JUNGE LEUTE
172 Kinder im „antiken Babylon“
Nümbrecht – Das jährliche LöhCamp bietet wieder ein buntes Ferienprogramm für kleine Abenteurer – Ein Zeltlager in freier Natur.
Von Josephine Tscheliesnigg
Der Geruch von Lagerfeuer liegt in der Luft. Es knackt und knistert in der Feuerschale. Die Glut erhitzt bereits am Morgen die Luft unter dem Pavillon. Bänke umrunden die Feuerstelle. Geknetet, geformt, um den Stock gelegt: Es duftet nach frischem Stockbrot. Die Kinder der Gruppe „Black Panther“ schauen mit leuchtenden Augen zu, wie ihr Teig an Bräune gewinnt. Eine kleine Stärkung zwischen den Camp-Aktivitäten.
[Video: Leif Schmittgen --- Für Tonwiedergabe bitte auf den entsprechenden Button im Video klicken.]
Das LöhCamp in Bergneustadt öffnete wieder seine Pforten. Zwei Wochen lang stehen hier Spiel und Spaß für die acht- bis zwölfjährigen Teilnehmer im Vordergrund. Die Campfläche erstreckt sich über vier große Wiesen und bietet Platz für 172 Kinder aus Bergneustadt und Umgebung. Statt findet das Camp in Nümbrecht-Benroth. Mit 153 Betreuern und Service-Mitarbeitern von 13 bis 68 Jahren, bleibt kein Wunsch unerfüllt.
[Campleiter Alexander Berg und Programmleiter Michael Steinmetz.]
Passend zum diesjährigen Thema „Detektive des Königs“ spielt das Camp in Babylon im Jahr 605 v. Chr. Das „Herzstück“ ist der große Platz auf der unteren Wiese. Hier werden zehn Gruppen mit jeweils 16 bis 18 Kindern beherbergt. Bunte Wappen zieren die Zelteingänge, selbst gebaute Türme ragen hoch hinaus und verdeutlichen das Geschick der Gruppenleiter sowie der jungen Helfer. Neben den Schlafzelten finden sich noch viele andere Angebote auf dem Veranstaltungsgelände. Auf dem Zeltplatz wuseln die kleinen Teilnehmer herum, werkeln eifrig an ihren Bauten und knüpfen neue Kontakte. Im Fokus steht hier vor allem der „Mehrwert für danach“. „Nach den Schulferien haben dank des LöhCamps viele Kinder neue Freunde, die sie auf der Straße treffen. Das schafft einen großen Mehrwert für die soziale Kultur der Schule“, macht der Campleiter Alexander Berg deutlich.
Das Postsystem schafft einen Anfang für neue Freundschaften. Der zentrale Briefkasten ist so manches Mal mit Freundschafts- oder Liebesbriefen gefüllt. „Das fördert das Miteinander“, merkt Programmleiter Michael Steinmetz an. Einen Mehrwert gibt es auch im Nachhinein: „Die Eltern berichten, dass ihre Kinder für einige Zeit ausgeglichener sind. Die Natur, die frische Luft und die handyfreie Zeit tragen zu einem verbesserten Sozialverhalten bei“, meint der Campleiter.
Seit 2008 existiert das LöhCamp bereits selbstständig und war bereits vorher Teil eines anderen Ferienlagers. Nach und nach wuchs so die „Maschinerie an Zelten“ und die Evangelische Freikirchliche Gemeinde Bergneustadt Hackenberg (EFG Hackenberg) gleichermaßen. Was damals auf einer Wiese in Ommerborn bei Lindlar begann, findet nun bereits zum neunten Mal in Benroth statt. Mittlerweile kann die EFG Hackenberg auf insgesamt 15 Lager zurückblicken.
Ein festes Programm, welches früher aktiv geplant wurde, wich nun dem Gedanken mehr Freiräume zu schaffen. „Die Kinder können sich aussuchen, was sie machen wollen“, macht Berg deutlich. Aufgebaut wie eine eigene kleine Welt, toben die Kinder während der sogenannten „Interact-Zeit“ zwischen dem Kreativzelt, der Markthalle oder der Soccerarena herum. Feste Zusammenkünfte gibt es vor allem während des Plenums am Morgen und am Abend. Dann wird zusammen in der Markthalle das frischgekochte Essen genossen, gemeinsam gesungen oder das abendliche Schauspiel, passend zur biblischen Geschichte, bewundert. Der Rest des Abends kann unter anderem im „Semetschki-Zelt“ ausgeklungen werden. „Dann sitzen hier alle Kinder um das Lagerfeuer herum und knabbern Sonnenblumenkerne“, erklärt Berg.
[In der "WunderBar" werden die Mitarbeiter versorgt.]
Auch für die 153 Betreuer und Mitarbeiter wird einiges geboten. Das ehrenamtliche Projekt erfordert schließlich Urlaubstage und aktive Unterstützung. Die „WunderBar“ sorgt daher für leckeres Gebäck und frischen Kaffee als Ausgleich. Das Gebäck wird zum Teil selbst gebacken, teilweise aber auch von einer Bäckerei in Bergneustadt zur Verfügung gestellt. Für die ehrenamtlichen Helfer mit kleinen Kindern findet sich zudem ein Kindergarten auf dem Gelände. Dort werden die Kleinsten zwischen sechs Monaten und 7 Jahren betreut. Die jüngsten Helfer sind erst 13 Jahre alt. „Ein Mitarbeiter wird nicht über Nacht geboren“, erklärt Berg. Viele ehemalige Teilnehmer werden nach und nach zu Mitarbeitern und schließlich zu einem festen Bestandteil des Teams.
Fleißige Helfer kann das Camp immer gut gebrauchen, denn die Warteliste sei ellenlang, so Berg. Um einen guten Überblick zu haben, werden die Unterstützer in Teams aufgeteilt. So gibt es beispielsweise das Sport-Team, das Kindergarten-Team oder das Sanitäter-Team. So kann auch eine qualitativ gute Betreuung angeboten werden. Doch irgendwann sind auch Grenzen erreicht. „Wenn du die Zelte vollmachst, geht die Betreuungsqualität drauf. Dann verlierst du irgendwann die Beziehungsebene“, macht der Campleiter klar. Die Wartelisten haben also einen guten Grund.
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Wenn man dann endlich aufgenommen wird, ist die Freude groß. So wie bei den 11-jährigen Teilnehmern Amy und Ben (Foto oben). Die beiden sind begeistert vom LöhCamp. Für Amy ist es das erste Mal auf dem Gelände. „Ich mag am meisten die stille Zeit. Dann liest man in der Bibel und redet über Gott. Das interessiert mich sehr“, so Amy. Ben ist bereits zum zweiten Mal vor Ort. „Ich liebe das Essen hier und das Bauen macht großen Spaß. Den Turm haben wir selbst gebaut“, fügt er stolz an und deutet auf das Holzkonstrukt neben ihrem Lager. Ein Wappen schmückt die Vorderseite des Turms. Darauf zu sehen ist ein schwarzer Panther. Gruppenleiter ist Phillip Kasperek. Gemeinsam mit seiner Frau Jasmin betreut er die Gruppe aus Überzeugung und möchte ihnen eine gute Zeit ermöglichen. „Hier dürfen die Kinder auch mal Kinder sein. Viele haben nicht die Möglichkeit mal zu toben, zu bauen und zu basteln“, macht Phillip Kasperek deutlich.
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Der Geruch von Essen findet seinen Weg ins Camp. Im Küchenzelt wird gerade frisches „Chili con Carne“ zubereitet. Das heutige Abendessen wird wieder zusammen verspeist. Ein Abenteuertag neigt sich dann dem Ende zu. Ein weiterer Tag voller Holzarbeiten, Spielen und Kreativität – ein weiterer Ferientag im LöhCamp.
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