JUNGE LEUTE
Neuverfilmung: Zwei von Emils Detektiven kommen aus Reichshof
Oberberg – Im Klassiker „Emil und die Detektive“ haben Bela und Charlotte tragende Kinorollen - Im Gespräch mit Oberberg-Aktuell berichten von ihren Erlebnissen am Set – Weltpremiere am Sonntag in Berlin (MIT FILMTRAILER).
Von Leif Schmittgen
Wo trifft man sich eigentlich mit angehenden Filmstars? Das hat sich der OA-Redakteur gefragt, als er telefonisch einen Gesprächstermin mit den Jungschauspielern Bela und Charlotte Plass vereinbaren wollte. Der Vorschlag der Kinder, sich doch am Kino in Gummersbach zu treffen, hätte nicht passender sein können. So haben beide auf einer Bank vor dem Lichtspielhaus Platz genommen und hatten zugleich ihre Eltern Ulrike und Mario im Schlepptau. Die aus Reichshof stammenden Kinder haben tragende Rollen in dem von Warner Bros. und UFA produzierten Kinofilm „Emil und die Detektive“ übernommen.
In der Neuverfilmung des Kinderbuchklassikers von Erich Kästner spielt der elfjährige Bela die Rolle des „kleinen Dienstag“ und ist Teil der Kinderbande, die einen Dieb quer durch Berlin jagt. Seine Schwester Charlotte tritt als Komparsin auf und ist das persönliche Double ihres Bruders. „Ich komme zum Beispiel immer dann zum Einsatz, wenn Drehzeiten überschritten wurden“, berichtet die Zehnjährige. Zudem ist sie immer mit dabei, wenn viele Kinder durchs Bild wuseln. „Dann sieht man auch mein Gesicht“, freut sich die Zehnjährige. Dass ihr Bruder mit einer der Hauptrollen einen weitaus größeren Part im Film einnimmt, gönnt sie ihm: „Das finde ich echt cool“, meint sie.
Und „cool“ findet das Geschwisterduo auch die Erlebnisse am Set in der Hauptstadt. „Da wurden für den Dreh ganze Straßenzüge gesperrt“, berichtet Bela und ist noch heute beeindruckt, welcher Aufwand für eine solche Filmproduktion betrieben wird. „Ich will ja nicht angeben, aber wer kann schon behaupten, in einem abgedunkelten Van vom Hotel zum Dreh abgeholt zu werden“, schwärmt der bescheidene Bela. Den Film durfte die Familie vorab sehen. „Es war interessant, mich selber zu sehen, und ich war beeindruckt, wie viel Mühe ich mir gegeben habe“, reflektiert Bela seine schauspielerische Leistung.
Viele Freunde haben die beiden in Berlin gefunden. An drehfreien Tagen hat die Familie den Sommer in der Bundeshauptstadt zum Beispiel am Ufer des Wannsees genossen. Während der sechswöchigen Schulferien im vergangenen Jahr wurde im gesamten Stadtgebiet von Berlin gedreht. Somit gab es für die beiden Gymnasiasten keine Überschneidung mit der Anwesenheitspflicht im Unterricht. „Sollte es einmal eng werden, gibt es Unterrichtsmöglichkeiten für die Kinder am Set“, sagt Mutter Ulrike, die selbst Lehrerin ist. Das Wohl ihrer Kinder steht für die Eltern selbstverständlich immer im Vordergrund: „Wir fragen fünfmal, ob sie einen Auftrag wirklich annehmen möchten“, berichtet Papa Mario.
Denn das Geschwisterduo ist im Umgang mit Kameras schon seit längerem vertraut. Ein Agenturmitarbeiter sah zufällig das Foto der damals fünfjährigen Charlotte auf dem Smartphone ihres Vaters und sprach ihn spontan an, ob Interesse bestünde, das Mädchen für Fotoaufträge zu buchen. Unter anderem fand sich Charlotte so in zahlreichen Werbeprospekten wieder oder stand für ein Musikvideo vor der Kamera. Der ein Jahr ältere Bela kam durch seine Schwester einige Jahre später ebenfalls auf den Geschmack und weist inzwischen eine nicht minder beeindruckende Vita vor. Für den 1. FC Köln ließ er sich ablichten oder flimmert zum Beispiel bis heute täglich im Fernsehwerbespot für eine Haselnussschnitte mit den Worten „Ist der Tobi da?“ über den TV-Bildschirm. Im Vergleich zur großen Kinoproduktion aber sind diese Dreharbeiten binnen weniger Stunden im Kasten.
[Trailer: Warner. Bros --- Für Tonwiedergabe bitte auf den entsprechenden Button im Video klicken.]
Ein Wermutstropfen bleibt für Bela aber trotz der vielen Erlebnisse: „Ich musste für die Dreharbeiten auf ein Konzert von Iron Maiden verzichten“, sagt der begeisterte E-Gitarrist mit einem Lachen. Und auch der eigentlich gebuchte Italien-Urlaub fiel für die Reichshofer Familie ins Wasser: „Dafür haben wir aber die Stadt Berlin lieben gelernt“, sagt Mario. Schwebt den Kindern jetzt die große Filmkarriere vor? „Ich möchte gerne an weiteren Produktionen mitwirken“, sagt Bela. Er weiß aber auch, dass die Schauspielerei ein „hartes Brot“ sein kann, und möchte sich hauptberuflich auf etwas Solides konzentrieren, dabei das Filmgeschäft aber nicht aus den Augen verlieren. Groß ist seine Liebe zu Tieren. In das gleiche Horn stößt Charlotte, die auch künftig gerne – solange es die Zeit und Lust zulässt – vor der Kamera agieren möchte. Sie kann sich aber auch vorstellen, einmal beruflich in die Fußstapfen ihrer Mutter zu treten und Lehrerin zu werden.
Erst einmal aber schauen die beiden Jungstars gespannt auf den morgigen Sonntag: Dann nämlich flanieren sie in Berlin zur Weltpremiere von „Emil und die Detektive“ über den roten Teppich. Bundesweit – und somit auch im Gummersbacher Kino – ist der Film ab Donnerstag, 24. September, zu sehen.