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Über Hitler und die NS-Zeit: Auf den Spuren der Vergangenheit
Gummersbach – Stadtarchivar Manfred Huppertz bietet mit „Gummersbach 1933-1945“ eine neue Führung zum Thema Nationalsozialismus an.
Wenn man in der Schule, mittels Büchern oder auch Dokumentationen etwas über die Zeit des Nationalsozialismus in Deutschland erfährt, dann hat das oftmals Bezug zu Schauplätzen in Berlin, München oder Nürnberg, vielleicht auch noch Köln. Was dabei fehlt, ist das Wissen darüber, was damals vor der eigenen Haustür, in der eigenen Nachbarschaft, in der eigenen Heimatstadt passiert ist. So ging es auch Manfred Huppertz, der in der Region verwurzelt und seit 2019 Stadtarchivar in Gummersbach ist. Umso größer war seine Motivation, Licht ins Dunkel zu bringen und herauszufinden, was zur Zeit des Nationalsozialismus in Gummersbach und im Oberbergischen passiert ist.
[Manfred Huppertz hat über den Besuch von Adolf Hitler auf dem Gummersbacher Steinberg gesprochen.]
Seit einiger Zeit bietet Manfred Huppertz im Rahmen des Programms der VHS Gummersbach thematische Führungen durch die Stadt an. Über die Jahre hinweg hat er aber auch immer wieder zur Zeit des Nationalsozialismus in Gummersbach und Umgebung recherchiert. Was er dabei erfahren hat, teilt Huppertz nun in seiner neuen Stadtführung „Gummersbach 1933-1945“. Zum Auftakt der neuen Führung hat er gestern einen Rundgang mit Bürgermeister Raoul Halding-Hoppenheit, Jürgen Hefner, dem Ersten Beigeordneten, Kämmerer Maik Thiele sowie weiteren Mitarbeitenden der Verwaltung gemacht, bevor im Juli zwei öffentliche Termine stattfinden.
„Eigentlich muss man ein paar Jahre oder Jahrzehnte eher beginnen, am Ende des Ersten Weltkriegs“, sagte Huppertz mit Blick auf eine bessere Einordnung in die Geschichte. Kaiser Wilhelm II. dankte ab, die Weimarer Republik wurde ausgerufen, es herrschte wirtschaftliche Not, und die Soldaten kamen aus einem Krieg zurück, in dem sie für einen Staat gekämpft hatten, den es nicht mehr gab. „Sie haben ihre Heimat nicht mehr wiedererkannt“, sagte Huppertz an der ersten Station der Führung, dem Jahn-Denkmal im Hexenbusch, das der Gummersbacher Turnverein (GTV), ein Vorläufer des heutigen VfL Gummersbach, zu seinem 50-jährigen Bestehen der Stadt gestiftet hatte.
[Im einstigen Evangelischen Gemeindehaus hat eine Kundgebung der Nationalsozialisten stattgefunden.]
Einer der Soldaten war Bruno Friedrichs aus Derschlag. „Er war nationalistisch und antisemitisch eingestellt“, sagte Huppertz. Friedrichs ist später in die NSDAP, die Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei, eingetreten. Im GTV stieß er auf Gleichgesinnte. Die ersten Mitglieder, die die NSDAP in Gummersbach hatte, seien allesamt Mitglieder des GTV gewesen. „Das heißt nicht, dass alle im GTV so waren, aber der Verein war wohl ein Sammelbecken“, erklärte Huppertz. Im April 1923 sei dann die Gummersbacher Ortsgruppe der NSDAP gegründet worden.
Am ehemaligen Evangelischen Gemeindehaus angekommen, sprach der Archivar über die Entwicklung der Partei, die sie in Gummersbach genommen hatte. 1924 seien mit Bruno Friedrichs und Wilhelm Lenz erstmals zwei Mitglieder der NSDAP in den Stadtrat gewählt worden; 1929 seien weitere dazugekommen – und im März 1933 sei die Partei mit elf Mitgliedern im Stadtrat vertreten gewesen. Als Adolf Hitler zum Reichskanzler ernannt worden war, wurden auf den Bergen in der Innenstadt Freudenfeuer entfacht. Eine Woche später sind – trotz schlechten Wetters – rund 400 Leute bei einem Fackelzug durch die Stadt gezogen. „Die NSDAP hat es danach innerhalb von einem halben Jahr geschafft, die Demokratie abzuschaffen“, erzählte Huppertz.
Weiter ging es Richtung Fußgängerzone. Über die Kaiserstraße, den Lindenplatz und die Hindenburgstraße führte Huppertz die Gruppe zum Bahnhof, wo man noch heute einen Blick in die Luftschutzstollen werfen kann, die im Zweiten Weltkrieg gebaut worden sind. Danach ging es weiter zur Seßmarstraße, wo vor der Hausnummer 5 fünf Stolpersteine verlegt worden sind, die an Dr. Alfred Simons und dessen Familie erinnern (Bild).
Am Lindenplatz hatte Dr. Simons seine Arztpraxis. 1930 war er nach Gummersbach gekommen – und der einzige Kinderarzt im Oberbergischen. Seine Frau Dr. Sophie Simons hat auch Medizin studiert – und war die erste weibliche Ärztin im Oberbergischen. Alfred war jüdisch, seine Frau allerdings nicht. Trotzdem wurde den beiden das Leben in Gummersbach zunehmend schwerer gemacht, sodass sie zusammen mit ihrem Sohn Klaus aus der Stadt flüchteten und letztlich nach Australien auswanderten.
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[Manfred Huppertz hält ein Foto von Dr. Alfred Simons, dessen Frau Dr. Sophie Simons und dem gemeinsamen Sohn Klaus in den Händen, die einst in dem Haus in der Seßmarstraße 5 lebten.]
Manfred Huppertz hat viele Geschichten aus der damaligen Zeit zu erzählen. Immer wieder macht er auf dem Rundgang Halt, zeigt Fotos, liest aus Zeitungsberichten vor und erzählt – so auch über Adolf Hitler, der Gummersbach am 31. Oktober 1932 besucht hatte, über die Bomben, die über der Stadt abgeworfen wurden, die Reichspogromnacht, die Kriegsgefangenen, Ostarbeiter und Zwangsarbeiter, die damals in oberbergischen Betrieben arbeiteten – darunter rund 2.000 Zwangsarbeiter, die bei Steinmüller tätig waren, und die zahlreichen Opfer, von denen nur ein Teil jüdisch war.
Seit November ist Manfred Huppertz zu diesem Thema schon mit den Schülerinnen und Schülern der 10. Klasse des Lindengymnasiums sowie der 9. Klasse der Realschule Steinberg durch die Innenstadt gegangen. Weitere Führungen dazu hat er auch schon mit Polizistinnen und Polizisten gemacht. So habe die Polizei die NS-Führung mittlerweile als Fortbildung zur sogenannten Extremismusresilienz aufgenommen. Im Juli finden nun erstmals zwei öffentliche Führungen statt: am Donnerstag, 2. Juli, und am Samstag, 11. Juli. Die Teilnahme kostet 7 Euro, für Kinder bis 12 Jahren sind 3 Euro zu zahlen. Weitere Informationen sind hier auf der Website der VHS Gummersbach zu finden.
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