KULTUR

"Sauerland ist Powerland"

kb; 18.01.2026, 16:30 Uhr
Fotos: Michael Kleinjung --- Wilfried Schmickler begeisterte die Gäste im Krawinkelsaal.
KULTUR

"Sauerland ist Powerland"

kb; 18.01.2026, 16:30 Uhr
Bergneustadt – Der Kabarettist Wilfried Schmickler war zu Gast im Krawinkelsaal.

In rasantem Tempo und mit lyrischem Geschick powerte der Kabarettist mit brillanten Textgebilden durch den Samstagabend im Bergneustädter Krawinkelsaal.  „Die Power von Friedrich Merz sei fast unbeschreiblich; als Überflieger aus dem Sauerland sei dieser der Retter der Konjunktur und mache das Sauerland zum Powerland“.

 

["Power-Schmickler" in Aktion.]

 

Mit Sätzen wie „Nach 250 Tagen im Amt ist Merz laut Umfragen der unbeliebteste Kanzler aller Zeiten“ sorgte Schmickler durchgehend für Lachmomente. Schmickler erzählte die Geschichte von zwei Parteigenossen, die an dem Ast sägen, auf dem sie sitzen. Als jemand die beiden darauf aufmerksam mache, erwidern diese, dass man es anders betrachten sollte, nämlich so: „Wir sitzen auf dem Ast, an dem wir sägen.“ Mit großem Witz und Wort-Geschick benannte Schmickler vorhandene politische Machtstrukturen und die Missstände landes- und weltweit.

 

Weiter trieb Schmickler zur SPD; jede Flasche Eierlikör habe mehr Umdrehungen als diese Partei. Und auch Christian Lindner bekam sein Fett weg: Lindner habe sich beim „Dschungelcamp“ angemeldet, aber die hätten ihn da nicht genommen, sondern direkt weitergeschickt zu „The Biggest Looser“. Der politische Exkurs von Schmickler ließ auch Björn Höcke und die AfD nicht aus; satirisch–kritisch nahm Schmickler den menschlichen Wunsch nach Wohlstand unter die Lupe: „Alle wollen Wachstum und Wohlstand, aber keiner will mehr arbeiten“, meinte er und kritisierte unsere „Hafermilchgesellschaft“ auf der Suche nach einer ausgewogenen „Work-Life-Balance“.

 

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Der zunächst ruhig wirkende Schmickler zeigte seine Power im rasenden verbalen Themenausflug von zum Beispiel der atmungsaktiven Unterwäsche, der globalen Infektionsphobie, Beethovens Fünften, Erdölvorräten, Zahnersatz und Gehilfen bis hin zu der Waldhonigproduktion im Hunsrück. Weiter ging die humorvolle Druckbetankung des Publikums mit dem Sonderstrombegrenzungsgesetz, den Arztserien im Vorabendprogramm, dem globalen Müllproblem, der Kapitalertragssteuer, dem Armutsbericht des paritätischen Wohlfahrtsverbandes und den Krankenkassen.

 

[Schmickler im Zeichen der Friedenstaube.]

 

Der 71-jährige Leverkusener bewies, dass nicht nur Sauerländer Power haben. Moralisches wertvoll in Humor und Wortwitz zu verpacken, zeigte Schmicklers große Stärke. In fünf Liedbeiträgen schaffte er es mit einzigartigen und witzig pointierten Reimeinlagen, die Zuschauer in die Welt von politischer und wirtschaftlicher Paranoia, Küchenmaschinen und Freistellungaufträgen zu entführen. Mit „Nennen Sie Ihren Hund „Bombe“, und rufen Sie ihn laut, wenn Sie vor dem Supermarkt stehen“, tangierte Schmickler aktuelle und neuzeitliche Themen. Anhand der sogenannten „Fobo“ („Fear of being offline“) hielt der Umgang mit dem Handy her und ging über in den Exkurs zu „Mindhacking“ und dem Online-Händler Amazon, „das als Unternehmen die Menschheit versklave“.

 

Schmickler, der schon nach Abitur und Wehrdienst erste Erfahrungen mit Sprech- und Theatergruppen machte, ist seit 1989 als Kabarettist tätig, war Mitglied des Kölner Dreigestirns und wirkte in der WDR-Kabarettsendung „Mitternachtsspitzen“ mit. Zahlreiche Auszeichnungen und Ehrenämter zeichnen seinen Lebensweg und verdeutlichen: Er ist ein Unikat besonderer Güte, dem wichtig ist, „Ballast nicht auf der Seele endzulagern“. Schmickler warb mit seinem Programm offen für Anstand und Respekt und statuierte ein Exempel für Engagement, Beherztheit und Tapferkeit. Wut als Grundgefühl sei destruktiv, so Schmickler. „Auch Angst ist eine Sache der Perspektive“, sagte der Kabarettist, „denn in Wirklichkeit ist der große Nikolaus ja nur der alte Opa aus dem Männergesangsverein“. Schmicklers „Wir-schaffen-das“ in seiner Zweideutigkeit läutete das Ende des genialen und humorvollen Power-Programms ein.

 

[Der Kaberettist führte das Publikum mit kurzweiligen Wortspielen gekonnt durch den Abend und erwies sich als großartiges Sprachgenie.]

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