LOKALMIX
Aufbruchsstimmung im Steinmüller Bildungszentrum
Gummersbach – Im SBZ hat zum ersten Mal seit sechs Jahren wieder ein Tag der offenen Tür stattgefunden.
Es kriselt in der Wirtschaft – nicht nur deutschlandweit, sondern auch im Oberbergischen. Das zeigen nicht zuletzt Entwicklungen aus der vergangenen Woche. In den kommenden Jahren sollen bei der BPW Bergische Achsen, einem der größten Unternehmen im Kreis, rund einhundert Stellen abgebaut werden. Und auch der Automobilzulieferer Bosch hat vor einigen Tagen angekündigt, 13.000 Stellen an deutschen Standorten streichen zu wollen. Bei der IG-Metall blickt man besorgt auf die wirtschaftliche Situation in Oberberg (OA berichtete). Doch da sei es gerade jetzt wichtig, der Entwicklung etwas entgegenzusetzen – nicht nur auf Bundesebene, sondern auch vor Ort auf Kreisebene. Davon ist Kreisdirektor Klaus Grootens überzeugt.
„Wir haben im Kreis viele tolle Institutionen und Einrichtungen, die jedenfalls ein Stück weit helfen können, den Unternehmen den aktuell steinigen Weg etwas zu erleichtern“, sagte Grootens vergangenen Freitag im Steinmüller Bildungszentrum (SBZ) in Gummersbach, wo zum ersten Mal seit 2019 wieder ein „Tag der offenen Tür“ veranstaltet worden ist. Ob Ausbilder, Auszubildende oder auch Schüler: gemeinsam haben sie im SBZ ein Programm zusammengestellt, um das Steinmüller Bildungszentrum mit seinen unterschiedlichen Bereichen vorzustellen. Und so wurden auch verschiedene Praxisvorführungen geboten wie etwa zum Schweißen, zur Mechatronik und Elektrotechnik oder auch zum Technischen Produktdesign.
Im SBZ herrscht derzeit Aufbruchsstimmung. Vor rund zweieinhalb Monaten hat Dr. Hans Marenbach die Geschäftsführung des Bildungszentrums von Ortrun Zipperlin übernommen. Darüber hinaus hat der Oberbergische Kreis sein Engagement beim SBZ erhöht und ist seit einigen Wochen – nachdem die Stadt Gummersbach als Gesellschafter ausgestiegen ist – als Hauptgesellschafter mit an Bord. „Und das aus gutem Grund. Die Unternehmen benötigen weiter gut qualifizierte Fachkräfte, um sich den Herausforderungen der Zeit zu stellen, um neue Produkte zu entwickeln, zu fertigen oder zu warten“, sagte Grootens. Nicht zuletzt gehe es dabei um möglichst effiziente Prozesse, Ressourcenschonung und Innovationsförderung, um kluge Köpfe und auch darum, sich auf veränderte Rahmenbedingungen einzustellen.
„Investitionen sind gerade jetzt wichtig und richtig“, sagte der Kreisdirektor – mit dem Ziel, die Unternehmen im Oberbergischen weiter nach vorne zu bringen. Und auch in das SBZ wurde in den vergangenen Monaten investiert. „Sämtliche technische Anlagen, Maschinen und Lehrmittel sind in den letzten zwölf Monaten auf den neusten Stand gebracht worden“, sagte Dr. Hans Marenbach. Rund 4,2 Millionen Euro seien seit Mitte 2024 in das Bildungszentrum investiert worden. So seien auch Anschaffungen wie computergesteuerte Fräsen und moderne Schweißkabinen möglich gewesen. Finanziert wurde der neue Maschinenpool laut Marenbach mit Fördermitteln des Landes und auch mit Unterstützung der Stoltenberg-Lerche-Stiftung.
„Viele kleine und mittelständische Unternehmen in der Region brauchen die Fachkräfte, die wir hier ausbilden“, sagte der neue Geschäftsführer. Und mit Blick auf die Babyboomer, die in den kommenden Jahren aus dem Arbeitsleben aussteigen werden, sagte er, dass die großen Unternehmen die Anzahl ihrer Ausbildungen verdoppeln müssten, um die Ausstiege kompensieren zu können. Auch die Weiterbildung sei wichtig, betonte Grootens. Denn „die Welt dreht sich schnell weiter. Das sieht man bei der E-Mobilität als eine Herausforderung der aktuellen Zeit.“ Und auch die Verteidigungswirtschaft sei ein wichtiges Thema.
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[Beim „Tag der offenen Tür“ wurden auch Praxisvorführungen geboten.]
Derzeit werden am Steinmüller Bildungszentrum rund 50 Lernende gezählt. Bei etwa der Hälfte handele es sich um Umschüler, die anderen würden eine sogenannte Verbundausbildung machen. „Damit sind wir deutlich unterausgelastet. Wir können und wollen mehr“, machte Marenbach klar. Geboten wird laut Holger Stoltenberg-Lerche von der gleichnamigen Stiftung auch Deutschunterricht als Fremdsprache für B1 und B2. „Das befähigt auch dazu, eine Ausbildung machen zu können, denn dafür braucht man B2“, sagte Stoltenberg-Lerche. Und wer noch keinen Ausbildungsplatz gefunden hat, kann vielleicht beim SBZ fündig werden. Ein Einstieg sei noch möglich.
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