LOKALES
Ein ganz besonderes Jubiläum für Friedhelm Schwirten
Lindlar – Bürgermeister Sven Engelmann hat Friedhelm Schwirten für 50 Dienstjahre bei der Gemeinde Lindlar geehrt.
Aus Lindlar, für Lindlar: das trifft wohl wirklich auf Friedhelm Schwirten zu. 1959 im einstigen Lindlarer Krankenhaus geboren, ist der 67-Jährige tief in der Gemeinde verwurzelt. Nach seinem Abschluss an der örtlichen Realschule hat Schwirten heute vor 50 Jahren, am 1. August 1976, im Lindlarer Rathaus mit seiner Ausbildung zum Verwaltungsfachangestellten begonnen – und die Verwaltung seither nie verlassen. 50 Jahre hat er für die Gemeinde gearbeitet – und wurde dafür nun von Bürgermeister Sven Engelmann geehrt. „Das ist sehr ungewöhnlich. Ein ganz erstaunlicher, dienstlicher Werdegang hier in Lindlar. Das gibt es so in dieser Form kein zweites Mal“, sagte der Bürgermeister bei einem Pressegespräch vor der Ehrung.
Friedhelm Schwirten lebt in Frielinghausen, wo er sein Elternhaus übernommen hat. „Meine Eltern hatten eine Schreinerei, und später kam noch ein Café dazu“, erzählte der Jubilar. Doch Schreiner zu werden, das war nichts für den jungen Friedhelm. „Ich bin Linkshänder mit eingeschränkten handwerklichen Geschicklichkeiten. Da habe ich kein Faible für“, meinte der 67-Jährige. Seine Mutter habe gesagt: „Der Junge muss ins Büro!“ Und für Friedhelm war klar, dass die Verwaltung das richtige ist – in Lindlar, und damit heimatnah. „Viele, die heute in der Lindlarer Verwaltung arbeiten, kommen ursprünglich nicht hier her“, sagte der Bürgermeister. „Bei Friedhelm Schwirten ist das anders.“ Ihn kennt man. Für viele ist er eine Ansprechperson, dem die Menschen vertrauen.
Zu Beginn skizzierte der Bürgermeister den Werdegang des heutigen Fachleiters – und dabei fiel ihm Folgendes auf: Als Schwirten 1979 seine Ausbildung bei der Gemeinde abschloss, wurde Engelmann erst geboren. Das Steueramt war nach dem Abschluss die erste Station für Schwirten. Ende 1980 wechselte er zum Sozialamt und sechs Jahre später zum Amt für Planung und Entwicklung. 1987 übernahm er die Leitung des Amtes für Wirtschaftsförderung und Fremdenverkehr, 1989 wurde er Leiter des Ordnungsamtes und 1993 Leiter des Amtes für Personenstandswesen. Heute ist er Leiter des Fachbereichs für „Feuerschutz, Friedhofs- und Personenstandswesen, Einwohnermeldeamt“ – und seit 33 Jahren als Standesbeamter tätig.
„Als 1989 die Mauer fiel, war ich frisch gebackener Leiter des Ordnungsamts“, erinnerte sich Schwirten. Zahlreiche Menschen haben nach dem Mauerfall die ehemalige DDR verlassen, ebenso wie andere Länder in Osteuropa. Einige von ihnen kamen nach Lindlar und mussten untergebracht werden. „Das kam über Nacht. Eine Blaupause gab es nicht. Wir haben improvisiert.“ Die Menschen seien in Hotels und der Jugendherberge untergekommen, später auch in Übergangsheimen. Dabei sah die Situation auf dem Wohnungsmarkt in den 1990er Jahren noch ganz anders aus als heute. „Damals gab es noch genug bezahlbaren Wohnraum“, sagte Schwirten mit Blick auf die Wohnraumbeschaffung. „Das war eine hochspannende und interessante Zeit.“ Involviert war er auch bei der Unterbringung der Menschen, die zur Zeit der Jugoslawienkriege nach Lindlar kamen. Erfahrungen, auf die er auch bei der Flüchtlingswelle 2015 zurückgreifen konnte.
Die Zeit im Ordnungsamt gehört für den 67-Jährigen mit zur schönsten Zeit seiner beruflichen Laufbahn. „Die Arbeit dort ist sehr facettenreich und lebendig. Man kann recht kreativ sein und muss Verwaltungsgeschick haben“, sagte Schwirten. Aber er erinnerte sich beispielsweise auch an den Brandschutzbedarfsplan mit seinen drei Fortschreibungen, die Flut im Sülztal vor fünf Jahren, den Orkan Kyrill, der 2007 über Deutschland und weite Teile Europas hinweggezogen ist und diverse Schäden verursacht hat, sowie an das Fahrrad-Event „Rund um Köln“, an dem er 25 Jahre lang mitgewirkt hat. Und ob Freunde, Bekannte oder auch deren Kinder: „Man verheiratet oft Leute, die man kennt. Wenn man die Leute kennt, ist es viel persönlicher“, erzählte der langjährige Standesbeamte.
Wie man arbeitet, hat sich in den vergangenen 50 Jahren merklich verändert. Angefangen hat Schwirten mit Schreib- und Diktiermaschine. „Mit der Zeit kamen Computer und Mails, jetzt die Künstliche Intelligenz. Das ist eine ganz andere Welt geworden“, sagte er. „Das hat alles Vor- und Nachteile. Aber für mich ist das persönliche Gespräch nach wie vor unerlässlich.“ Auf die Frage, was Lindlar ihm bedeute, antwortete der Jubilar: „Alles. Lindlar ist meine Heimat.“ Zwar fährt er auch mal gerne nach Köln, geht dort zum Beispiel ins Stadion oder in die Arena. Aber: „Ich bin sehr heimatverbunden. Lindlar ist für mich der Mittelpunkt – und wird es auch immer bleiben.“
Dass ein Kollege ein Dienstjubiläum von 50 Jahren feiert, ist Engelmann in seiner beruflichen Laufbahn zuvor nur einmal begegnet. „Das werde ich wohl nicht nochmal erleben“, sagte der Bürgermeister. Engelmann sprach darüber, dass die Jugendlichen heutzutage oft länger zur Schule gehen und Abitur machen, ein Studium an einer Fachhochschule absolvieren und später häufiger die Verwaltung wechseln würden. Und nicht zuletzt spielt dabei auch das Renteneintrittsalter eine Rolle. „Wer weiß“, sagte Engelmann schmunzelnd. „Wenn das Renteneintrittsalter angehoben wird, kann sich das ja wieder ändern.“
Für Friedhelm Schwirten wird es erst mit dem Jahreswechsel in Rente gehen. Bis zum 31. Dezember wird er der Verwaltung erhalten bleiben. „Das tut mir noch gut“, sagte der 67-Jährige. Was er danach macht? „Mal gucken“, sagte Schwirten. „Musik ist meine große Leidenschaft“. Er spielt Gitarre und ist Mitglied der Lindlarer Band PowerHouse. Schwirten möchte aber auch Sport machen und reisen – „wohl dosiert“, wie er sagte. Er denkt ans Skifahren in den österreichischen Bergen und an Spanien und Italien. „Ich liebe diese Länder, und ich brauche das Meer – aber ich möchte auch immer wieder nach Hause kommen.“ Zu Hause, da steigt er dann aufs Fahrrad, fährt über die Lindlarer Höhen, genießt die Aussicht, und lässt die Seele baumeln. Und sollte er jemandem nach 50 Jahren im Rathaus fehlen, hat Friedhelm Schwirten auch dazu eine passende Antwort: „Ich bin nicht aus der Welt. Auch dann kann man mich noch um Rat fragen.“
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