LOKALMIX

Maskenpflicht in Schulen: „Nicht schön“ - „lästig“ - „alternativlos“

ls, lw; 06.08.2020, 15:32 Uhr
Fotos: Leif Schmittgen.
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Maskenpflicht in Schulen: „Nicht schön“ - „lästig“ - „alternativlos“

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ls, lw; 06.08.2020, 15:32 Uhr
Oberberg – Einrichtungen bereiten sich auf den Schulstart kommende Woche vor – Vorgaben des Landes große Herausforderung für Lehrer sowie Kinder und Jugendliche.

Von Leif Schmittgen und Lars Weber

 

Maskenpflicht auch auf den Sitzplätzen für Schüler ab Klasse 5, notwendige Durchlüftung in jedem genutzten Raum, wenn möglich eine Entzerrung beim Gedränge zu Beginn eines Schultages: Die Maßnahmen, Vorgaben und Hinweise, die NRW-Bildungsministerin Yvonne Gebauer (FDP) am Montag den Bildungseinrichtungen in einem umfassenden Konzept mitteilte, hatten es in sich. Gerade mit der bereits im Vorfeld diskutierten Maskenpflicht auch in den Klassen während des Unterrichts reagiert das Ministerium auf die steigende Zahl der Neuinfektionen. OA hat mit einigen Schulen über den Start gesprochen.

 

Maskenpflicht

 

Claudia Deichsel, Konrektorin der Hermann-Voss-Realschule in Wipperfürth, hätte sich die Ansagen des Ministeriums zwar etwas früher als eineinhalb Wochen vor Schulbeginn gewünscht, unterstützt sie aber gerade im Hinblick auf die Maskenpflicht. „Besser ein Präsenzunterricht mit Maske, als ein Distanzunterricht ohne Maske.“ Nur so sei der Kontakt zueinander wieder da, auch wenn es bestimmt nicht schön sei, den Schutz über mehrere Stunden und bei heißem Wetter zu tragen. Auch Frank Bohlscheid, Leiter des Hollenberg-Gymnasiums in Waldbröl, sieht keine Alternative zu den Masken im Regelbetrieb, auch wenn sie lästig seien. Er glaubt, dass die Maskenpflicht zum Prüfstein werden wird. Das gelte für die Kontrolle der Einhaltung, aber vor allem für die Auswirkungen im Alltag. „Wir müssen schauen: Wie ist das für die Schüler, wie kommen sie klar?“ An der Gesamtschule in Derschlag werden laut Schulleiter Ingolf Weber auch die Lehrer ständig ihren Mundschutz tragen. „Es ist zwar noch nicht einwandfrei nachgewiesen, wie man das Virus eindämmen kann. Man muss aber jede Möglichkeit zur Eindämmung nutzen.“

 

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Personal

 

Etwa 15 Prozent der Derschlager Lehrer unterrichtet die Schüler aus den eigenen vier Wänden, sie gehören zur Risikogruppe. Hier freut sich Ingolf Weber, dass sein Haus über eine hervorragende digitale Ausstattung verfügt. Einige Jahrgangsstufen wurden dank eines Pilotprojekts mit Tablets ausgestattet und die zuhause bleibenden Lehrer erscheinen dank Beamern virtuell auf einer Leinwand in den Klassenzimmern. An der Realschule in Wipperfürth kann Claudia Deichsel fast aus dem Vollen schöpfen. Ein Kollege unterrichtet von Zuhause, unabhängig von Corona konnte die Schule zusätzlich eine weitere Lehrkraft einstellen. In Waldbröl ist noch nicht raus, wie viele Kollegen daheim bleiben werden. Bohlscheid ist aber nicht bange, dass dadurch viel Unterricht ausfallen wird. Verstärkungen im personellen Bereich, wie sie vor der Sommerpause einmal aus Düsseldorf angekündigt wurden, gab es bei keiner der befragten Schulen.

 

Entzerrter Unterrichtsbeginn

 

Auf die Schnelle sei beim Busbetrieb keine Veränderung möglich, so Bohlscheid und Deichsel. So wird zum einen auf die Disziplin der Schüler gesetzt, die Mindestabstände und auch die Maskenpflicht einhalten müssen. Zum anderen gibt es zum Beispiel an der Hermann-Voss-Realschule die Möglichkeit, verschiedene Eingänge zu nutzen und so die Schülerströme etwas zu lenken. Auch in Derschlag wird es ebenso wenig zeitversetzten Unterricht geben wie gestaffelte Pausen. „Wir haben viel Platz und verstärken die Aufsichten, die auf die Einhaltung des Mindestabstands achten werden.“ Nur während der Mittagspause werden die Schüler aufgrund der Mensaverpflegung in verschiedene Gruppen eingeteilt.

 

[Platz ist in der Derschlager Gesamtschule kein Problem.]

 

Lüftung in den Räumen

 

Dass laut Verordnung nicht lüftbare Räume freibleiben müssen, stört Weber nicht. Die fensterlosen Naturwissenschaftsräume verfügen über moderne Umwälzanlagen und sorgen somit ausreichend für „frischen Wind“ während des Unterrichts. „Zwei Räume dürfen wir nicht nutzen, Ersatz ist aber bereits gefunden“, berichtet der Schulleiter. In Wipperfürth gebe es nur wenige kritische Räume, allerdings wird die Realschule vom Lehrerraumprinzip (Schüler kommen zu den Lehrern) auf das klassische Klassenraumprinzip (Lehrer kommen zu den Schülern) umstellen. So müssen weniger Schüler durch die Gebäude marschieren und es würden weniger Räume benötigt. Kein Problem stellt das Lüften auch in Waldbröl am Gymnasium dar. Allerdings fragt sich Bohlscheid, was mit der Regelung im Herbst und Winter passiert, wenn es draußen immer kälter wird.

 

Rückkehr zum Regelbetrieb

 

Alle drei Verantwortlichen freuen sich, dass es wieder losgeht und die Schüler in die Einrichtungen zurückkehren. „Viele haben den direkten Kontakt vermisst“, sagt Bohlscheid. Die Zeit nach dem Lockdown gelte es nun aufzuarbeiten. „Wir wollen jetzt wieder Kontinuität reinbringen und schauen, wo jeder einzelne Schüler steht, wo es Lücken gibt, wie wir helfen können“, so der Schulleiter weiter. „Dafür müssen wir uns Zeit nehmen“, sagt auch Claudia Deichsel. Es müssen Fördermöglichkeiten entwickelt und angeboten werden.

KOMMENTARE

1

Unglaublich diese Vorgaben, ein solches Konzept können auch nur Leute entwickeln die überhaupt keine Ahnung haben. Mal abwarten was hier und da passiert bei den Temperaturen bis die ersten flach liegen. Da hilft auch kein Lüften in den Klassenräumen was wenn nur heisse Luft rein bläst.

Thomas, 06.08.2020, 15:45 Uhr
2

[...] Ganz einfache Alternative in dem Fall ist keine Maskenpflicht an/in Schulen, wie z.B. in Ländern wie Finnland und Schweden!
Übertriebener Alarmismus ist der richtige Begriff für das was hier bald abgeht!

Jürgen Geldmacher, 06.08.2020, 15:57 Uhr
3

[...] Erst mal das eigene "Gehirn" einschalten.

W. R., 06.08.2020, 16:50 Uhr
4

Dass das Maskentragen über 6-7 Stunden medizinisch zu anderen Problemen führt, ist bekannt und offensichtlich allen egal. Es geht der Politik darum, von den eigenen Unzulänglichkeiten abzulenken. Kein Konzept zu haben, jahrelang zu wenig Lehrer ausgebildet und eingestellt zu haben und baulich keine ausreichenden Schulgebäude zu besitzen, geschweige renoviert zu haben. Deshalb müssen die Kinder es ausbaden!
Man fragt sich doch, warum Kinder dauerhaft die Masken tragen müssen, obwohl sie angeblich weniger als Überträger in Frage kommen und Erwachsene in Großbetrieben/Großbüros etc. nicht?
Wie gesagt, reines Ablenkungsmanöver und politische Profilierung, denn außerhalb des Schulhofes treffen sich eh die Kinder ohne Maske, was auch erlaubt ist und auch alle wissen.

Vater von Schulkindern, 06.08.2020, 17:20 Uhr
5

Umluftanlagen sind Virenverteiler ersten Ranges. Schulen, die "(z.B. für "nicht lüftbare Naturwissenschaftsräume) darauf bauen, sollten schnellstens und ernsthaft ihre Filtersysteme überprüfen lassen!

wurzelhexe, 06.08.2020, 18:08 Uhr
6

Also eines muss ich mal loswerden. Es nervt absolut, wenn stetig sofort rumgeheult wird, wegen den armen Kinderchen. Liebe Leute, wir haben eine globale Pandemie am laufen, die uns ALLEN [...] abverlangt, ein gewisses Maß an Disziplin und Verantwortung anderen gegenüber an den Tag zu legen.[...] Unterrichtszeiten sind zu lang, mal 20 Min. auf den Bus warten müssen ist auch ein "No go" und Maskenpflicht? [...] Was sagt denn ein Arzt oder die Sprechstundenhilfe oder die Pflegekraft im örtlichen Pflegeheim? [...]

Wie habe ich eigentlich meine Kindheit überlebt?, 07.08.2020, 10:22 Uhr
7

[...] Die Alternative wäre ganz einfach keine Maske im Unterricht zu tragen, wie woanders auch nicht (gefordert)!

Oliver, 07.08.2020, 10:23 Uhr
8

Manche haben es noch immer nicht begriffen!
Natürlich ist das Tragen der Masken lästig und unangenehm bietet jedoch einen relativen Schutz bzw. durch das Tragen schütze ich Andere.
Ist doch ganz einfach.
Leider denken immer mehr Leute nur an sich und ihre Befindlichkeiten.
Ich denke, es gibt Schlimmeres, als sich an die Vorgaben des Landes zu halten. Traurig, dass Dinge, die in den Zeiten einer Pandemie vorgeschrieben werden müssen, die eigentlich selbstverständlich sein sollten. Wenn auch nur zum Schutz der Anderen. [...]

Erzieherin, Mutter und solidarisch mit jenen, die vor Covid 19 geschützt werden müssen, 08.08.2020, 10:04 Uhr
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