KULTUR

Die Konventionalstrafe zahlte die Stadt

ls; 16.05.2019, 08:00 Uhr
Fotos: Leif Schmittgen --- Gus Anton verlässt nach fast 50 Jahren die Bühne.
KULTUR

Die Konventionalstrafe zahlte die Stadt

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ls; 16.05.2019, 08:00 Uhr
Oberberg – Am kommenden Samstag wird Gus Anton bei den „Räubern“ verabschiedet – OA sprach mit dem Künstler über sein bewegtes Berufsleben.

Von Leif Schmittgen

 

Gus Anton blättert bedächtig in den zwei Chroniken seiner „Räuber“, jenes Chores, bei dem er vor 49 Jahren die Leitung übernahm und von dem er am kommenden Samstag (18. Mai) Abschied nimmt (OA berichtete). "Nicht gerne", wie er betont, sein fortgeschrittenes Alter von inzwischen 81 Jahren, lässt ihm aber keine Wahl. Die vielen Fotos im Buch lassen Bilder in seinem Kopf entstehen, schnell werden Erinnerungen wach.

 

[Viele Plakate im Keller seines Wohnhauses...]

 

Zum Beispiel an die vielen Konzertreisen: "Jahreszahlen sind nicht meine Stärke“, verrät der studierte Pianist und Dirigent schmunzelnd. Wann genau er mit seinen 24 Räubern die griechische Insel Rhodos, im polnischen Kreis Lauenburg und viele weiteren Städte in ganz Europa besucht hat, weiß er nicht genau. An jeden einzelnen Auftritt kann er sich allerdings gut erinnern. In großen Häusern sangen die Mannen des Räuberchores, „zum Beispiel in der Sankt Petersburger Smolski-Kathedrale“, weiß Anton. Große und weltberühmte Orchester haben die Musiker dabei oftmals begleitet.

 

Beim Weiterblättern stößt der studierte Pianist und Dirigent auf Skripte seine eigenen Werke: Viele Stücke hat er selbst geschrieben oder „chorfähig“ umgearbeitet. Zum Schaffen des Künstlers gehören rund 2.300 Kompositionen und Arrangements, die er im eigenen Verlag vermarktet. Seine große Liebe gilt dabei bis heute der Klassischen Musik und der Oper „Fragen Sie mich bitte nicht nach Popmusik“, meint der 81-Jährige lachend. Und die Leidenschaft für genau jene Stilrichtung hat der 1938 in Remscheid geborene Gus Anton offensichtlich mit in die Wiege gelegt bekommen: Seine Mutter war Sängerin, der Onkel Dirigent.

 

[...und Fotos erinnern an das kulturelle Werk von Gus Anton.]

 

Während seines Studiums verschlug es ihn Ende der 60er Jahre auch ins österreichische Salzburg: „Wir waren Schüler von Herbert von Karajan“ sagt er mit stolzem Unterton. Er schränkt aber ein, dass er nur zeitweise mit dem wohl weltberühmtesten Dirigenten in Kontakt war: „Er war sehr oft auf Reisen“, erinnert er sich. Nach seinem Studium wäre Anton beruflich fast in Bayern sesshaft geworden: „Ich hatte den Arbeitsvertrag als Kapellmeister dort bereits unterschrieben“. Wie es der Zufall wollte, traf er während eines Auftritts in Remscheid, 1970, auf den damaligen Gummersbacher Stadtdirektor Albrecht Menke, der ihm prompt die Stelle des Kulturbeauftragten anbot.

 

Anton musste nicht lange überlegen, die Stelle in der Kreisstadt war - im Unterschied zum geplanten Engagement in Bayern - zeitlich unbefristet: „Die Konventionalstrafe für das Nichtantreten in Süddeutschland, hat sogar noch die Stadt Gummersbach bezahlt“, berichtet Anton von seinem beruflichen Start im Oberbergischen Kreis. Dieser war von Beginn an, zur Freude Antons, arbeitsintensiv: Bis zum Jahr 2006 wirkte er entscheidend an Bau, Konzeption und Betrieb des Stadttheaters als dessen Leiter mit, etliche musikalische Eigenproduktionen stammen aus seiner Feder.

 

[Beim Stöbern in der Chronik erinnert sich der Künstler gern zurück.]

 

Parallel entstand der Kontakt zu den „Zwölf Räubern“, so hießen sie damals, und stockte die Mitgliederzahl auf 24 auf. Hinzu kam 1991 sein Engagement beim Oberbergischen Symphonie-Orchester, das er bis heute musikalisch prägte. Wenn am Samstag im Rahmen des Abschiedskonzerts der dritte Teil der Räuber-Chronik vorgestellt wird, schließt sich mit Antons Abtritt gleichzeitig ein bedeutendes Kapitel im „Buch“ der Oberbergischen Kulturgeschichte. Noch bis zum Ende der Konzertsaison leitet er das Symphonie-Orchester, bevor er sich im Juni endgültig in den musikalischen Ruhestand verabschiedet.

 

An sein kulturelles Schaffen wird Anton nicht nur durch den Ehrenring der Stadt Gummersbach, der ihm kürzlich verleihen wurde, erinnert. Im Untergeschoss seines Hauses wird sein Wirken auch durch die zahlreichen Konzertplakate und Fotos, die dort an den Wänden angebracht sind, wachgehalten.

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