KULTUR
Von der Krisensitzung zum fulminanten Frühlingskonzert
Nümbrecht - Nach zunächst fraglicher Durchführung gab es gestern schließlich einen bunten Konzertabend des Musikvereins Heddinghausen in der GWN Arena.
Von Astrid Deckers
Der Musikverein Heddinghausen nahm bei seinem Frühlingskonzert die Besucher mit auf eine „Reise voller Emotionen“ und nutzte hierzu Rhythmen aus aller Welt und der unterschiedlichsten Genres. Nachdem der Vorsitzende, Arwid Strang, die Vertreter aus Politik und Finanzwelt in der Nümbrechter GWN Arena begrüßt hatte, übernahm Kassierer Steffen Goße die Moderation des Programms. So moderierte er das zweite Lied des Abends „Klar zum Gefecht“ von Hermann Ludwig Blankenburg mit den Worten an, dass trotz „fragiler Weltlage“ ein Marsch nicht fehlen dürfe, da er die Zuhörer auf eine „Reise voller Emotionen“ mitnähme, auch wenn der Marsch heute mit anderen Augen als bei seiner Entstehung gehört würde. Die Zuschauer bedankten sich nach dem mitreißenden Musikstück mit langem Applaus.
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[Mit Bodo Löttgen (Mitglied des Landtags), Thomas Hellbusch (Bürgermeister Nümbrecht), Klaus Grootens (Landrat) und Hilko Redenius (ehemaliger Bürgermeister Nümbrecht) waren auch zahlreiche Politiker vor Ort.]
Nach kurzem Zwischenstopp am Hohenasperg, einem prägnanten Berg in Asperg, dem der Komponist „Markus Götz“ anlässlich des 1.200-jährigen Stadtjubiläums eine programmatische Suite in vier Sätzen gewidmet hatte, ging es über die Filmmusik aus „Drachenzähmen leicht gemacht“ hin zu einer wunderschönen Mischung aus der Oper „Der Barbier von Sevilla“ und der Filmmusik aus Francis Ford Coppolas „Der Pate“. Hat die Oper spanisch fröhliche Klänge, so ist die Musik des italienischen Paten melodramatisch und düster. Wer nun glaubte, diese beiden Mischungen könne man nicht verknüpfen, dem sei James L. Hoseys „Godfather of Seville“ empfohlen. Die Musiker erzeugten eine Aura in der GWN-Arena, die an Emotionen alles beinhaltete und das Publikum nicht nur fesselte, sondern auch restlos begeisterte.
Die 29 Mitglieder des vereinseigenen Jugendorchesters beeindruckten ebenfalls mit ihrer musikalischen Bandbreite, indem sie mit „Dragonborn“, der Titelmusik aus dem 2011 erschienenen Videospiel „The Elder Scrolls V.“, den Highlights aus Disneys „Vaiana 2“ und dem Popsong „Sofia“ vom spanischen Sänger „Alvaro Soler“ perfekt intonierten. Nach der Präsentation erhoben sich die Zuschauer von den Stühlen und feierten das Ensemble mit tosendem Applaus, bevor dieses mit dem „Wellerman“ eine Zugabe vom Feinsten in petto hatte.
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[Eroberten die Herzen der Zuschauer vom ersten Song bis zur Zugabe: Die Aktiven des Jugendorchesters unter Leitung von Marco Fischdick.]
Mit „Baba Yetu“ folgte ein weiteres Highlight des Abends. Mit den Worten „Musik verbindet Kulturen“ hatte Goße den Song angekündigt und erzählt, dass er aus dem Videospiel „Civilization IV“ stammt und sogar einen Grammy gewonnen hat. Auf Suaheli sei darin das „Vaterunser“ vertont worden. Dass Goße nicht zu viel versprochen hatte, zeigte sich beim Vortrag, bei dem Rhythmus und Spiritualität die Arena in Nümbrecht erfüllten. Mit musikalischen Impressionen aus der „Muppet Show“, die in diesem Jahr 50 Jahre alt wird, der Hommage an „Journey“ mit deren Song „Don't stop believing“ und einem gefühlten emotionalen Tribut an den Altmeister des Swing „Frank Sinatra“ und seinen zahlreichen Welterfolgen wie „New York, New York“, „Something stupid“ und „My Way“ endete ein Konzert voller Gefühle und Melodien, das niemanden unberührt ließ.
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[Eric Feer (li.) und Jonas Frings haben sich während ihrer Schul- und Ausbildungszeit kennengelernt. Seit drei Jahren besucht Frings nunmehr die Konzerte des MVH und wird dabei seit zwei Jahren von Freundin Dana Jabin begleitet.]
Zum Abschluss übernahm Arwin Strang erneut das Mikro. Er hatte die traurige Pflicht, den Zuschauern zu verkünden, dass Marco Fischdick, der musikalische Leiter des Jugendorchesters, aufgrund einer beruflichen Veränderung im Jahr 2026 die Leitung abgeben wird. Er hoffe jedoch, Fischdick als Gast beim nächsten Frühlingskonzert begrüßen zu dürfen.
Des Weiteren berichtete er, dass es vor vier Wochen eine vereinsinterne Krisensitzung gegeben habe, bei der die Durchführung des Konzerts infrage gestellt wurde. Basierend auf den Trainingsmethoden des musikalischen Leiters Ewald Metzger hatten Musiker Zweifel geäußert, ob die Veranstaltung mit dem gewohnt hohen Standard durchgeführt werden könne. Metzger habe aber alle beruhigt und schließlich Recht behalten. Er habe es verstanden, aus vielen einzelnen Musikern eine Einheit zu formen. Und das Publikum bestätigte Metzgers Leistung mit Jubelrufen und lautstarkem Beifall sowie Zugabe-Forderungen. Dem Wunsch wurde gerne nachgekommen und mit „Eine Insel mit zwei Bergen“, gespielt von beiden Orchestern, folgte mit dem Kirchenlied „Großer Gott, wir loben Dich“ ein besinnlicher Abschluss des eindrucksvollen Abends.