JUNGE LEUTE
„Wir wissen, dass wir Euch nicht mehr zum Fernsehen bringen“
Waldbröl – Schüler des Hollenberg-Gymnasiums diskutierten heute mit Medienschaffenden und Politikern über die Aufgabe der öffentlich-rechtlichen Medienanstalten – Formate müssen sich deutlich ändern, um auf Interesse zu stoßen.
Von Leif Schmittgen
Wie bewerten junge Menschen eigentlich das Angebot der öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten? Zu diesem Thema hatten sich Schüler des Hollenberg-Gymnasiums Waldbröl (HGW) gemeinsam mit ihrer Lehrerin Nadine Friederichs Gedanken gemacht. Der Münchner Regisseur Daniel Harrich – er war im vergangenen Jahr wegen einer Filmpremiere in Waldbröl und kannte die HGN-Schüler bereits – hatte den Schülern der Klassen 11 und 12 zunächst einige Grundkenntnisse über die Medienarbeit vermittelt.
[Daniel Harrich moderierte die Veranstaltung.]
Zu der von ihm heute moderierten Veranstaltung im Bürgersaal des Rathauses hatten hochkarätige Gäste auf dem Podium Platz genommen. Neben WDR-Newsroom-Chefredakteur Stefan Brandenburg waren dies die stellvertretende Rundfunkratsvorsitzende Marie Kaub und die Landtagsabgeordneten Jochen Ott (SPD) und Frank Jablonski (Bündnis 90/Die Grünen). Vom Gymnasium komplettierten Direktor Frank Bohlscheid sowie Timo und Nika vonseiten der Schülervertretung das Podium, das sich den Fragen der rund 120 Jungen und Mädchen stellte. „Wir wissen, dass wir Euch nicht mehr zum Fernsehen bringen“, sagte Stefan Brandenburg gleich zu Beginn. Ihn interessieren aber die alternativen Sichtweisen der Schüler, wie man die U20-Generation mit relevanten Nachrichten versorgen kann.
Ein Mädchen aus dem Publikum berichtete, dass sich Nachrichten nur wiederholten und depressiv machten. Sie bevorzuge amerikanische Serien von Streaminganbietern. Einhellig forderten die beiden Politiker eine Lösung vom amerikanischen Medienkonsum, der ein völlig anderer als der europäische sei. Denn privatwirtschaftliche Interessen von Sendern sowie Populisten haben seit Jahrzehnten Interesse daran, den öffentlich-rechtlichen Auftrag zu zerstören, waren sich die Protagonisten einig.
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[Marie Kaub und Stefan Brandenburg waren vom WDR dabei.]
Die meisten Nachrichten bei Instagram, Tiktok und Co. im Netz seien hetzerisch und einseitig. Bei der Migration zum Beispiel würden häufig nur diejenigen gezeigt, die anderen schaden. „Ich habe mir kürzlich die Nase operieren lassen. Ohne Menschen mit Migrationshintergrund hätte ich das selber tun müssen“, meinte Ott. In der Medizin und Pflege ginge ohne Menschen aus dem Ausland nichts mehr. Es sollte der öffentlich-rechtliche Auftrag sein, alle Seiten zu beleuchten, und sich an die Vorgaben der Verfassung zu halten.
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„Wir berichten über extremistische Themen und fragen die Menschen nach ihren Problemen“, rechtfertigte der WDR-Chef, dass auch vermeintlich grundgesetzwidrige Meinungen im Programm Platz finden. „Wir diskutieren jeden Morgen mindestens eine Stunde, was nachrichtenrelevant ist“, so Brandenburg. "Und wenn es Beschwerden gibt, kommt der Rundfunkrat ins Spiel. Dieser wählt den Intendanten und spricht auch über ethische Grundsätze“, berichtete Kaub. Die Jugendlichen wünschten sich die schnellere und lockerere Weitergabe von News: „Leider kann man komplexe Zusammenhänge nicht in 30 Sekunden erklären“, so Jablonski. Deshalb seien klassische Nachrichtenformate unerlässlich.
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Timo, selbst in der Jungen Union aktiv, warb bei seinen Mitschülern dafür, sich durch Nachrichten zu bilden, und seine Mitschülerin Nika, die sich als unpolitisch beschrieb, warb dafür, bei jedem, egal woher er stamme, immer nach dem Menschen und dem Hintergrund seines Handelns zu schauen. „Diese Aussage ist sehr politisch, auch wenn du das vielleicht nicht so siehst“, so das Fazit von der Rundfunkrätin Kaub, die sich in dem Gremium mit genau solchen Fragen befasst und das Engagement der Schülerin lobte.

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