JUNGE LEUTE
Poppig, originell und vielfältig
Wiehl - Bei der Verleihung des Jugendkulturpreises des Netzwerks gegen Rechts im Oberbergischen Kreis beeindruckten die vielfältigen Kunstwerke, in denen Jugendliche und Heranwachsende gesellschaftlichen Themen ihrer Lebensrealität Ausdruck verleihen.
Von Ute Sommer
Den ersten Preis abgeräumt hat die Plastik „MIR-Menschlichkeit. Integration. Respekt“, die begeisternd knallige „Toleranztreppe“ erreichte den zweiten Platz, den dritten Podestplatz teilten sich die unter die Haut gehende Performance „Die Mauer-eine moderne Ballade“ und das beeindruckende Street Art Projekt „Keine Parole nimmt dir die Krone“. Weil die Qualität der eingereichten Schülerbeiträge in diesem Jahr so hoch war, sah sich die Jury genötigt, den Bronzeplatz gleich zweimal zu vergeben. So erlebten die 140 Besucher, die der Einladung des Netzwerks gegen Rechts im Oberbergischen Kreis ins Stadtteilhaus Drabenderhöhe gefolgt waren, gestern Abend eine vielseitige und unterhaltsame Verleihung des Jugendkulturpreises 2026.
Der Kunstwettbewerb, der in diesem Jahr unter dem Motto „Realität statt Parolen“ stand, bietet Jugendlichen und Heranwachsenden eine Plattform, auf der sie ihre individuellen Ideen, Sichtweisen und Impulse zu gesellschaftlichen Themen künstlerischen Ausdruck verleihen können. „Die hochklassigen und kreativen Beiträge verdeutlichen das rege Interesse an demokratischen Fragestellungen“, hieß Lara Schroeter als Projektleiterin der Koordinierungsstelle des Netzwerks gegen Rechts die Gäste willkommen. Mit drei Liedvorträgen für respekt- und friedvolles Miteinander aller Menschen weltweit setzten die DBG-Schülerinnen Linda und Pauline ein erstes musikalisches Toleranz-Statement, dem der Spoken-Word-Artist Finn Westen aus Hattingen die nachdenklich stimmende Adaption des Kinderbuchklassikers der „Raupe Nimmersatt“ von Eric Carle folgen ließ.
Zur eigentlichen Siegerehrung und in Anerkennung ihres dritten Platzes bat Moderatorin Lara Schroeter anschließend die Klasse BNMO 40 des Berufskollegs Dieringhausen auf die Bühne, deren großformatiges Bild „Keine Parole nimmt dir die Krone“ die Unantastbarkeit der Menschenwürde in den Fokus rückt. Das Werk entstand in Kooperation von Religions- und Fachunterricht und brachte den angehenden Maler-Azubis ein Preisgeld von 100 Euro ein. Über ebenfalls 100 Euro und den geteilten dritten Platz freuten sich die Teens der 7. Klasse der Gesamtschule Waldbröl, die mittels Sprechmotette und Karton-Installation den aktuell drohenden Verlust von Frieden und Freiheit in Szene setzten.
Einen realen Gänsehaut-Moment im Publikum verursachte die Rückseite der Karton-Mauer, deren Aufschrift „Nie wieder Krieg“ die Mahnung der Waldbröler Friedensmauer in Erinnerung rief. Wie originell und vielfältig jugendlicher Protest gegen Faschismus auch aussehen kann, demonstrierte die AG „Schule gegen Rassismus“ des Aggertal-Gymnasiums, die mit ihrer grell bemalten „Toleranztreppe“ auf dem Schulhof ein weithin sichtbares Zeichen für Vielfalt und Toleranz setzt. Das poppige Manifest honorierte die Jury mit 300 Euro.
Last but not least präsentierten die Auszubildenden des Nestor-Bildungsinstituts ihre aus alten Farbeimern, Teppichrollen und Pappmaché geformte Skulptur MIR („Menschlichkeit. Integration. Respekt“). Die menschlich geformte Figur trägt auf der Stirn die Botschaft „Jeder hat eine Wahl“. Die farbliche Zweigeteiltheit macht innerlich widerstreitende Haltungen wie Ablehnung/Zuwendung, Vorurteile/Unvoreingenommenheit, Liebe/Hass deutlich. „Jeder hat eine Wahl“ appelliert an den Betrachter, Menschen und Situationen jeweils individuell verantwortungsvoll und achtsam in dem Blick zu nehmen, eine „kunstvolle Botschaft“, die ihren Schöpfern 500 Euro Preisgeld bescherte. Künftig wird MIR im Eingangsbereich des Stadtteilhauses Drabenderhöhe als Botschafter für Achtsamkeit und Respekt werben.
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