KULTUR
„Kunst gehört nicht dem Künstler, sondern der Gesellschaft“
Waldbröl - Der Flensburger Künstler Uwe Appold schenkt zahlreiche Bilder an katholische und evangelische Kirchen in Oberberg - Anlässlich der Vertragsunterzeichnung wurde der Uwe-Appold-Weg eröffnet.
Von Astrid Deckers
Seit dem Jahr 1989, in dem der Künstler für vier Orte Oberbergs ein Ausstellungsprojekt zur „Offenbarung des Johannes“ gestaltet hatte, fühlt Uwe Appold sich dem Oberbergischen verbunden. Damals, so erinnert er sich, habe er für die Fußgängerzone in Gummersbach beispielsweise Stahlplastiken her- und ausgestellt. Dabei habe ihn das große Vertrauen der Auftraggeber in seine Arbeit besonders beeindruckt und sei ihm auch bis heute in Erinnerung geblieben.
Ohne zu wissen, wie er damals das Thema umsetze, habe man ihm vertraut und in seine Kunst investiert. Ebenfalls zum damaligen Zeitpunkt habe er mit dem Waldbröler Pfarrer Jochen Gran einen Menschen kennengelernt, der zum guten Freund geworden sei. Zehn Jahre später und nach zahlreichen Workshops für Kinder in Schulen und Kitas Waldbröl, sei er Patrick Oetterer begegnet, welcher mittlerweile Diakon des Erzbistums Köln geworden ist und auch zwischen ihnen sei eine Freundschaft über die Jahre gewachsen.
Zum damaligen Zeitpunkt, berichtet Appold, habe er sich gedacht: „Wenn ich älter bin, werde ich versuchen für meine Bilder eine Heimat zu finden, wo sie schon einmal waren. Nun und nunmehr bin ich älter.“ Erstmalig habe er zusätzlich zu jedem Bild des Jahreszeiten-Zyklus auch ein passendes Gedicht veröffentlicht, das unmittelbar neben dem Gemälde in der evangelischen Kirche in Waldbröl zu finden ist.
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[M. Führing, K.-P. Jansen, K. Grootens, U. Appold, L. Weber, T. Seibel, A. Rostalski und P. Oetterer (v.l.n.r.) freuten sich über die gelungene Auftaktveranstaltung.]
Im Rahmen eines ökumenischen Pfingstmontag-Gottesdienstes trafen sich zahlreiche Vertreter aus Kirche und Politik mit Uwe Appold, um gemeinsam die Schenkungsurkunde zu unterzeichnen, die ausgestellten Bilder zu bewundern und den neuen Uwe-Appold-Weg zu eröffnen. Gestaltet wurde der Gottesdienst vom evangelischen Pfarrer der Kirchengemeinde Waldbröl Thomas Seibel, vom katholischen Pfarrer i.R. Klaus-Peter Jansen und Pastor Maik Führing von der freien, evangelischen Gemeinde Waldbröl. Mit Wortbeiträgen beteiligten sich Landrat Klaus Grootens und Waldbröls Bürgermeisterin Larissa Weber an den Eröffnungsfeierlichkeiten.
Nach dem Intonieren des Paul Gerhardts Chorals „Geh aus mein Herz und suche Freude“, betrat Waldbröls ehemaliger Pfarrer Jochen Gran den Altarbereich und entlockte Appold im Interview neben unterhaltsamen Anekdoten auch persönliche Statements. Auf Grans Frage nach der teils problematischen Beziehung der Kirche zur Kunst, schilderte Appold augenzwinkernd, wie er für eine Seniorenresidenz ein Kreuz angefertigt habe und eine Bewohnerin zu ihm meinte: „Da ist ja ganz schön viel rot drauf.“
Als Antwort auf die Frage, wie es zur Schenkung an die oberbergischen Kirchen gekommen sei, entgegnete Appold mit tiefer Überzeugung: „Kunst gehört nicht dem Künstler, sondern den Menschen.“ Von Gran auf die Abstraktheit seiner Werke angesprochen, äußerte der Künstler, dass es „nichts Langweiligeres gibt als ein Bild, wo man direkt sieht was drauf ist“.
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[Jochen Gran im Austausch mit seinem Freund Uwe Appold.]
Für die Predigt des Gottesdienstes hatten sich Pfarrer Seibel und Pastor Führing abwechselnd Bilder aus den zwölf Jahreszeiten-Bildern ausgesucht und interpretierten ihre Gedanken zu den einzelnen Werken aus persönlicher Sicht. Dabei verstanden beide es ausgezeichnet, in unterhaltsamer Weise den Kontext zwischen Bild, tagespolitischen Ereignissen und der Kirche herzustellen.
Die Bandbreite der Predigtinhalte erstreckte sich über Gedanken zu Helmut Kohls Aussagen zur deutschen Wiedervereinigung, über die zunehmend sinkende Zahl an Kirchenmitgliedern im Land (von früheren 90 auf 40 Prozent) bis zur Aussage Gottes „Es werde Licht“ um den Menschen Sicherheit in der Dunkelheit zu geben.
Im Anschluss an die offizielle Unterzeichnung der Schenkungsurkunde durch Uwe Appold, Diakon Patrick Oetterer und dem Vorstandsvorsitzenden der Caritas Oberberg, Andreas Rostalski erhielten mit Landrat Klaus Grootens und Bürgermeisterin Larissa Weber zwei politische Vertreter das Wort.
Grootens hob die Bedeutung der Schenkung und die damit einhergehende Einweihung des Uwe-Appold-Weges als außergewöhnlichen Akzent hervor, der Regionen verbindet und weit über kommunale Grenzen hinausgeht. So würden hierdurch Waldbröl, Gummersbach und Engelskirchen nunmehr menschlich und über Konfessionen und Generationen hinaus dauerhaft verbunden. Dabei rege der Weg zu Gedanken über Schöpfung und Zerstörung, Aufbruch und Erlösung an.
Weber sprach in ihren Ausführungen von einer Ehre für Waldbröl, der Auftaktort zu sein und freute sich über die Enge der Beziehung zwischen Appold und der Marktstadt. So seien einige Werke seiner „Stadtansichten“- Initiative auch im Rathaus zu bewundern. Mit seiner Kunst fordere er heraus, berühre und irritiere auch manchmal. Sie selbst empfinde sein Schaffen und seine Kunst als verbindendes Werk zwischen Kirchen, Städten und Menschen.
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[Landrat Klaus Grootens hob die Bedeutung der vier Spenden an vier Orte für den Kreis und seine Menschen hervor. ]
Mit der +CulturKirche Oberberg in Engelskirchen, der Pfarrkirche St. Franziskus Gummersbach und dem Seniorenzentrum Haus Franziskus in Gummersbach wurden weitere kirchliche Einrichtungen mit Schenkungen seitens Appold bedacht und feierten diese ebenfalls am Pfingstmontag. Für Andreas Rostalski steht besonders die jährliche, parallele Wiederholung der Ausstellung in allen vier Einrichtungen im Vordergrund. So könne jeder Interessierte ab Pfingsten 2027 den imaginären Uwe-Appold-Weg stets sechs Wochen lang beschreiten und sich inspirieren lassen.
Für Torsten Wolter, Vorsitzender der Kreiskatholiken Oberberg, gehören Kunst, Glaube und gesellschaftliche Verantwortung zusammen, genau das werde für ihn durch die Schenkung und den Weg sichtbar. Die Dauerleihgabe ist für ihn nicht nur ein kulturelles Geschenk, sondern auch ein Zeichen gelebter Verbundenheit mit den Menschen in Oberberg.
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