LINDLAR

Ein Bauwerk voller oberbergischer Geschichte

mh; 20.04.2026, 18:05 Uhr
Fotos: Mika Härtel --- Die Beteiligten des Projekts Haus Heide: Der Geschäftsführer des Fördervereins des LVR-Freilichtmuseums, Werner Hütt (v.li.), Museums-Restaurator Florian Büscher sowie die beiden wissenschaftlich Volontierenden Katja Schüller und Martin Schinken.
LINDLAR

Ein Bauwerk voller oberbergischer Geschichte

mh; 20.04.2026, 18:05 Uhr
Lindlar – Ab Donnerstag kann das über 250 Jahre alte Haus Heide aus Radevormwald im LVR-Freilichtmuseum Lindlar besichtigt werden.

Von Mika Härtel  

 

Ein echtes oberbergisches Schmuckstück wurde von Grund auf im LVR-Freilichtmuseum in Lindlar neu aufgebaut und restauriert. Die wissenschaftlichen Volontierenden Martin Schinken und Katja Schüller sowie Museums-Restaurator Florian Büscher waren maßgeblich an dem Projekt beteiligt. Zusammen mit einem Team wurde das Bauwerk mit viel Hingabe und einem großen Aufwand abgebaut, aufgebaut, restauriert und zeitgemäß wieder eingerichtet.

 

[Die Tapete in der Stube wurde von einer Fabrik in Schweden extra angefertigt.] 

 

Das Haus Heide aus Radevormwald, in dem bis 2005 verschiedene Familien wohnten, wurde um das Jahr 1770 erst als Doppelscheune gebaut. „Wir haben uns zuerst die Baugeschichte angeguckt und sind den Fragen nachgegangen ‚Wer hat hier gewohnt?‘ und ‚Was findet man über diese Menschen heraus?‘“, erklärte Schinken. Um 1870 sei der Fachwerkbau dann von einem Zimmermann gekauft und eine Hälfte der Doppelscheune als Wohnhaus umgebaut worden.

 

Bei seiner Recherche ist der Absolvent für Kunstgeschichte auf Familie Bransch gestoßen. Anna Emelie und August Bransch wohnten mit ihren zwei Töchtern in dem Haus von 1887 bis 1904. Die aus Belgien stammende Familie arbeitete in der Tuchfabrik Lausberg in Kräwinklerbrücke, rund 30 Gehminuten vom Gebäude entfernt. „Es muss ein gewisses Prestige gehabt haben nach 14 bis 15 Stunden Arbeit hier zu wohnen und nicht direkt neben der Fabrik in einem Mehrfamilienhaus, wie es sonst üblich war“, so Schinken.

 

[Das Belegschaftsfoto der Tuchfabrik von 1887. Markiert in den gelben Kreisen sind August und Anna Emelie Bransch.] 

 

Ein besonderes Augenmerk wurde auch auf die Einrichtung gelegt, die sich an dem Stil einer Arbeiterwohnung der 1890er Jahre orientiert. Aus der Museumssammlung, die rund 40.000 Objekte zählt, möblierte der Volontierende die Räume. Von den Schränken und dem Kamin geht es bis ins kleinste Detail, wie etwa die Mäusefalle auf dem Fußboden oder die Schuhe, die unter den Ofen zum Trocknen gestellt wurden.

 

WERBUNG

Eine weitere große Herausforderung war die Nachbildung der Tapete aus der Stube. Beim Abbau des Hauses stieß Katja Schüller auf mehrere Schichten an Tapeten. Die ältesten Fragmente seien noch aus der Zeit, wo Familie Bransch in dem Gebäude lebte. Aus den kleinen Teilstücken ließ sich aber nur noch erahnen, wie das Muster ausgesehen haben muss. Mit einem auf Tapeten spezialisierten Restaurator wurden dann Motiv und Farbigkeit angepasst. Schließlich wurde die Tapete in Kooperation mit einer Fabrik aus Schweden hergestellt, die noch eine der letzten Maschinen aus dem Ende des 19. Jahrhunderts betreibt. Ein Video über diesen Prozess können sich die Besucher im Museum anschauen.

 

[Die Wohnküche wurde detailreich eingerichtet.] 

 

Etwa fünf Jahre hat es gedauert, bis das Haus in Radevormwald abgebaut und in Lindlar wieder aufgebaut wurde. Der Förderverein des Freilichtmuseums übernahm die Kosten von rund 420.000 Euro und die Mitglieder halfen ehrenamtlich beim Aufbau mit. „Das hat schon richtig viereckig Geld gekostet, aber es hat sich gelohnt“, sagte der Geschäftsführer des Fördervereins, Werner Hütt. Die eine Hälfte des Bauwerks, die früher als Scheune diente, ist nun der Vereinsraum. „Hier können wir dann unsere Besprechungen abhalten oder mal eine Tasse Kaffee trinken“, so Hütt.

 

Am Donnerstag, 23. April, wird das Gebäude offiziell eröffnet und ist für die Besucher des Museums zugänglich.

 

WERBUNG