JUNGE LEUTE

„Erinnern. Verstehen. Handeln.“

Red; 30.03.2026, 12:00 Uhr
Fotos: Nina Heinrichs --- Monika und Michael Höhn berichten aus ihrer jahrzehntelangen Friedens- und Bildungsarbeit und kommen mit Schülerinnen und Schülern ins Gespräch über Kriegserfahrungen, Verantwortung und gesellschaftliches Engagement.
JUNGE LEUTE

„Erinnern. Verstehen. Handeln.“

Red; 30.03.2026, 12:00 Uhr
Waldbröl – Mit einem Projekttag setzt die Gesamtschule Waldbröl ein Zeichen für gelebte Demokratie – Im Fokus: Nationalsozialismus, Erinnerungskultur, Demokratiebildung und gesellschaftliche Verantwortung.

Am Ende wird es still im Theaterraum. Auf der Bühne endet „Die Welle“, im Publikum sitzen einige Schülerinnen und Schüler der Gesamtschule Waldbröl. Einige wischen sich Tränen aus dem Gesicht. Es ist einer dieser Momente, in denen klar wird, worum es an diesem Tag geht. Zur gleichen Zeit steht eine Schülerin vor den Bannern der Ausstellung „Keine Zeit für Tränen“. Sie schaut auf die Fotos der Kindertransporte, zögert kurz und sagt dann: „Die Kinder auf den Bildern sind so klein. Die mit den beiden Zöpfen und dem Schild um den Hals sieht aus wie meine kleine Schwester. Warum haben die Erwachsenen nicht damit aufgehört, das ist so unfair.“ Danach bricht ihre Stimme.

 

Diese beiden Situationen stehen exemplarisch für den Projekttag „Erinnern. Verstehen. Handeln.“, den die Gesamtschule Waldbröl am 20. März erstmals mit allen Jahrgängen von 5 bis 12 durchgeführt hat. Laut einer Mitteilung der Schule stand dabei eine klare Leitfrage im Zentrum: Wer waren und wer sind diese Menschen – und wie erging es ihnen? Diese Frage zog sich durch den gesamten Tag. Jede Jahrgangsstufe arbeitete anders daran, aber immer mit einem konkreten Bezug zu einzelnen Lebensgeschichten.

 

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In den Jahrgängen 5 und 7 erfolgte die Annäherung über den Film „Als Hitler das rosa Kaninchen stahl“. Der Film wurde in Abschnitten geschaut und gemeinsam besprochen. Begriffe wurden geklärt, Situationen eingeordnet, viele Fragen entstanden direkt aus dem Film heraus. Parallel dazu arbeiteten Klassen in Waldbröl selbst: Sie reinigten Stolpersteine und beschäftigten sich mit den Biografien der Menschen, an die sie erinnern.

 

Im Jahrgang 7 kam ein weiterer Zugang hinzu. Im Workshop „Hidden Codes“ setzten sich die Schülerinnen und Schüler mit Radikalisierung im Netz auseinander. Anhand eines digitalen Lernspiels ging es darum, typische Muster zu erkennen und einzuordnen. Die Auseinandersetzung verschob sich damit bewusst in die Gegenwart. Im Jahrgang 6 stand die Ausstellung „Keine Zeit für Tränen“ im Mittelpunkt. Einige Klassen besuchten sie, andere bereiteten sie vor oder führten selbst durch die Inhalte. Der Blick auf einzelne Kinder und ihre Geschichten machte das Thema für viele greifbar.

 

[Schülerinnen und Schüler reinigen Stolpersteine in Waldbröl und setzen sich dabei mit den Biografien der verfolgten Menschen auseinander.]

 

Die Jahrgänge 8 und 9 arbeiteten projektorientiert weiter. Während sich ein Teil des Jahrgangs 8 intensiv mit Stolpersteinen auseinandersetzte und eigene Beiträge entwickelte, besuchte eine Klasse das Junge Theater Bonn und erlebte dort – so wie einige Schülerinnen und Schüler der elften Stufe – „Die Welle“ auf der Bühne. Im Jahrgang 9 entwickelten die Jugendlichen eigene Formate zur Frage, warum Erinnerung heute notwendig ist und wie sie gestaltet werden kann.

 

Für die Jahrgangsstufe 10 führte der Weg ins EL-DE-Haus nach Köln. Die Arbeit am historischen Ort eröffnete einen anderen Zugang zur Geschichte der nationalsozialistischen Verfolgung. Und in der Oberstufe wurde das Programm durch Workshops und Gespräche ergänzt. Themen waren unter anderem Kriegserfahrungen und deren Folgen. Gleichzeitig entstanden eigene Texte, etwa im Rahmen eines Poetry-Slam-Workshops.

 

[Ein gestalteter „Stolperstein“ im Unterricht macht ein Einzelschicksal sichtbar und hält die Erinnerung an die Opfer des Nationalsozialismus wach.]

 

Der Projekttag verband historische Auseinandersetzung mit aktuellen Fragen und konkretem Handeln. Es ging nicht darum, Wissen abzurufen, sondern Zusammenhänge zu verstehen und sich dazu zu positionieren. Die Gesamtschule Waldbröl knüpft damit an eine Entwicklung an, die seit Jahren aufgebaut wird. Als „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“ versteht sie das Programm als festen Bestandteil ihres Schulalltags. Die Courage-AG organisiert regelmäßig Aktionen, die Schülervertretung beteiligt sich an Projekten wie der Pflege von Stolpersteinen, und auch im Schulgebäude wird das Thema sichtbar gehalten. Der Projekttag ist ein weiterer Schritt in dieser Arbeit. Er soll künftig regelmäßig stattfinden und weiterentwickelt werden.

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