LOKALMIX
Aggertalhöhle: Vom braunen Loch zum leuchtenden Schwan
Engelskirchen – Renaturierung und Reinigung der Aggertalhöhle – Installation eines modernen Beleuchtungssystems lässt Naturwunder in neuem Glanz erstrahlen – LEADER-Projekt mit fast 170.000 Euro gefördert.
Von Peter Notbohm
Die Aggertalhöhle erstrahlt in neuem Glanz. Engelskirchens Bürgermeister Dr. Gero Karthaus stellte der Öffentlichkeit am heutigen Montag mit großer Freude die Ergebnisse des LEADER-Projektes „Inwertsetzung der Aggertalhöhle“ vor. Neben der Renaturierung und der Reinigung der Schauhöhle und des Bereiches Schatzkammer wurde auch ein neues energieeffizientes und effektvolles Beleuchtungssystem in der gesamten Höhle installiert. Hierdurch werden die Schätze der Höhle völlig neu und modern in Szene gesetzt.
„Die Höhle hatte Mensch. Das hat Spuren hinterlassen und war unansehnlich“, scherzt Stefan Voigt (Foto), Höhlenforscher vom Arbeitskreis Kluterthöhle. Da das Windloch der Öffentlichkeit nicht zugänglich gemacht werden kann, entstand die Idee den Besuchern in der Aggertalhöhle künftig die visuelle Fiktion einer Windlochbefahrung zu bieten. Zunächst musste aber der Dreck aus knapp 200 Jahren entfernt werden: Patina und Fackelrückstände hatten ganze Arbeit geleistet. Voigt war selbst überrascht von den Ergebnissen, die nach der Säuberung zu sehen waren. „Es bestand durchaus die Gefahr, dass wir nur braune Sauce unter der Schicht finden“, erklärt er. Stattdessen kam aber ein grandioses Relief aus Erdschichten und teils riesigen Korallenfossilien zum Vorschein und machte die Höhle zum leuchtenden Schwan.
Um die bis zu 360 Millionen Jahre alten versteinerten Strukturen in Szene zu setzen, wurde Cave Light beauftragt. Die Firma hat sich weltweit auf die Ausleuchtung von Höhlen spezialisiert. Insgesamt 370 Leuchten wurden angebracht, zudem drei Kilometer Kabel sowie anderthalb Kilometer Schutzrohre verlegt. Außerdem wurde eine kleine Lichtshow, die für größere Besuchergruppen abgespielt wird, installiert. Die Fledermäuse, die sich ab November für ihren Winterschlaf in die Höhle zurückziehen, werden nicht gestört. Zum einen bevorzugen die Tiere ohnehin dunkle abgelegene Spalten, zum anderen kann das neue Lichtsystem - im Gegensatz zum alten - nach jeder Führung sofort wieder ausgeschaltet werden und brennt nicht dauerhaft durch.
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Die Aggertalhöhle
Die Aggertalhöhle wurde im 18 Jahrhundert durch Zufall nach dem Unfall eines Waldarbeiters entdeckt. Sie war knapp 100 Jahre in Privatbesitz, ehe sie in das Eigentum der damaligen Gemeinde Ründeroth überging. Seit 1930 ist sie für Publikumsverkehr geöffnet, seit 1995 wird die Höhle wissenschaftlich betreut. Ihr Alter wird auf 350 bis 390 Millionen Jahre geschätzt. Dr.-Ing. Sylvia-Kathrin Tanneberger, eine der Höhlenführerinnen, bezeichnet sie als begehbares Geschichtsbuch, das durch das neue Beleuchtungssystem im 21. Jahrhundert angekommen sei. Die Höhle ist 1071 Meter lang und verfügt über 270 Meter Führungsweg. Für die Renatuierung wurden sogar 150 Meter zurückgebaut. Besucher dringen bis zu neun Meter unter die Erde ein, ihren tiefsten Punkt hat sie 21 Meter unter der Erdoberfläche.
Dr. Gero Karthaus hofft, dass die Inwertsetzung der Aggertalhöhle nur der erste Schritt zum künftigen Höhlenerlebniszentrum ist: „Diese versteinerten Strukturen freizulegen ist sensationell. Wir haben hier einen echten Mehrwert und hoffen, weitere Fördermittel des Landes einwerben zu können.“ Die LEADER-Förderung für das aktuelle Projekt beträgt 169.760,20 Euro, das Gesamtvolumen liegt bei 261.169,55 Euro. „Als wir den Antrag für dieses Projekt auf dem Tisch hatten, kam echte Begeisterung bei uns auf“, sagt Frank Herhaus, Vorsitzender des Trägervereins der LEADER-Region Oberberg. Mit der Umsetzung werden die Ziele des Handlungfeld 2 „Regionale Attraktivität“ sowie des Handlungsfeld 1 „Lernen in der Region“ der LEADER-Region Oberberg erfüllt. Für die nächste Förderperiode beim NRW-Ministerium werden bereits die Anträge erarbeitet. „Wir sind zuversichtlich uns wieder erfolgreich zu bewerben“, so Herhaus.
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[Das neue Beleuchtungssystem arbeitet viel mit indirektem Licht.]
Bis zum 2. November haben Besucher noch die Gelegenheit, die neu freigelegten Schätze der Höhle zu erforschen, anschließend schließt sie für den Publikumsverkehr bis zum 31. März kommenden Jahres. Am 30. und 31. Oktober gibt es spezielle Halloween-Führungen. Bürgermeister Karthaus kündigte zudem an, die Maskenpflicht für das Höhlensystem aufzuheben.
LEADER-Projekte
Insgesamt 42 LEADER-Projekte im Oberbergischen sind vom erweiterten Vorstand als förderungswürdig ausgewählt worden. 38 von ihnen wurden von der Bezirksregierung bereits bewilligt. Zwei Projekte befinden sich momentan in der Prüfung, zwei bereiten ihre Förderanträge vor. Insgesamt beträgt die Gesamtfördersumme der LEADER-Region 3,3 Millionen Euro. 2021 konnten 18 Kleinprojekte für eine Förderung durch das Regionalbudget ausgewählt werden. Hier wurden Sozialprojekte, Gartenprojekte, Anschaffungen diverser Sport- und Ortsvereine etc. mit insgesamt fast 200.000 Euro gefördert.
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