GUMMERSBACH

Eine Wortspiel-Kanonade nach der anderen

kb; 07.02.2026, 15:20 Uhr
Fotos: Michael Kleinjung --- Atze Schröder, die "liebende Legende", auf der Bühne in der SCHWALBE arena.
GUMMERSBACH

Eine Wortspiel-Kanonade nach der anderen

kb; 07.02.2026, 15:20 Uhr
Gummersbach – Gestern präsentierte Atze Schröder sein neues Programm „LOVEMACHINE“ in der SCHWALBE arena.

„Endlich wieder Gummersbach!!!“ Mit diesen Worten betrat Atze Schröder die Bühne und ging in direkte und frontale Resonanz mit den etwa 2-400 Menschen in der SCHWALBE arena. „Gummersbach hieß bis in die Zwanziger Jahren noch ‚Die Stadt der Liebe‘ und wurde in Kennerkreisen ‚Klein-Paris‘ genannt“, so Atze, der die Stimmung innerhalb weniger Minuten gekonnt hochpeitschte. „Letzte Woche in Zürich hab ich noch gedacht: Wenn ich doch endlich schon in Gummersbach wäre!“ „Und ey, in der Schweiz waren sooo viele hässliche Menschen, da hab ich mir die Brille von innen mit Nivea-Creme eingeschmiert, um die nicht sehen zu müssen! Aber heute in Gummersbach hab ich meine Brille dreimal geputzt!“ Mit Sätzen wie „Wenn ich früher in Gummersbach gespielt habe, brauchte ich kein Hotel. Hä? Nicht verstanden? „Jungs, ich kenne Eure Mütter!“, gelang es Schröder, die Opener gekonnt gut zu platzieren, so dass die SCHWALBE arena vor Lachen bebte.

 

Mit seinem opulenten Ruhrpott-Charme reiste Schröder in der zweistündigen Show nonstop gefühlt durch sämtliche Themen unserer Zeit. „Die Liebe zu nem guten Bier, ja, ohne Cola“, der Eisen-Engel Social Media, „der Mann beim Urologen“, „Mutti mit Klein-Cedric auf dem Spielplatz“ und Julia Klöckner, wegen der Philipp Amthor sein BRAVO-Abo gekündigt habe, waren nur einige der spitzzüngigen Showeinlagen. „Haste nich verstanden, wa?“, „Ja nee, is klar“ oder „Man muss die Witze schon verstehen; kann nicht jeder“, schlug er dem Fass verbal den Boden aus.

 

„Drei Chinesen mit dem Kontrabass“ sei jetzt im Kindergarten wegen Diskriminierung verboten, so Schröder. „Dabei hat noch nie jemand die drei Chinesen mit nem Kontrabass gesehen“, fabulierte er. „Is ja auch klar, warum: Die haben keine Zeit, müssen alle für TEMU verpacken.“

 

Als Nächstes warf Atze verbale Attacken ins Publikum mit Sätzen wie: „Sodbrennen ist auch ein Gefühl“, „Manche Männer gehen gerne tanken, weil sie dann wenigstens einen Rüssel versenken können“, „Gummersbach hat ein schönes Hafenviertel“ oder „Was passiert, wenn Du zu Hause nach fünf Jahren Deinen Toaster auskippst?“.

 

In Lach-Papier verpackt, mit rosa Schleifchen, präsentierte Schröder Lebensweisheiten zum Thema Seitensprung. „Das Wichtigste beim Fremdgehen ist was? Riiiiichtig: Dat muss sich lohnen! Tut es aber nicht!!! Junge, dat is Dreck, kommt immer raus und bringt nur Ärger!“ Direkt anschließend beriet Atze das lachende Publikum, „wie ‚Mann‘ zu Hause mit einfachen Mitteln, wie zum Beispiel mit Kerzen, Düften und der richtigen Musik, gaaaaanz legal zu 'ner guten Sache kommt“. Schließlich gäbe es das Happy End nach der Affäre ja nur im deutschen Schlager: „Da tust Du was Verbotenes, und am nächsten Morgen is wieder alles auf Anfang.“ Schröder ahmt erst Roland Kaiser nach, dann Till Lindemann mit Maite Kellys Song: „Warum hast Du nicht Nein gesagt? Es lag allein an Dir“, und das Publikum kam aus dem Lachflash kaum mehr heraus.

 

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Atze Schröder haute weiter eine Wortspiel-Kanonade nach der anderen schonungslos raus und hielt damit sein Versprechen, dass das Publikum am nächsten Tag Muskelkater vor Lachen haben solle: „Peter Fox, mein alter Kumpel, singt vom Haus am See. Orangenblätter liegen auf dem Weg. Hä? In Berlin?! Da liegen nur Hundehaufen und Spritzen! Und er hat 20 Kinder, und seine Frau is schön? Wie geht 'n dat? Tickt der noch sauber?“

 

Zwischendrin gelang Schröder mühelos das „Kuscheln mit den Fans“. „Der Schwabe glaubt, außer Hochdeutsch könne der alles. Blödsinn! Der Gummersbacher kann alles, und dat inklusive Hochdeutsch!“ und „Ich hab' mal gehört, die Gummersbacher seien arrogant. Blödsinn! Niveau wirkt von unten eben wie Arroganz!“

 

 

Der 60-jährige Künstler ist mit seiner Kunstfigur Atze Schröder seit über 30 Jahren im Geschäft. Schröder steht für spitzen, komprimierten, teils sarkastischen Humor mit süffisanten Einlagen ohne Ende, „den man/frau verstehen muss, sonst wird dat nix“, wie er selbst sagt. Seine Liebe gilt der Stadt Essen im Ruhrgebiet. Dort machte er sich Ende der Neunziger Jahre als Comedian einen Namen. „Nur Rudi Völler, Heidi Klum und Günther Jauch sind im Ranking ‚Deutschlands bekanntester Name‘ bekannter als ich“, so Schröder. „Im Ruhrgebiet dürfe man nur gendern, wenn man Todessehnsucht habe“ und „Wenn Du aus dem Ruhrgebiet kommst, kannst Du nicht abgeschoben werden; ist kein sicheres Herkunftsland!“

 

„Ich liebe Euch, weil Ihr heute Abend Tickets gekauft habt“, witzelte Schröder. „Aber ich würde Euch auch lieben, wenn Ihr keine gekauft hättet.“ Mit „LOVEMACHINE“ zeigte Schröder seine „liebevolle Seite“: „Ich lege Euch heute Abend mental Gürkchen aufs Gesicht! Verwöhnen ist auch Liebe, echt jetzt!“ Und „Freundschaft ist die höchste Form der Liebe!“, proklamierte Schröder. „Was ich auch liebe, ist 'ne schöne Pizza zum Frühstück, mit nix drauf, vielleicht 'n bisschen Gyros. Und die würd' ich mit Euch teilen.“

 

 

Mit Spaßeinlagen rund um seinen „Kumpel“ Herbert Grönemeyer läutete Atze den Abschluss der grandiosen One-Man-Show ein: „Ich frag mich immer: Is dat noch die Anmoderation, oder singt der schon?“ Mit gekonnter Stimme imitierte er Grönemeyers „Flugzeuge im Bauch“ und hielt mit dem Kommentar: „Dat klingt, als ob er die Apotheken-Umschau vorliest“, das dauerhaft schallend lachende Publikum in seinem Bann. Zudem klinge der Song „Letzter Tag“ nach einem Wegweiser in die Psychiatrie.“ „Doch in einem hat Herbert recht“, und damit verabschiedete sich Schröder nach einer wohl gigantischen Show von den Gummersbachern: „Ihr habt ihn nie verraten, den Plan vom Glück!“

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