KARNEVAL

Prunksitzung ade, Klüngeljetümmel alaaf!

krj; 01.02.2026, 09:45 Uhr
Fotos: Martin Szepat --- Närrisches „Klüngeljetümmel“ in Lindlar.
KARNEVAL

Prunksitzung ade, Klüngeljetümmel alaaf!

krj; 01.02.2026, 09:45 Uhr
Lindlar – Die „gemischte“ Sitzung der KG Rot-Weiß Lindlar avancierte zu einem rauschenden jecken Fest.

Von Kathrin Roloff-Jamin

 

Seit der Session 2025 weht bei der Karnevalsgesellschaft Lindlar ein frischer Wind durch das rot-weiße Segel. Wo früher klassisch „Prunksitzung“ auf dem Plakat stand, heißt es nun kurz und knackig: „Klüngeljetümmel“. Nach den traditionellen Herren- und Damensitzungen feierte Lindlar am Samstag mit einer prall gefüllten gemischten Sitzung für Mädche und Junge.

 

[Das Dreigestirn (Prinz Sandra I., Bauer Manu, Jungfrau Gabi) auf Tuchfühlung.]

 

„Wir wollten einen frischen, modernen Namen und etwas Neues integrieren“, erklärte KG-Präsident Philip Caucal sichtlich stolz. Dass der Plan aufging, sah man auf den ersten Blick: Das Zelt war bis auf den letzten Platz ausverkauft und ein einziges Meer aus Farben und Glitzer. Die Lindlarer Jecken hatten sich mal wieder selbst übertroffen: Von Flower-Power über stolze Ritter und Piraten bis hin zu kreativen Kostümen wie Zahnfeen, wandelnden Lampen oder Sträflingen war alles vertreten. Ein echtes „Jetümmel“ eben.

 

[Lindlars Bürgermeister Sven Engelmann mischte sich unter das närrische Volk.]

 

Den Eisbrecher machte der Männerchor „Laut aber Schief“. Mit einer Extraportion Herzblut bewiesen die Herren, dass Leidenschaft im Karneval wichtiger ist als jeder gerade Ton. Danach wurde es scharfzüngig: Dä Tuppes vum Land (Jörg Runge) betonte, er sei „kein Fertigprodukt, sondern ein Unikat“. Richtig herrschaftlich wurde es, als das Traditionskorps der Prinzen-Garde Köln 1906 mit klingendem Spiel einzog. Echtes kölsches Brauchtum mitten in Lindlar – der Mariechentanz war ein akrobatischer Genuss.

 

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In Sachen Rede vertraute die KG auf einen echten Hochkaräter: Dave Davis. Er nahm kein Blatt vor den Mund und knöpfte sich alles vor, was nicht niet- und nagelfest war – von der Eheberatung über die aktuelle Krisenlage bis hin zu Heidi Klums Model-Show. Als das Zelt lautstark nach einer Zugabe brüllte, fackelte er nicht lange: „Ja klar. Wat soll ich saare.“ Besonders herrlich: Seine Improvisationen mit den Dialekten und die Sprüche Richtung Oberberg Aktuell-Fotograf: „Mach schnell, später bin ich heller. Und mach den Weißabgleich raus.“

 

[Fröhliche Jecken, wo man nur hinschaute.]

 

Immer wieder mittendrin: Das strahlende Damendreigestirn mit Prinz Sandra I., Bauer Manu und Jungfrau Gabi. Mit ihrem Gefolge feierten sie jede Nummer in den Reihen mit. Als dann die Klüngelköpp die Bühne enterten, gab es kein Halten mehr. Spätestens bei „Wenn am Himmel die Stääne danze“ verwandelte sich das Zelt in ein Lichtermeer aus Handytaschenlampen – ein Gänsehautmoment pur, bei dem sich die Menschen schunkelnd in den Armen lagen.

 

Die „Hellige Knäächte un Mägde“, Kölns älteste Traditionstanzgruppe, schafften spielend den Spagat zwischen Historie und Moderne und ehrten Willi Ostermann mit einem Medley. Danach wurde es laut: Die Jungs von „Stadtrand“ und die legendären „Bläck Fööss“ gaben sich die Klinke in die Hand. Der Zeltboden vibrierte, als die größten Hits der kölschen Geschichte geschmettert wurden.

 

[Gänsehaut pur bei „Wenn am Himmel die Stääne danze“.]

 

Auch fürs Auge wurde viel geboten: Die Kölner Paulinchen verzauberten mit Eleganz und Akrobatik, bevor Nici von „Kempes Feinest“ wie ein Wirbelwind über die Bühne fegte und die letzten Kraftreserven aus dem Publikum lockte. Für eine Überraschung sorgten die Nordlichter von den „Big Maggas“, die mit ihrem Mix aus Rock und Polka bewiesen, dass man auch im hohen Norden weiß, wie man „Fastelovend“ feiert.

 

Den musikalischen Rahmen über den gesamten Tag hielt das Orchester Michael Kuhl perfekt zusammen – egal ob Einmarsch, Tusch oder Begleitmusik. Souverän und mit viel Witz führten KG-Präsident Philip Caucal und Radio Köln-Moderatorin Svenja Hein durch den närrischen Tag. Am Ende des „Klüngeljetümmels“ blieb ein glücklicher Präsident zurück, der für die restliche Session nur einen Wunsch hatte: „Viel Spaß, viel Freude und Lachen, einfach ein schönes Miteinander."

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