 Meter zurücklegen müssen“, sagte Güllner. Ist der Fahrtwunsch hinterlegt, soll Monti innerhalb einer halben Stunde bei der Abfahrtshaltestelle sein. Das System verarbeitet dabei die Wunschhaltestellen der jeweiligen Fahrtgäste und errechnet die ideale Route. Das heißt natürlich auch – und das unterscheide Monti beispielsweise vom Taxi: Wie beim Bus fährt man vielleicht mehrere andere Haltestellen an, bis man ans Ziel gelangt. Zum Start sollen höchstens vier statt den eigentlich möglichen sechs Fahrgästen Platz nehmen – eine Reaktion auf das aktuelle Infektionsgeschehen.

 

Zwei Fahrzeuge wurden für Monti angeschafft, die von neun extra von der OVAG eingestellten Fahrern gesteuert werden. Ein sechsstelliger Betrag sei bislang in das Pilotprojekt investiert worden. Eine Summe, die es benötige, um im ländlichen Raum an der Mobilitätsschraube zu drehen, wie Wiehls Bürgermeister Ulrich Stücker betonte. „Es braucht innovative Ideen“, sagte Landrat Jochen Hagt. Monti sieht er dabei als Ergänzung zu anderen Angeboten wie auch den Bürgerbussen. „Es wird nicht die eine Lösung geben, die das Problem der Mobilität im ländlichen Raum allein löst.“ Die Beteiligten hoffen aber natürlich, dass Monti ein Teil der Lösung sein kann.

 

[Bürgermeister Ulrich Stücker (l.) und Landrat Jochen Hagt machen es sich gemütlich.]

 

Vor rund drei Jahren wurde mit dem Projekt im Rahmen der Umsetzung des Nahverkehrsplans begonnen, blickte Planungsdezernent Frank Herhaus zurück. Seitdem habe besonders ein Team der OVAG eine immense Vorarbeit geleistet, um das Angebot auf das Gebiet passgenau zuzuschneiden, lobte Corinna Güllner ihr Team. Nun werde ganz genau hingeschaut, wie die Umsetzung läuft. Im besten Falle soll es nicht bei der Abdeckung des Wiehler Westens bleiben, sondern die Erfahrungen einfließen in ein neues Mobilitätskonzept, das gemeinsam mit den Kreiskommunen auf den Weg gebracht werden soll, so Herhaus weiter.

 

Die erste Schicht übernahmen am Nachmittag die Fahrer Andrea Klein und Roland Brockhoff. Die Wiehlerin Andrea Klein war lange Zeit Taxifahrerin, sie bringt also schon eine Menge Berufserfahrung mit. Brockhoff war fast 40 Jahre lang bei Karstadt beschäftigt, bevor die Gummersbacher Filiale geschlossen wurde. Jetzt freut sich Brockhoff auf diese neue Aufgabe. Kurz nach 15 Uhr wurde das Buchungssystem freigeschaltet. Es dauerte keine fünf Minuten, da wurde tatsächlich die erste Fahrt gebucht und Brockhoff setzte „seinen“ Monti in Bewegung. Wenn es nach den Beteiligten geht, darf es natürlich gerne so weitergehen…

 

Weitere Informationen gibt es auf der Homepage von Monti.

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