LOKALMIX
175 Jahre Vieh- und Krammarkt: Neue Halle soll Zukunft sichern
Waldbröl – Zum großen Jubiläum gab es heute einen Festakt – Die neue Marktmeisterin wurde vorgestellt, der aktuelle gewürdigt – Symbolischer Spatenstich für das große Bauprojekt.
Von Lars Weber
Der Waldbröler Vieh- und Krammarkt ist in diesem Jahr 175 Jahre alt geworden. Was 1851 als reiner Viehmarkt begann, hat sich zu einem der traditionsreichsten Wochenmärkte in der Region entwickelt. Alle 14 Tage donnerstags zieht das Markttreiben Besucherinnen und Besucher sowie Händler aus der gesamten Region an. Heute war es wieder soweit – und es war ein besonderer Markt. Bei einem kleinen Festakt am Vormittag ist nicht nur das Jubiläum gefeiert worden. Es wurde zudem die neue Marktmeisterin Andrea Erbrecht-Winkels vorgestellt, die Günter Härting nach 44 Jahren ablösen wird. Und obendrauf wurde dort, wo einst die Markthalle stand, bevor sie 2022 abbrannte, der erste Spatenstich getätigt für jene multifunktionale Halle, mit der auch der Vieh- und Krammarkt in die Zukunft geführt werden soll.
Bürgerinnen und Bürger sowie Vertreter der Parteien und Fraktionen waren neben den Marktbesuchern gekommen, um dem beizuwohnen. Martin Finke, Geschäftsführer der Wir sind Waldbröl GmbH, die den Markt seit 2007 veranstaltet, sagte, dass der Markt zur DNA Waldbröls gehöre und die Stadt geprägt habe. Er blickte auf die Historie des Marktes zurück, die von Wandel geprägt gewesen sei: 1851 startete der Markt als reiner Viehmarkt, wurde aber bereits 1860 offiziell um den Krammarkt ergänzt. Der Viehhandel erlebte vor allem in den 1930er Jahren seine Blütezeit.
Die neue Halle
Nach dem Abriss der alten Halle entsteht ein moderner Neubau nach Entwürfen des Kölner Architekturbüros „form A“. Dieser wird nicht nur neues Zentrum des Marktes, sondern auch Heimat für die Marktverwaltung und die Touristinformation. In der Halle sollen darüber hinaus verschiedenste Veranstaltungen stattfinden. Baubeginn wird laut Fachbereichsleiter Jan Kiefer am 5. Oktober sein. Gestartet werde mit dem Rohbau, dann schließt sich der Holzbau an. Wenn alles nach Plan läuft, soll die Halle früh im Jahr 2028 in Betrieb gehen. Aktuell geht die Stadt von Kosten über 7,6 Millionen Euro aus, 60 Prozent davon werden gefördert.
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[Visualisierung: Club L 94.]
Auch bei der Neugestaltung des Marktplatzes laufen die Planungen auf Hochtouren, der Förderantrag soll – grünes Licht von der Politik vorausgesetzt - Ende Oktober gestellt werden. Kiefer hofft, dass die Stadt Mitte 2027 in die Umsetzung der Pläne gehen kann. Dann könnten beide Projekte zu ähnlichen Zeiten fertig werden. Das Kölner Planungsbüro „Club L94“ gestaltet den Platz im Zeichen des „Bergischen Dreiklangs“ um. Schattenspendende Grüninseln, ein neuer Spielplatz sowie historische Hufabdrücke im Pflaster verbinden Aufenthaltsqualität mit der Geschichte des Marktes.
Trotz kriegsbedingter Unterbrechungen, dem schrittweisen Rückgang des Großviehhandels und tiefgreifenden Einschnitten – wie der Corona-Pandemie sowie dem verheerenden Hallenbrand – sei der Markt ein fester Anker im gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Leben Waldbröls geblieben. Heute habe der Markt trotz des sich ändernden Kaufverhaltens, den Problemen der Händler bei der Nachfolgersuche oder hohen behördlichen Auflagen noch immer mit 60 Ständen weit mehr als andere Märkte in Deutschland. Hier liege der Durchschnitt bei etwa 20 Ständen.
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[Foto (oben): OBK --- Der Vieh- und Krammarkt im Jahr 1976 - und der Vieh- und Krammarkt heute (unten).]
„Wir feiern ein echtes Stück Waldbröl“, sagte Bürgermeisterin Larissa Weber bei ihrer Rede. Dieser sei mehr als nur die Summe seiner Stände. Klar, es geht ums Einkaufen, aber auch um den Plausch nebenher, um einen Treffpunkt, bei dem gefeilscht und gefachsimpelt werde. Das Motto der Feier sei nicht umsonst gewählt: Tradition trifft Zukunft. „Wir blicken mit Stolz zurück und mit Zuversicht nach vorne.“ Die Menschen – die Besucher, die Händler, alle Organisatoren und jene, die beim Auf- und Abbau helfen – hätten dafür gesorgt, dass es den Markt noch immer gebe. Sie haben gezeigt, was Gemeinschaft tragen kann. Dafür dankte die Bürgermeisterin. Jene Händler, die bereits länger als 30 Jahre dem Markt die Treue halten, wurden später am Vormittag noch extra ausgezeichnet.
Nach 44 Jahren: Marktmeister Günter Härting übergibt Staffelstab
Günter Härting ist gerade mal 32 Jahre alt, als er die Geschicke als Marktmeister übernimmt. Nun, 44 Jahre später, sei der Zeitpunkt gekommen, um den Staffelstab zu übergeben. „Du bist Teil der Geschichte“, sagte Bürgermeisterin Larissa Weber. 1.100 Märkte hat er begleitet, verpasst habe er keine zehn. Tausende Kilometer habe er im Laufe der Jahre auf dem Markt zurückgelegt, der Veranstaltungszeitraum alle 14 Tage seinen Lebensrhythmus bestimmt. „Sechs Amtsdirektoren beziehungsweise Bürgermeister habe ich verschlissen“, sagte er mit einem Lachen, nachdem er eine Urkunde und eine Medaille überreicht bekam. Der Begriff Marktmeister habe ihm dabei nie gefallen. „Ich bin auf einer Stufe mit den Händlern.“
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[Martin Finke (Wir sind Waldbröl, li.) und Bürgermeisterin Larissa Weber (re.) gemeinsam mit Günter Härting und Andrea Erbrecht-Winkels.]
Und diesen Rat im Umgang gibt Härting weiter an seine Nachfolgerin Andrea Erbrecht-Winkels. Die 46-Jährige ist echte Waldbrölerin und mit dem Markt aufgewachsen. Sie könne sich noch daran erinnern, wie sie als Kind aus der Grundschule Wiedenhof nach Hause über den Markt gelaufen ist. „Ich erinnere mich sogar noch an die Pferde auf dem Markt.“ Als Mitglied des Wir sind Waldbröl-Teams war sie wieder nah dran am Vieh- und Krammarkt. „Das Gefühl von früher kam wieder.“ Und so empfahl sie sich als Härting-Nachfolgerin. Als Krankheitsvertretung wurde sie ins kalte Wasser geworfen – und sei schnell mit allem warm geworden, so Finke. Anfang 2027 übernimmt sie von Härting, bis dahin möchte sie noch viel von ihrem erfahrenen Vorgänger lernen.
Auf der Vergangenheit ausruhen wolle man sich aber nicht. Mit der neuen multifunktionalen Halle werde als Markthallenersatz nun etwas Neues geschaffen. Dort wird nicht nur der Markt eine neue Heimat finden, es werde ein Ort des Austauschs werden. „Wir wollen die Kraft als Ort der Begegnung bewahren. Diese lassen sich nicht online kaufen.“ In einem weiteren Schritt wird auch der Marktplatz überarbeitet – unter anderem kommt dort ein Spielplatz hin. Indem Hufabdrücke im Pflaster zu sehen sein werden, würden auch die Spuren der Vergangenheit bewahrt.
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