JUNGE LEUTE

Auf dem Weg zur Schule 4.0

pn; 24.01.2020, 14:30 Uhr
Fotos: Peter Notbohm --- Bürgermeister Frank Helmenstein und Kämmerer Raoul Halding-Hoppenheit ließen sich von den Schüler die Funktionen der iPads genaustens erklären.
JUNGE LEUTE

Auf dem Weg zur Schule 4.0

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pn; 24.01.2020, 14:30 Uhr
Gummersbach – An der Gesamtschule Derschlag startet zum kommenden Schuljahr ein Pilotprojekt – Schüler werden mit modernen iPads ausgestattet.

Von Peter Notbohm

 

Mathematik- und Informatiklehrer Yoshi Herz ist ganz in seinem Element. „Fotografiert bitte die Lösung und droppt sie zu mir rüber auf mein iPad“, fordert er die Schüler der siebten Klasse der Derschlager Gesamtschule auf. Anschließend kommt die junge Beyza nach vorne und zeigt ihren Mitschülern am Whiteboard noch einmal die wichtigsten Punkte des Rechenwegs, den die Jugendlichen zuvor erarbeitet hatten, um ihre Lösungen anschließend mit ihrem iPad an den Lehrer zu schicken.

 

Was immer noch ein wenig futuristisch klingt, soll zumindest in Derschlag ab dem Schuljahr 2020/21 Normalität werden. Denn dann startet die Stadt Gummersbach an der Gesamtschule ein Pilotprojekt, bei dem drei Jahrgänge mit iPads ausgestattet werden. Dazu zählen die Klassen 5 sowie zwei weitere Jahrgänge, die von der Schule noch festgelegt werden. Jeder Schüler erhält kostenfrei ein iPad mit Hülle, das im Unterricht genutzt wird, aber auch mit nach Hause genommen werden darf, um dort Lerninhalte vertiefen zu können. Insgesamt 101.400 € investiert die Stadt hierfür aus dem Programm „Gute Schule“. Bei einem Erfolg des Projekts sollen zum Schuljahr 2021/22 alle aktuell 922 Schüler ein iPad erhalten (Ausstattungskosten von 311.636 €), anschließend auch die anderen weiterführenden Schulen im Stadtgebiet. Die Geräte bleiben dabei im Eigentum der Stadt, sind auch über diese versichert und werden bei Schulwechsel oder zum Ende der Schullaufbahn wieder an die Schulen zurückgegeben.

 

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„Die Digitalisierung der Schulen wird sukzessive umgesetzt“, sagte Bürgermeister Frank Helmenstein, „aber das hier ist schon ein Quantensprung.“ Interessiert ließ sich Gummersbachs erster Bürger von den Jugendlichen die Funktionen und Möglichkeiten des iPads im Unterricht zeigen. Wichtig ist ihm dabei vor allem die Chancengleichheit für alle Schüler: „Jedes Kind wird unabhängig vom Verdienst der Eltern ein iPad bekommen und das ohne Leigebühr. Denn wir investieren in Schulen und Köpfe.“

 

Schulleiter Ingolf Weber, dessen Schule seit einem Vierteljahr als erste Gummersbacher Schule das Siegel „Digitale Schule“ tragen darf, sieht vor allem die Vorteile der einziehenden Technik in den Unterricht: „Moderne Pädagogik hat nichts mehr mit dem Frontalunterricht früherer Tage zu tun, sondern soll auf das Berufsleben vorbereiten. Heute geht es nicht mehr um Reproduktion von Wissen, sondern um die Anwendung dessen.“ Vorteile biete das System vor allem für etwas langsamere Schüler, die sich erstellte Lernvideos immer wieder anschauen können: „Einen Film kann ich jederzeit zurückspulen, den Lehrer nicht.“ Generell können mit den Tablets auch Tests und Klassenarbeiten geschrieben werden – die Handschrift wolle man aber auf keinen Fall abschaffen, so Weber: „Wir wollen die iPads nicht auf Biegen und Brechen einsetzen, sondern den Unterricht unterstützend.“

 

[Beyza zeigte mit Lehrer Yoshi Herz ihren Mitschülern auf dem Whiteboard, auf welche Zahlen es bei der Rechnung ankam.]

 

Auch das Thema Datenschutz wird bei Stadt und Schule großgeschrieben: Auf den iPads werden viele lernfördernde Apps vorinstalliert sein, über das digitale Managementsystem „Jamf School“ kann die Schule Nutzungsrechte der Geräte auf dem Schulgelände zudem einschränken. In den eigenen vier Wänden können Jugendliche die iPads dagegen völlig frei verwenden: Hier sind dann die Eltern wieder in der Pflicht. Diese können sich an der Schule bei Infoabenden von Medienscouts rund um das Thema iPad schulen lassen – ein Angebot, das auf reges Interesse stoße, wie Weber betont.

 

„In Gummersbach ist die digitale Zukunft keine Zukunft mehr, sondern bereits die Gegenwart und das hier ist der nächste Schritt“, meinte Kämmerer Raoul Halding-Hoppenheit. Bereits im Frühjahr werde die Gesamtschule Derschlag an das Glasfasernetz angeschlossen und für 2021 wird die Stadt für sämtliche Schulen Investitionen in Höhe von 1,5 Millionen Euro aus dem Digitalpakt NRW für Beamer und Whiteboards tätigen.

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