KULTUR
Gut gejault, liebes Publikum
Reichshof – Mit „Vorwiegend heiter“ gingen Klaus Walter & Die Melodies im Eckenhääner Huus auf eine Nostalgiereise.
Von Katja Pohl
In gerade so verunsichernden Zeiten ist eine kleine, nostalgische Atempause doch eigentlich ganz willkommen. Und genau dazu lud das Trio Klaus Walter & Die Melodies im gut besuchten Eckenhääner Huus ein. Unter dem Titel „Vorwiegend heiter“ ging es um eben diese Heiterkeit, um eine Reise ins Humoristische, um einen Blick ein paar Jahrzehnte zurück. Klaus Walter, Gitarrist und Moderator des Abends, ist überzeugt: „Den Begriff der Heiterkeit verwenden wir heutzutage viel zu selten. Dabei liegt er mir besonders am Herzen.“ Mit den Melodies, Doris Feldhusen am Klavier und Jörg Feldhusen am Akkordeon, tourt der Neusser Musiker und Sprecher daher seit 2024 als Botschafter dieses herrlich zurückhaltend-altmodischen Begriffs.
[Doris Feldhusen am Klavier ist die eine Hälfte der Melodies.]
Schon der Einstieg in den Abend brachte ein bisschen heile Welt zurück. Klaus Walter beschwor Bilder von Sonntagnachmittagen herauf, im Kreis der Familie. „Dann wurde der Papa gebeten, doch das Radio einzuschalten, und alle saßen im Wohnzimmer, um dem Programm zu lauschen.“ Das klingt irgendwie plüschig, aber auch schön. Auf dem Programm standen humoristische Anekdoten von Hanns Dieter Hüsch, denn der Kabarettist vom Niederrhein konnte nicht nur Spitzen abfeuern, sondern auch liebevoll die Eigenheiten seiner Region festhalten.
Ob es die Familie war, die unangekündigt „nur mal eben vorbeikommen wollte“ und sich dann wochenlang festsetzte, oder der Ehemann, der sich zum Geburtstag ausgerechnet ein allzu simples Schuhschwämmchen wünschte und damit die Gattin in Entsetzen stürzte – die Geschichten machten Spaß. Klaus Walter erzählte zudem: „Ich bin Hanns Dieter Hüsch mal bei einem Auftritt begegnet und wir haben einen wunderbaren Abend voller Geschichten an der Hotelbar verbracht.“
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[Von anstrengender Verwandtschaft, Rittern, Ehedramen und von vorwitzigen Maden erzählte Klaus Walter (re.) zur Begeisterung des Publikums.]
Weiter ging's auf Stippvisite ins musikalische Paris, dann ein bisschen nach Italien. Beides Sehnsuchtsorte der 1950er Jahre mit Liedern, die nicht nur damals Fernweh beschworen, sondern die das heutige Publikum noch sehr gut mitsingen konnte. Apropos aktives Publikum: Die Gäste im Eckenhääner Huus erhielten ein durchaus freundlich gemeintes, aber doch ungewöhnliches Kompliment.
[Jörg Feldhusen begleitete als andere Hälfte der Melodies mit dem Akkordeon.]
„Da haben sie aber jetzt ganz herrlich gejault“, konstatierte Klaus Walter, nachdem er die „Miezekatze“ von Loriot, die dieser für seine Zeichenfigur Wendelin, den putzigen Hund, schrieb, zum Besten gegeben hatte. Mit Gedichten von Heinz Erhardt neigte sich der Abend dem Ende zu. Klaus Walter verfiel in den Duktus des großen Humoristen und erzählte Geschichten von Rittern, schief singenden Gattinnen und rezitierte natürlich – erneut unterstützt von den Zuhörenden – das Gedicht „Die Made“, das ja leider eher tragisch endet. Der Abend hingegen endete nicht tragisch, sondern tatsächlich voller Heiterkeit und mit einer Zugabe, bevor es für die drei Nostalgie-Reiseleiter viel verdienten Applaus gab.