LOKALMIX
Aus dem Hubertuspark wird das Ründerother Quartier
Engelskirchen – Reges Interesse gab es bei der gestrigen Bürgerinformation zur Industriebrache „Alte Bücherfabrik“ in Ründeroth.
Von Leif Schmittgen
Nach den gescheiterten Plänen zur Reaktivierung der Industriebrache „Alte Bücherfabrik“ in Ründeroth durch die Gemeinde hatten die Architekten Ralf und Tim Rother im Herbst 2024 erste privatwirtschaftliche Reaktivierungspläne unter dem Arbeitstitel „Hubertuspark“ vorgestellt (OA berichtete). An diesen Plänen halten die Investoren auch fest, lediglich der Name und Details wurden binnen der letzten anderthalb Jahre angepasst. „Ründerother Quartier“ entspricht eher dem, was dort entsteht“, sagte Ralf Rother mit einem Schmunzeln. Denn die Mischung aus Kleingewerbe, Gesundheitsangebot und Wohnen entspreche doch weniger einem Park- als vielmehr einem Quartierscharakter.
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Das öffentliche Interesse an dem Projekt scheint ungebrochen hoch, denn etwa 100 Interessierte hatten sich gestern zur Bürgerversammlung eingefunden. Gemeinde und Architekturbüro hatten zum Start der sogenannten Beteiligungsphase, in der bis Ende März Vorschläge und Kritik geäußert werden können, in den Engelskirchener Ratssaal eingeladen. Die rechtlichen Grundlagen, nämlich Änderungen beim Flächennutzungs- sowie Bauplan, stellte Fachbereichsleiter Andreas Kiel vor. Demnach ist eine Mischnutzung auf dem knapp 10.000 Quadratmeter großen Areal vorgesehen, was eben auch den Wünschen des Investors entspricht.
Mit einem Kitaträger sei man ebenso im Gespräch wie mit Ärzten und Gesundheitseinrichtungen. Auch die Ansiedlung von Kleingewerbe sei denkbar. Auf Nachfrage nach einer möglichen kulturellen Nutzung, wie ursprünglich von der Gemeinde geplant, antwortete der Architekt: „Bringen Sie Ideen mit ein, wir sind für alles offen, auch wenn derzeit keine kulturelle Nutzung vorgesehen ist.“
Gemeindepläne hatten damals ein nahezu ganzheitliches Gesundheitsangebot vorgesehen, das wird in diesem Umfang ebenfalls nicht etabliert. „Wir erhalten mehr historische Bausubstanz als ursprünglich geplant“, meinte Tim Rother. Das sei der Detailplanung von Wegen geschuldet. Im Zentrum soll der Schornstein als Industriedenkmal erhalten bleiben. Eine Öffnung des Areals zur L 136 ist weiterhin notwendig, allein um Verkehrsteilnehmern den Blick auf die Fahrbahn in Richtung Wiehlmünden zu ermöglichen.
Zahlen und Daten
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Es entstehen oberhalb der Gebäude der alten Bücherfabrik 48 Mietwohnungen von 56 bis 155 Quadratmetern mit einer Gesamtwohnfläche von insgesamt 3.500 Quadratmetern.
Innerhalb der Altsubstanz sollen insgesamt ca. 3.000 Quadratmeter Gewerbe-/Kita- Praxis- und Therapieflächen entstehen.
Ebenfalls sollen in dem historischen Ensemble 23 Eigentums- und Mietwohnungen entstehen, teilweise im Loftcharakter.
Insgesamt werden ca. 150 Stellplätze errichtet, davon etwa 35 in einer Tiefgarage.
Etliche Bedenken aus dem Publikum gab es zur möglicherweise steigenden Verkehrsbelastung. Einige befürchteten einen Unfallschwerpunkt, insbesondere während der Bauarbeiten. Aus Sicht der Gemeinde ist die Reduzierung auf 40 Kilometer pro Stunde in Höhe der Alten Bücherfabrik vorgesehen, ebenso das Einrichten einer Halteverbotszone, um möglichen Gefahren vorzubeugen. Auch dem Vorschlag zur Einrichtung eines Linksabbiegers erteilten die Verantwortlichen eine Absage, weil es zu Rückstaus und Irritationen führen könnte.
Abweichungen von den ursprünglichen Plänen gab es wegen geänderter Zuwege, zum Beispiel bei den neu zu errichtenden Mietwohnungen. Sechs anstatt ursprünglich sieben Neubauten sind nun geplant. „Die Nachfrage nach Eigentum in Industriegebäuden ist sehr hoch“, sagte Ralf Rother. Deshalb plane er Wohnungen zum späteren Verkauf im Baubestand. Die Umgestaltung des Areals soll spätestens 2031 abgeschlossen sein.