KULTUR

Verlassene Orte von Oberberg bis Tschernobyl

mg; 22.06.2019, 10:23 Uhr
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Fotos: Michael Gauger, Oliver Müller (Galerie 18+21) --- Zum Nachdenken und Verweilen regen die 17 ausgestellten Fotos an, die den Betrachter mit zu den "Lost Places" nehmen.
KULTUR

Verlassene Orte von Oberberg bis Tschernobyl

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mg; 22.06.2019, 10:23 Uhr
Lindlar – Vernissage zur Fotoausstellung des Lindlarer Hobbyfotografen Oliver Müller – Für sechs Wochen werden 17 Bilder unter dem Thema „[ver]loren und [ver]gessen - Ein-Blick in verlassene Welten“ im Foyer des Rathauses ausgestellt.

Von Michael Gauger
 

Am Freitagabend startete im Lindlarer Rathausfoyer eine bis zum 31. Juli datierte Fotoausstellung des Lindlarer Hobbyfotografen Oliver Müller, in welcher er die Besucher des Rathauses auf eine besondere Reise mitnimmt. Betrachter der 17 dort ausgestellten Fotos haben die Möglichkeit sich ein eigenes Bild von längst aufgegebenen oder vergessenen Orten, sogenannten „Lost Places“, zu machen.

 

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[Er habe einen Moment überlegen müssen, erklärte Oliver Müller, sei nun aber froh, den Schritt gemacht zu haben.]

 

Die ausgestellten Fotos reichen von alten Firmengebäuden in der hiesigen Nachbarkommune, über Sanatorien und alte Militärgelände im nahen Ausland bis zum persönlichen Highlight Müllers, festgehaltene Eindrücke aus dem Bereich um das Atomkraftwerk Tschernobyl in der heutigen Ukraine, welches er im vergangenen Frühjahr mit seiner Lebensgefährtin besuchte. Zumeist mit Gleichgesinnten werden vorab entsprechende Objekte ermittelt und ausgewählt, was angesichts eines gewissen „Ehrenkodex“ unter den „Urban Explorern“ genannten Erkundern verlassener Orte nicht immer einfach ist. Die genaue Lage wird selten öffentlich preisgegeben.

 

Müller und seine Kollegen, zu denen sich auch der Verfasser dieser Zeilen zählen darf, haben dennoch so manches interessante Fleckchen erkundet, teils auch durch gemeinsame Bekannte, die hilfreiche Tipps gaben oder entsprechende Quellen im Internet.

 

Armin Brückmann sorgte in seinem Grußwort zu Beginn der Veranstaltung für so manchen Schmunzler, freute sich aber als stellvertretender Bürgermeister, dass „Olli“, wie der Hobbykünstler zumeist gerufen wird, im Jahre 2006 den Weg von Bergneustadt nach Lindlar gefunden habe. Brückmann wählte bewusst die Begriffe Kunstwerke und Künstler, auch wenn der Fotograf sich selber nicht so sieht. „Die Gemeinde Lindlar ist froh den eigenen Bürgern solch eine Plattform anbieten zu können“, erklärte Brückmann und freute sich über den großen Zuspruch bereits am Eröffnungstag.

 

Müller selber äußerte sich recht treffend zu seinen Fotos: “Als Besucher betrachtet man die Fotos und überlegt nach der entsprechenden Geschichte dazu, wenn ich sie sehe, habe ich sofort das 'Wo, wann und mit wem war ich dort' im Kopf. So mancher Ort habe auch spezielle Gerüche gehabt, die man zum Glück nicht weitergeben könne, erklärte er.

 

[Armin Brückmann zeigte sich sehr angetan von den Orten, die auf den Bildern zu sehen sind.]

 

Die Bilder seien bewusst groß gewählt, damit sie eine gewisse Wirkung erzielen. „Ich hätte auch mehr auswählen können, so Müller, „aber dann hätte ich sie verkleinern müssen, was von Nachteil gewesen wäre.“ Teils in Bunt, teils aber auch Schwarz-Weiß, regen sie den Betrachter zum Verweilen und Nachdenken an. Sei es eine Registrierkasse mit Inhalt in Prypjat, jener Geisterstadt, die 1970 im Zusammenhang mit dem Bau des Kernkraftwerks Tschernobyl gegründet und infolge des Reaktorunglücks von 1986 geräumt wurde oder auch der Ehrenhain in Remscheid, welcher zu Ehren der Gefallenen aus dem Ersten Weltkrieg errichtet wurde und auf Müllers Foto in Schwarz-Weiß mit interessantem Sonneneinfall zu sehen ist.

 

Die Historie, zusammen mit dem Verfall der Orte, interessiere ihn besonders, berichtete der Aussteller. Leider bleibt die Frage nach dem "Warum" dann doch zumeist unbeantwortet. Dennoch sei es spannend zu beobachten, wie sich die Natur nach und nach alles zurückholt, erläuterte Müller seine Motivation. Doch genau das hält der Fotograf in seinen Bildern fest und dokumentiert damit die Vergänglichkeit.

 

[Unterhalb der Werke finden sich Zusatzinformationen oder Gedanken des Urhebers.]

 

Bereits seit frühester Kindheit begeistert ihn das Fotografieren, wie Müllers Vater in der ausgelegten Vita schreibt, die eine schriftliche Ergänzung zur Ausstellung darstellt. Beruflich kommt der Künstler als selbstständiger Sachverständiger viel rum. Durch den Besuch mehrerer Kurse konnte Müller sein Wissen und Können im Laufe der Jahre stets erweitern. Dies werden die Besucher beim Blick auf die Fotos bemerken, die jeweils darunter zusätzlich einige Informationen zum jeweiligen Bild finden.

 

Mit einem Blumenstrauß bedankte sich Olli Müller bei Doris Kisters, der Fachleiterin des Bereichs LindlarKultur, die nicht nur mit kalten Getränke und Snacks für die Besucher gesorgt hatte, sondern bereits am Vorabend tatkräftig beim Aufbau der Ausstellung mitgeholfen hatte.

Noch sechs Wochen ist die Ausstellung zu den regulären Öffnungszeiten des Lindlarer Rathauses zu besichtigen. Weitere Informationen gibt es unter www.lichtritzer.de.

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