LOKALMIX

Auch nach dem CSD: Mehr als nur ein offenes Ohr für die queere Community

lw; 16.07.2026, 18:00 Uhr
Foto: Lars Weber --- Freuen sich, dass Caya nun am Start ist (v.li.): Fabian Schürholz (VSB), Heike Brand (Leader), das Caya-Team Benno Triller und Marie Brück, Heidrun Schmeis-Noack (stellvertretende Landrätin) sowie Imke Heller (blick*).
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Auch nach dem CSD: Mehr als nur ein offenes Ohr für die queere Community

lw; 16.07.2026, 18:00 Uhr
Waldbröl – Das Projekt Caya ist als neue Anlauf- und Beratungsstelle an den Start gegangen – Schon jetzt eine große Resonanz – Leader fördert das Angebot mit mehr als 134.000 Euro.

Von Lars Weber

 

Offiziell gestartet ist das Leader-Projekt Caya, was für „Come as you are“ steht, zwar im Mai. Seitdem sind Marie Brück und Benno Triller beim Bildungs- und Sozialträger VSB angestellt. Allerdings: Angeschoben wird das Projekt für Austausch, Beratung und Vernetzung in und außerhalb der LSBTIAQ*-Community schon davor. Bereits bei der Organisation des ersten CSD in Oberberg überhaupt wirkten Brück und Triller mit, erzählen von dem neuen Angebot. Das spricht sich rum, das Netzwerk wächst vor dem eigentlichen Start. So hat auch schon der CSD nicht nur farbenfroh und laut gezeigt, dass die Community im ländlichen Raum vertreten ist, sondern auch, dass queere Menschen Anlaufstellen benötigen.

 

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Und genau solch eine Anlaufstelle möchte Caya sein – in der Ausrichtung leistet sie damit auch Pionierarbeit, wie Benno Triller am Donnerstag bei der Vorstellung des Projekts in den Räumen des VSB in der Industriestraße sagte. Caya soll ein Ort des Austauschs sein, der Beratung und der Vernetzung und damit einen geschützten Raum bieten für queere Menschen, ihnen Nahestehende und Unterstützer. Denn, das weiß Marie Brück aus eigener Erfahrung, viele jungen queeren Personen stehen im ländlichen Raum allein da. Als die 52-jährige Trans-Frau sich vor Jahren outete, habe man ihr geraten, in die Großstadt zu ziehen. „Ich habe mich damals bewusst dazu entschieden, zu bleiben.“ Sie nimmt sich vor, Sichtbarkeit zu erzeugen, die Gesellschaft zu sensibilisieren, unter anderen in ihrer Funktion als gewählte Kreistagsabgeordnete oder Sprecherin der Grünen Oberberg. Und jetzt im Team mit Benno Triller bei Caya: „Die Kids sollen es einfacher haben in Phasen, wo sie Orientierung brauchen“, sagt Brück.

 

Ansprechen möchte Caya zuvorderst junge Menschen. Brück und Triller bieten zum Beispiel Beratungen an. Beide sind zwar geschult, es gehe ihnen aber zunächst darum, zuzuhören. „Wir möchten erkennen, was unsere Hilfesuchenden brauchen.“ Einfach nur ein Gespräch, eine fachliche Beratung oder therapeutische Hilfe? Um die richtigen Gesprächspartner parat zu haben, gibt es das Netzwerk, das das Team dann anzapfen kann. Caya soll aber mehr sein, als im sicheren, anonymen Raum darüber reden zu können, über das man vielleicht zu Hause oder in der Schule sich nicht zu sprechen traut. Spaß soll und muss unbedingt dazugehören. Demensprechend sind Freizeitangebote, gemeinsame Workshops (siehe Kasten), Vorträge oder Fahrten geplant. Bald soll es zum Beispiel auch Selbstverteidigungskurse geben.

 

Der erste Workshop
 

Im Caya-Workshop „Queere Perspektiven auf die Klimakrise“ am Samstag, 25. Juli, von 12 bis 17 Uhr in der Industriestraße 5 in Waldbröl wird es nicht um klassische Umweltpolitik und auch nicht um fertige Antworten zur Klimakrise gehen. „Es geht um Perspektiven: darauf, wie wir Natur erleben, wie wir über Natürlichkeit sprechen, was Klimakrise mit Gefühlen, Körpern, Zukunft und Leben auf dem Land macht – und wo queere Erfahrungen darin sichtbar werden“, heißt es in der Ankündigung. Begleiten wird den Workshop Karolina Heck, die in Soziologie in Berlin promoviert. Im Rahmen der Doktorarbeit findet auch der Workshop statt, das Gespräch wird zu diesem Zwecke aufgezeichnet. Anmeldungen sind per E-Mail möglich. Hier gibt es den Flyer.

 

Brück und Triller bieten darüber hinaus auch Beratungen an Schulen, Jugendzentren oder anderen sozialen Einrichtungen an. Caya sei ein offenes Angebot, dementsprechend sind alle willkommen. Auch Lehrerinnen und Lehrer sowie Eltern können sich an sie wenden. Unsicherheiten, Ängste, Sorgen, bei Caya gibt es keine Tabuthemen.

 

 

Sehr dankbar zeigten sich Brück und Triller, aber auch Fabian Schürholz vom VSB, dass sie mit der Leader-Region Oberberg „1.000 Dörfer – eine Zukunft“ ein (von der EU und dem Land NRW gefördertes) Programm gefunden haben, das bei Caya für zunächst zwei Jahre 70 Prozent der Gesamtkosten übernimmt (134.600 von 192.300 Euro). „Die Resonanz und die Zahl der Anfragen zeigen bereits: Der Bedarf ist da“, sagt Schürholz. Leader-Regionalmanagerin Heike Brand freut sich, das Spektrum an sozialen Projekten, die Leader fördert, um diesen Ansatz erweitert zu haben. Caya habe dabei Pilotcharakter für den ländlichen Raum.

 

Schon früh das Projekt begleitet hat auch die Landesfachstelle blick*, von der Imke Heller den Weg nach Waldbröl gemacht hatte. Blick* verfolge das Ziel, queere Strukturen im ländlichen Raum zu stärken, zum Beispiel mit der Sticker-Kampagne „Respect!“. In den Räumen von Caya ist zudem aktuell die Wanderausstellung „Feldwege zum Coming Out“ zu sehen, die auch kostenfrei ausgeliehen werden kann. Gerade Kinder und Jugendliche hielten ihre Identität während der Schulzeit nicht selten zurück und ziehen danach in die großen Städte. „Wir wollen zeigen und dabei unterstützen, dass das nicht nötig ist. Weil viele würden eigentlich gerne auf dem Land bleiben.“ Einen Initiator wie Caya mit einem Ort, wo man sich treffen kann, sei da essenziell.

 

Kontakt zu Caya gibt es über die Homepage. Dort gibt es auch viele weitere Informationen, auch zu der Wanderausstellung.

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