LOKALMIX

„Die Brücke ist den Belastungen nicht gewachsen“

ks; 25.02.2026, 14:05 Uhr
Fotos: Lars Weber (1), Katharina Schmitz --- Die Wiehltalbrücke über der Wiehler Ortschaft Weiershagen.
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„Die Brücke ist den Belastungen nicht gewachsen“

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ks; 25.02.2026, 14:05 Uhr
Wiehl – Im Stadtteilhaus Drabenderhöhe hat zum ersten Mal eine Informationsveranstaltung zur maroden Wiehltalbrücke stattgefunden – Experten der Autobahn GmbH stellen aktuellen Stand vor – Planungen für Ersatzneubau noch am Anfang.

Schon auf dem Weg zum Stadtteilhaus Drabenderhöhe wurde am Montagabend deutlich, dass es voll werden dürfte. Auf Einladung der Stadt Wiehl hat dort zum ersten Mal eine Informationsveranstaltung zur maroden Wiehltalbrücke stattgefunden. Ob Menschen aus Weiershagen, die unter der Brücke leben, Speditionsunternehmer oder auch andere Betroffene: viele Interessierte waren zu der Veranstaltung gekommen. Ergänzend zu den 420 Stühlen, die im Zuschauerraum aufgereiht waren, mussten noch einige dazugestellt werden. „Die Zukunft der Wiehltalbrücke löst eine große Betroffenheit aus“, sagte Wiehls Bürgermeister Ulrich Stücker eingangs. „Betroffen sind wir alle – auf unterschiedliche Weise. Das betrifft die ganze Region und geht darüber hinaus. Und da kann man besser mit umgehen, wenn man den Sachstand kennt.“

 

Die Stadt Wiehl ist beim Neubau der Wiehltalbrücke nicht der Baulastträger. Umso größer war der Wunsch, dass zuständige Mitarbeiter der Autobahn GmbH für einen Austausch nach Wiehl kommen. Vor Ort waren unter anderem Willi Kolks, der Leiter der Außenstelle Köln, Detlef Epstein, Leiter des Konstruktiven Ingenieurbaus der Außenstelle Köln, Anja Estel, Leiterin des Kompetenzzentrums Verkehrszentrale Leverkusen, sowie Andreas Früh, Projektleiter des Geschäftsbereichs Planung der Außenstelle Köln. Gesprochen wurde dabei über den aktuellen Zustand der Brücke und die Maßnahmen, die ergriffen werden, „um sie noch etwas zu halten“, erklärte Kolks zu Beginn. Weitere Themen: „Das Szenario, von dem wir alle hoffen, dass es nicht eintritt: eine Vollsperrung und wie wir damit umgehen sowie der unausweichliche Ersatzneubau. Da stehen wir noch am Anfang der Planung.“

 

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Dass die 1971 fertiggestellte Talbrücke mit möglichst wenig Stahl gebaut worden ist, ist wohl heute ein gewisser Nachteil. „Darunter leiden wir jetzt etwas“, sagte Detlef Epstein. Er erklärte, welche Schäden es an der 750 Meter langen Brücke gibt, zeigte dazu anschauliche Fotos. Epstein sprach unter anderem über Risse an Schweißnähten sowie Ausbeulungen. Die Brücke weise eine Zustandsnote von 3,5 auf. „Das ist ehrlich gesagt ziemlich mies. Die Schäden sind vielfältig und sehr zahlreich.“ Pro Tag würden circa 50.000 Fahrzeuge über die Wiehltalbrücke fahren. Der Schwerlastverkehr macht davon 14 Prozent aus. Obwohl die Brücke für den genehmigungspflichtigen Schwerverkehr gesperrt ist und für den genehmigungsfreien Schwerverkehr ein Abstandsgebot von 50 Metern gilt, stellt man bei der Autobahn GmbH „massive Verstöße gegen die Straßenverkehrsordnung fest“, sagte Epstein. „Die Brücke ist den Belastungen nicht gewachsen.“

 

Nach wie vor sei die Autobahn GmbH mit den zwei Problemen konfrontiert, dass mit zu schweren Fahrzeugen über die Brücke gefahren werde und dass der Abstand dabei oftmals zu gering sei. „Da verursachen wenige großen Schaden“, sagte Anja Estel. Geplant ist deshalb, ergänzend zu den Messstellen auf der Brücke weitere sogenannte „Weigh-in-Motion-Anlagen“ vor den Anschlussstellen Gummersbach und Bielstein zu bauen. Diese sollen die LKW während der Fahrt messen und die Kennzeichen erfassen. Über jeweils drei LED-Tafeln sollen die Fahrer, die mit einem zu schweren Fahrzeug unterwegs sind, auf Deutsch und Englisch dazu aufgefordert werden, von der Autobahn abzufahren. „Das funktioniert erstmal ohne eine große Schrankenanlage“, sagte Estel. Die Anlagen sollen voraussichtlich im März oder April realisiert werden. Sollte auch das keine Wirkung haben, könnte ab diesem Sommer doch eine Sperranlage kommen.

 

[Die Informationsveranstaltung im Stadtteilhaus Drabenderhöhe wurde von weit über 400 Personen besucht.]

 

Darüber hinaus möchte die Autobahn GmbH auf den CB-Funk zurückgreifen. „Das ist ein altes System, das aber noch gerne von LKW-Fahrern genutzt wird“, erklärte Anja Estel. Über den CB-Funk können die Fahrer in acht verschiedenen Sprachen auf das bestehende Abstandsgebot aufmerksam gemacht werden. „Damit haben wir schon auf der A1 zwischen Leverkusen und Burscheid gute Erfahrungen gemacht.“ Unterm Strich seien das „zwei Maßnahmen, um Schlimmeres zu verhindern“. Doch auch falls der „Worst Case“ eintritt, also eine Vollsperrung oder Teilsperrung der Brücke, möchte die Autobahn GmbH vorbereitet sein. Dazu entwickelt sie zu zwölf Brücken im Rheinland ein Strategiepapier mit Handlungsempfehlungen; auch die Wiehltalbrücke gehört dazu. Unter anderem werden darin mögliche Umleitungsrouten erfasst. „In der Hoffnung, dass wir gut vorbereitet sind, es aber nicht brauchen“, sagte Estel. „Von diesem Szenario sind wir hier sehr weit entfernt. Die Vollsperrung ist aktuell kein Thema. Wenn, dann geht es um eine weitere Entlastung vom Schwerlastverkehr.“

 

Damit die Brücke noch einige Jahre genutzt werden kann, sind Instandhaltungsarbeiten nötig. Unter anderem sollen an auffällig deformierten Stegbereichen Beulen zurückgeformt und sogenannte Beulsteifen eingebaut werden. Außerdem soll die Brücke weiter verstärkt werden, so etwa durch Einbau zusätzlicher Tragwerkselemente. Für die Verstärkungs- und Instandsetzungsarbeiten ist ein Hängegerüst nötig, das außen an der Brücke montiert werden muss. „Wir haben noch minimale Lastreserven – und diese werden wir mit dem Hängegerüst weitgehend aufbrauchen“, erklärte Epstein. Für die Verstärkung der Brücke rechnet die Autobahn GmbH mit einem Zeitraum von etwa zwei Jahren. Ende 2028 sollen die Arbeiten abgeschlossen sein. Danach soll die Brücke möglichst wieder zweispurig befahren werden können.

 

Derzeit ist man bei der Autobahn GmbH mit der Grundlagenermittlung für den Ersatzneubau beschäftigt. Die Vorplanung soll europaweit ausgeschrieben werden. „Wir brauchen einen verlässlichen Partner auf Seiten der Planung“, betonte Andreas Früh. Hier gelte Qualität vor Schnelligkeit. Im Rahmen der Vorplanung soll die verträglichste Lösung, also die Vorzugslösung, gefunden werden. Sobald die Vorzugsvariante feststehe, sei auch klar, auf welcher Seite der bestehenden Brücke das erste Teilbauwerk der neuen Brücke gebaut werden soll. „Ich hoffe, dass wir im Laufe des nächsten Jahres die Vorzugsplanung vorstellen können“, so Früh. 2027 soll auch mit der Entwurfsplanung begonnen werde. Dafür seien mindestens zwei Jahre nötig. Danach könne mit dem Bau der neuen Brücke begonnen werden.

 

Zunächst soll ein Teilbauwerk realisiert werden. Dann soll die alte Brücke abgerissen werden – und danach soll das zweite Teilbauwerk geschaffen werden. Bei der Autobahn GmbH geht man davon aus, dass für den Bau der Brücke vier bis fünf Jahre realistisch seien. Der Verkehr soll währenddessen immer fließen können. Unklar ist auch noch, welche Grundstücke die Autobahn GmbH für die Bauarbeiten benötigt – temporär, aber auch dauerhaft. Bei einigen Grundstücken ist aber jetzt schon klar, dass sie definitiv benötigt werden. Der Prozess dazu habe bereits begonnen. „Die Kollegen sind dabei, mit den Betroffenen zu sprechen, um eine einvernehmliche Lösung zu finden“, sagte Früh. Auch bei der Veranstaltung waren einige Mitarbeiter der Autobahn GmbH vor Ort, um sich mit den Betroffenen austauschen zu können.

 

[Wiehls Bürgermeister Ulrich Stücker zusammen mit Willi Kolks, dem Leiter der Außenstelle Köln der Autobahn GmbH.]

 

Ergänzend zu den Experten der Autobahn GmbH waren mit Matthias Bergmann und Stefan Böhm auch zwei Mitarbeiter des Landesbetriebs Straßen.NRW zugegen. Die beiden informierten zu geplanten Sanierungsmaßnahmen im Bereich der Wiehltalbrücke. So sollen in diesem und im nächsten Jahr einige Umleitungsstrecken modernisiert werden. Aktuell ist geplant, mit der Sanierung der L336/L302 im Bereich Weiershagen mit Beginn der Osterferien zu starten. Insgesamt seien neun Stellen vorgesehen. Weitere Informationen dazu folgen.

 

Ulrich Stücker freute sich über die gelungene Veranstaltung. „Dass das Interesse so groß ist, habe ich nicht erahnen können. Ich merke, wie wichtig es ist, dass wir hier hinkommen“, sagte Willi Kolks, der Leiter der Außenstelle Köln. Und auch Detlef Epstein zeigte sich überwältigt vom großen Interesse an der Veranstaltung. „Wir sitzen vielleicht manchmal im Elfenbeinturm“, gab er zu. Wiehls Bürgermeister hofft auf weitere Termine dieser Art. „Das ist wichtig. Das sorgt für Akzeptanz“, betonte er abschließend.

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