KARNEVAL
Emotional und gefühlig: Morsbacher Damensitzung die Erste
Morsbach - Die Damensitzung der Karnevalsgesellschaft Morsbach verwandelten gestern 1.350 „Jeckinnen“ in ein kunterbuntes Wimmelbild grenzenloser Ausgelassenheit.
Von Ute Sommer
Passend zu ihrem Outfit als andalusische Matadoras begleiteten die Mädels des Damenelferrats der KG Morsbach gestern eine rauschende Fiesta, zu der sich die erste Damensitzung im ausverkauften Festzelt in der Wisseraue peu á peu entwickelte. Als Stimmungs-Aufwärmkommando lieferte die blau-weiß kostümierte Kindergarde einen fantastischen Auftritt, der, nach Aufforderung von Elferratspräsidentin Monica Stausberg, mit Zugabe und einem dreifach donnernden „Mueschbech Deheem“ honoriert wurde.
Dann hieß es Bühne frei für den mit allen kölschen Wassern gewaschenen Guido Cantz, der sich mit einem lapidaren „Moooorgan, wie is et?“ die Aufmerksamkeit des quirlig aufgelegen Publikums sicherte. In gewohnt schräg-witziger Manier kommentierte er die „Gelsenkirchener Kernbohrung“, bei der in einer der ärmsten Städte Deutschlands angeblich rund 100 Millionen Euro Vermögen abhandengekommen seien. Mit Verweis auf „merkwürdige Zeiten“ und „Endgegner wie Donald Trump“ befand der Comedian unter tosendem Beifall aller Gäste, dass Karneval noch niemals so nötig gewesen sei wie derzeit.
Der zunehmende Einfluss von Künstlicher Intelligenz auf die Gesellschaft gehe an seiner analogen Mutter bisher spurlos vorüber, da diese noch immer versuche, Siri mit dem Befehl „Hallo Iris“ zu aktivieren. Rückblickend auf die Pandemie charakterisierte der platinblonde Entertainer Covid 19 als nervig, doch die aktuelle Herausforderung durch die Pubertät von Filius Paul, 15, sei bei weitem größer. Bevor er unter dem Gekreische seiner elektrisierten Fans zahlreichen Selfie-Wünschen nachkam, richtete der Bühnenprofi seinen Dank an alle Ehrenamtlichen, die über Jahrzehnte hinweg das Karnevalsbrauchtum in Sälen und hinter den Kulissen ermöglichten.
Keine Zeit zum Durchatmen blieb den fantasievoll kostümierten Ladies, denn die fünf Jungs von Cat Ballou machten mächtig musikalischen Betrieb im „Mueschbecher Gürzenich“. Zu „et jitt kein Wood“, „auf die gute Zeit“ oder „Eau de Cologne“ lieferten die Musiker um Frontmann Oliver Niesen eine tolle Bühnenshow, während der Morsbacher Background-Chor auf den Bänken tanzte und das Zelt in die heißeste Partylocation nördlich der Alpen verwandelte. „Boah ihr könnt feiern“, zeigten sich die Kölsch-Rocker beeindruckt von der Damen-Performance.
[Video: Michael Kleinjung.]
Unter dem Motto „Life is better in Pink“ nahm Lieselotte Lotterlappen, alias Joachim Jung, närrische Selbstläufer-Themen schlüpfrig- scharfsinnig auf Korn. „Ich bin so dick, dass jeder Knopf um sein Leben winselt“, bemängelte die Comedienne, die im früheren Leben, laut eigener Aussage, als PTA in der Apotheke tätig war. Den Kunden, der Kondome in Größe XXXXXL verlangt habe, habe sie sofort als ihren Wunsch-Ehemann identifiziert. „Als ich feststellte er war Stotterer, war es schon zu spät.“
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Den weiteren Verlauf ihres Auftritts widmete der Lotterlappen dem scheidenden Damenelferrat, der nach 25 Jahren die Präsidentschaft der Damensitzungen in jüngere Hände abgeben wird. „Nä Monica, du kleiner Kastagnettenfalter, ich heul jetzt schon“, lamentierte das rosa Knallbonbon und versank in wehmütige Erinnerungen. „Viele Kollegen kommen hierher wegen des Publikums, für mich ist Meuschbech das was ich liebe“.
Als aufrichtige Hommage an die charmante Sitzungsmoderatorin und ihre „Ratskolleginnen“ animierte „der Lieselotte“ den Monumental-Zeltchor zum stimmgewaltigen Gesang von Dauerschleifen: „Bella Ciao“, „Leev Marie“ und „dat is Heimat“. Im Handy-Lichtermeer schunkelnd, feierte die Karnevalsfamilie eine sowohl ausgelassene als auch „gefühlige“ Damensitzung.
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Ein weiteres Highlight präsentierte der Einzug von Prinzessin Liya, aus dem Hause Bukowski“, der von Funkengarde und der Garde Blau-Weiß imposant in Szene gesetzt wurde. Beide Tanzgruppen lieferten mitreißende Tanzeinlagen, begeisterten mit flotten Choreografien und sehenswerter Akrobatik. Die „Fidelen Grön-Wießen Rezag Husaren“ transportierten die Porzer Variante der fünften Jahreszeit in den Oberbergischen Südkreis. Das weitere Abendprogramm lag in Händen musikalischer Karnevals-Hochkaräter wie den Höhnern, Lupo, Stadtrand, Kasalla und Paveiern, die jeweils eine weitere Stimmungs-Eskalationsstufe zündeten und das Zelt in ein Wimmelbild verwandelten.
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